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Von Xantens Kolumne – Dietrich und Peterchen

Von Siegfried von Xanten

Ein Schlüssel ist ein Gegenstand zum Verschließen und Öffnen eines Schlosses. Der Schlüssel ermöglicht dem Eigner eine Zutrittskontrolle. Allerdings lässt sich diese Kontrolle mit einem Dietrich umgehen.

Ein Dietrich ermöglicht auch ohne Schlüssel das gewaltfreie Öffnen bestimmter Schlösser. „Es wird angenommen, dass bei Dietrich der Anklang an Dieb“ eine Rolle bei der Namensvergabe spielte. Wohingegen der Name Peterchen sich für den Himmelsschlüssel einbürgerte. Vom Petrus zum Peterchen.

Und wenn der Dietrich mit Vornamen Josef bzw. Sepp heißt, handelt es sich um den Panzersoldaten, den Tankwart und Fabrikaufseher, den Laufburschen, dann den Kommandeur der Leibwache des Führers und schließlich den höchstdekorierten Armeeführer und Generalobersten der Waffen-SS. Sepp Dietrich.

Während es in der „Frankfurter Allgemeinen“ anlässlich seines Ablebens 1966 sieben Tage nach Führers Geburtstag nur zu einer zweispaltigen Anzeige reicht, widmet ihm der „Guardian“ einen respektablen Nachruf:

„An Charakter und Taten gleiche er den Marschällen Napoleons.“

Ein raubeiniger, schnurrbärtiger Haudegen.

Und es ist viel los, als Sepp Dietrich in der württembergischen Barockstadt Ludwigsburg beigesetzt wird. 5.000 Trauergäste. Der Aufmarsch erregt Aufsehen:

„Es waren schon so Leute, dass man gesehen hat, es ist militärisch irgendwie. Außerdem hat man den Gesang gehört, wie die gesungen haben alle, das war ja laut, sozusagen, oder ungewöhnlich.“

„Ein Mann der Geschichte“, so Josef Zörlein, der katholische Dekan. Wie eine Bombe schlägt das in Frankreich ein. „Paris Match“ berichtet. Eine Bilderreportage.

Mit doppelter Siegrune und daneben „Serrez les rangs“ – die Reihen fest geschlossen. Ein Zitat aus dem „Horst-Wessel-Lied“. In einer Auflage von circa 700.000 Exemplaren.

Und was sagt der Führer?

„Sepp Dietrich hat eine besondere Rolle gespielt. Ich habe ihn immer dahin geschickt, wo es ganz kritisch war. Er ist eine Mischung von Schlauheit und von Rücksichtslosigkeit und Härte. Hinter der Maske des Burschikosen steckt ein ernster, sehr gewissenhafter, alles gründlichst überdenkender Mensch.

Wie sorgt der Mann für seine Truppe! Er ist eine Nummer für sich, wie früher der Frundsberg, die Seydlitz und Ziethen; ein bayerischer Wrangel, gar nicht zu ersetzen, ein Begriff im deutschen Volk. Nun kommt bei mir noch das dazu, daß er einer meiner ältesten Mitkämpfer ist.“

Und nach Sepp Dietrich ist das Schlüssel-Abzeichen benannt. „Es handelt sich dabei nur um ein Truppenzeichen.“ So Elke Fröhlich, Historkerin. „Wer aber heute so ein Zeichen verwendet, tut dies doch wohl nicht, weil er Schlüssel liebt“. Wobei es …:

„… nicht immer große Liebeserklärungen sein [müssen], um zu zeigen, wie viel jemand einem bedeutet. Es sind die kleinen Dinge im Leben und das gilt auch für alltägliche Aufmerksamkeiten.

Wenn er beim Einkauf an den Lieblings-Joghurt denkt, seine Freizeitaktivitäten mit einem abstimmt oder mal das Frühstück ans Bett bringt, dann ist das ganz klar seine persönliche Art ‚Ich liebe dich‘ zu sagen. […]

Wenn Paare noch nicht zusammenleben, ist der Wohnungsschlüssel ein großes Thema. Männer tun sich besonders schwer, ihrer Freundin einen Schlüssel ihrer Wohnung zu geben, denn sie haben oft das Gefühl, dass sich die Frauen danach in ihr Leben schleichen und alles Stück für Stück verändern wollen (Klischeealarm!).

Wenn er es aber tut und dann auch noch darauf besteht, ihn jeder Zeit, egal ob er zu Hause ist oder nicht, zu nutzen, dann muss er wirklich verliebt sein.“

Die Polizei bewertet das Truppenabzeichen allerdings nicht als Liebesbeweis, sondern als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation. Der Sepp-Dietrich-Schlüssel.

Als Schlüssel zur Offenlegung der verbrecherischen Pläne des Führers galten den Nürnberger Anklägern und den Historikern die Reden vom 5. November 1937, vom 23. Mai 1939 sowie vom 22. August 1939. Schlüsseldokumente für die Schuld der Hauptangeklagten. Schlüsseldokumente, die „die gemeinsame Planung des Krieges und eine Verschwörung gegen den Frieden“ belegen sollten.

Die zu verdammenden und zu bestrafenden Untaten seien von so niederträchtiger und vernichtender Art, dass man es sich nicht leisten könne, diese zu übersehen, so US-Chefankläger Robert H. Jackson.

Gut. Was man sich auf der einen Seite nicht leistet, spart man. Und wenn man etwas spart, kann man sich auf einer anderen Seite umso mehr leisten. Zum Beispiel bei der Auswahl der Belastungsdokumente.

Die erste der drei Reden ist durch das Hoßbach-Protokoll überliefert. Allerdings ist die Rede gar keine Rede. Es handelt sich um eine Besprechung zwischen dem Führer, Kriegsminister von Blomberg und den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtsteile. Und das Protokoll ist gar kein Protokoll.

Oberst Friedrich Hoßbach, des Führers Wehrmachtsadjutant, hat fünf Tage nach der Besprechung das niedergeschrieben, was ihm in Erinnerung geblieben ist. Der Führer soll gesagt haben, dass es zur „Lösung der deutschen Frage […] nur den Weg der Gewalt geben“ könne. Und: „Dieser Weg werde niemals risikolos sein.“ So die Richter des Nürnberger Tribunals.

In Nürnberg bezieht man sich nicht auf das Originalpapier, sondern auf die Fotokopie einer maschinengeschriebenen Abschrift. Und Friedrich Hoßbach kann auch nicht bestätigen, dass die Fotokopie mit seiner Niederschrift in allen Teilen übereinstimmt. Das maschinengeschriebene Dokument stammt aus 1943 oder 44.

Ein Offizier hatte den Text abschreiben lassen und das neue Dokument dann einem Verwandten zu treuen Händen überlassen. Und der hatte es dann an die Alliierten weitergegeben. Zu treuen Händen. Großadmiral Raeders Antrag 1946, das Original vorzulegen, lehnt das Gericht ab. Ebenso seinen Antrag, Friedrich Hoßbach vorzuladen. Es stört auch nicht, dass einige Formulierungen nicht Stil des Führers waren, wie Göring es formuliert.

Das beweiskräftige Dokument, das in Fotokopie einer 6 oder 7 Jahre nach der Besprechung angefertigten maschinengeschriebenen und zu treuen Händen wiederholt weitergereichten Abschrift vorliegt, weist diverse Randbemerkungen auf. So etwa von Generaloberst Freiherr von Fritsch, der an dem Tag, als Friedrich Hoßbach seine Niederschrift anfertigte, zu einer langen Ägypten-Reise aufbrach. Oder von Generaloberst von Brauchitsch, Nachfolger von Fritschs. Obgleich der weder von der Konferenz, noch von dem Dokument gewusst hat.

Aber es gibt ja noch die quellenkritischen Untersuchungen. Durch Experten. Und die Experten sagen, dass Dokument und Inhalt echt sind. Und Experten sind ja bekanntlich Spezialisten, die in fünf von vier Fällen glauben richtig zu liegen, wenn sie sich irren. Und das auf hohem Niveau. Eine Verschwörung gegen den Frieden.

Und das soll auch Schlüsseldokument 2 belegen. Das Schmundt-Protokoll zur Führer-Rede vom 23. Mai 1939. Irgendwann später aus dem Gedächtnis verschriftlicht. Die „unklarste Urkunde über eine Rede Hitlers“. So Großadmiral Raeder.

Der Charakter der Rede sei nicht richtig wiedergegeben und ein großer Teil der Ausführungen ergebe gar keinen Sinn. Und Schmundt selbst konnte man nicht fragen. Der war dauerhaft unpässlich und bei dem Attentat des 20. Juli 1944 ums Leben gekommen. Nur der Spiegel wusste es genau:

„Es besteht nicht der geringste Zweifel an der Echtheit dieses Dokuments.“

Zu Schlüsseldokument 3 existieren gleich sieben Protokolle und Niederschriften. Ein Dokument bekommt die Anklagebehörde von einem amerikanischen Journalisten zugespielt. Jeder Kritiker solle füsiliert werden.

Ziel des Krieges sei die physische Vernichtung des Gegners, die Entvölkerung Polens, das Zerbrechen der Sowjetunion. Sorge bestehe nur darüber, dass irgendein Saukerl noch mit Vorschlägen komme. Aber wenn er komme, fliege er die Treppe herunter. Und wenn man ihm vor den Augen aller Fotographen in den Bauch treten müsste. Scheißegal. „Und nun ran an den Feind!“ Und Göring habe auf dem Tisch getanzt.

Nachdem man das Beweisstück als Fälschung abgelehnt hatte, ließ man es in Kopie an die Auslandspresse verteilen. Eine Offenbarung für die Weltöffentlichkeit. So also redete der Führer. Gut. Scheißegal. „Und nun ran an den Feind!“ Auch wenn dem schon lange nicht mehr nach Tanzen zumute war.

Das zweite Dokument weist keinen Kopf, kein Datum, keine Unterschrift und kein Aktenzeichen auf. Die erste Hälfte geschrieben auf dem gleichen Papier und mit der gleichen Maschine wie Dokument 1. Dokument 2 hat es in die Geschichtsbücher geschafft. Samt Schweinehund:

„Ich habe nur Angst, daß mir im letzten Moment noch ein Schweinehund einen Vermittlungsplan vorlegt.“

Da tut es auch nichts zur Sache, dass Generaladmiral Boehm die zweite Version als Fälschung bloßgestellt hat. Der Saukerl ist inzwischen zum Schweinehund geworden.

Generaladmiral Boehm selbst hat auch ein Protokoll angefertigt. Dort ist nichts zu lesen von den Plänen des Führers, Frankreich oder England anzugreifen oder Polen restlos zu zertrümmern oder eine deutsche Weltherrschaft anzustreben. Auch nicht in General Halders Tagebucheintrag oder in Helmuth Greiners Tagebuchnotiz oder in Generalleutnant Liebmanns drei Monate später angefertigter Niederschrift und auch nicht in Generaladmiral Albrechts Notizen. Kein Saukerl und kein Schweinehund.

Nicht Saukerl, sondern Sauckel war NSDAP-Gauleiter in Thüringen und von 1942 bis 1945 Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz. Ernst Friedrich Christoph Sauckel:

„Sauckel gehörte zu den 24 angeklagten Personen im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof und wurde am 1. Oktober 1946 in zwei von vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet.“

Nicht zum Tode durch den Strang verurteilt wurde Sascha Baron Cohen. Ein „Saukerl“ von Mann allerdings. So Rita Neubauer. Nicht nur, weil er des Führers „Mein Kampf“ als „Modebibel“ bezeichnet oder weil er sich über Madonnas Adoptionsversuche lustig macht – „kleine schwarze Mädchen gehören seit Neuestem zum Accessoire“.

Der Saukerl hatte mit „Brüno“ 2009 einen neuen Film ins Rennen geschickt. Den dritten nach „Ali G in da House“ und „Borat“:

„Brüno, ein schwuler Moderedakteur aus Österreich, klingt wie Schwarzenegger, kleidet sich wie Peter Pan und ist auch sonst eine Provokation. Damit die auch wirklich ankommt, schickt Cohen die Figur auf Reisen […]. In Madrid erschien er im Stierkostüm, in London führte er ein Regiment von Hotpant-Gardisten an. Und in Berlin sorgte Cohen alias Brüno am vergangenen Sonntag im fleischfarbenen Wollanzug mit aufgenähten Genitalien für Drängeleien vor dem Brandenburger Tor.“

Und eine Klage hatte Sascha Baron Cohen auch am Hals. Eine Amerikanerin hatte ihn verklagt wegen „lebensverändernder Verletzungen“.

Lebensverändernde Verletzungen trug auch ein Hähndl davon, dass sich in den Garten von Hitlers Eltern verirrt hatte:

„Wir hatten in meiner Jugend in Leonding einen Garten, daneben saß eine Frau, die jagte unentwegt ihre Hühner durch unseren Garten durch. Eines Tages habe ich einen alten Vorderlader geladen und habe da hereingeschossen. Nun habe ich gelesen, man hat in einem solchen Fall das Recht, das Hähndl einzufangen und erst gegen Schadensersatz zurückzugeben. Ein solcher Prozeß wegen einem Sauhähndl!“

Sagt der Führer.

Und Schüler? Wie denken sie? Nicht über das Sauhähndl, sondern über den Saukerl:

„Heute sagen die Leute: ‚Dieses Schwein, dieser Saukerl, Hitler hat uns einen schlechten Ruf gebracht.‘ Doch was veranlasst die Leute, heute so über Hitler zu reden? […]

Sie waren ja von Adolf Hitlers Ideen so begeistert und haben mit Freude mitgemacht. Doch erst als sie sahen, dass sie den Kürzeren ziehen, haben sie sich gegen Hitler aufgelehnt. Deswegen sind die Leute überhaupt nicht berechtigt, so gemein über Hitler zu reden.

Doch ich will mich jetzt nicht auf irgendeine Seite stellen. Dazu weiß ich zu wenig über Hitler und was damals genau geschehen ist.“

Nichts Genaues. Man weiß es nicht. Genau. Und die Leute hatten den Kürzeren gezogen.

Nicht den Kürzeren zog Siegmund von Hausegger, Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, mit seinem Vorschlag, eine Büste Anton Bruckners in der Walhalla aufzustellen. Er überzeugte den NSDAP-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert. Und der wollte es genau wissen und stellte 1936 die Walhalla unter die Obhut des Führers. Womit der Weg Bruckners in der Gedenkstätte in Donaustauf geebnet war, gehörte er doch zu des Führers Lieblingskomponisten. Am 6. Juni 1937 hielt die Bruckner-Büste Einzug in die Walhalla. Im Beisein des Führers. Und im Rahmen eines Festaktes.

Ein Spalier von Menschen und ein Chor von 800 Sängern empfingen den Führer am Bräuberg in Donaustauf. Man sang Bruckners „Germanenzug“:

„Germanen durchschreiten des Urwaldes Nacht, sie ziehen zum Kampfe, zu heiliger Schlacht. […] In Odins Hallen ist es licht und fern der Erdenpein, aus Freyas Wonnestrahlen bricht die Seligkeit herein! Solgofnir ruft den gold’nen Tag und Bragas Harfe klingt, mit Balmungschlag und im Gelag, die süße Zeit entschwingt. […] Die Freiheit, die Heimat ja ewig bestehn, die flüchtigen Güter, sie mögen vergehn! So riefen die Krieger, so zogen sie fort, gesegnet ihr Tun und bewahret ihr Wort!“

Odins Hallen. Wie steht es mit Hausrecht und Nutzungsvertrag?

„Viele größere Veranstaltungshallen sind Eigentum von Gemeinden und sobald im Laufe des Abends publik wird, dass die Halle nicht für eine Geburtstagsfeier, sondern für ein rechtsextremes Konzert genutzt wird, kann und wird der Bürgermeister von Hausrecht Gebrauch machen und den Nutzungsvertrag vorzeitig kündigen.“

Nicht in einer von Odins Hallen, sondern in Walhalla betrat der Führer nach den Festreden den Innenraum. Und die Domspatzen sangen Bruckners ‚Locus iste‘. Dann wurde die Komponisten-Büste enthüllt. Von Peter Raabe, Präsident der Reichsmusikkammer. Und „am Schluss durfte das Horst-Wessel-Lied ‚Die Fahne hoch! Die Reihen dicht geschlossen!‘ nicht fehlen.“

Locus iste. Die Anfangsworte der lateinischen Motette. 20 Jahre vor Führers Geburtstag von Anton Bruckner komponiert. Für vierstimmigen gemischten Chor. Zur Einweihung der Votivkapelle im Mariä-Empfängnis-Dom in Linz. „Dieser Ort“.

Ein anderer Ort „kämpft seit Jahren darum, die alte Bezeichnung ‚Adolf-Hitler-Berg‘ für den nahegelegenen Heigelkopf von Google Maps zu entfernen.“ Die bayrische Gemeinde Wackersberg. Man arbeite „schon seit Jahren daran, das rauszubekommen“. So Bürgermeister Alois Bauer.

Nicht Alois Bauer, sondern ein Bauer war es, der den Führer, der damals noch nicht so hieß, 1898 aus einem reißenden Bach zog, als er zu ertrinken drohte. In Hafeld. Direkt neben dem Rauschergut. Dort führt ein Steg über den Bach hinüber …:

„… zu einem heute unbewohnten und verfallenden Anwesen, in dem früher der Rechenmacher von Hafeld wohnte. Hitlers früher Jugendbiograf Fritz Heinz Chelius schrieb 1933: Noch heute erzählt der alte Nachbar Pfarl, wie Adolfchen die Rechen in den Stegmühlbach geworfen hat, weil sie so schön schwammen und von der starken Strömung so lustig abgetrieben wurden.“

Dann fiel er selbst in den Bach. Und Franz Gschwendtner war schnell zur Stelle, um den Führer, der damals noch nicht Führer hieß, aus dem Bach zu ziehen:

„Die Kinder seien ihm entgegengerannt, als er eben vom Rechenmacher kam, hat er immer wieder erzählt, mit aufgeregtem Schreien: ‚Einer ist reingefallen!‘ So sei er denn flugs hingeeilt und habe mit seinem frisch erstandenen Rechen einen achtjährigen Buben aus dem Wasser gezogen, der, wie damals üblich, des Schwimmens nicht mächtig war. Sein Name: Adolf Hitler.“

Den Führer am liebsten ertränkt hätte dagegen Adolph Kiefer. So Kiefer 2016 in einem Interview in der Welt. Vom 1.8. Der letzte noch lebende Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele von 1936: „Hätte ich Hitler doch nur ins Becken geworfen und ertränkt.“ Adolph Kiefer. „Noch immer lächelt er wie ein Sonnyboy.“ Am 1.8.

Und „Sunny Boy“ ist ein Film von Jane Gull, die ihre Karriere als Schauspielerin begann und 2005 ihren ersten Kurzfilm drehte. Protagonist in „Sunny Boy“ ist Danny. „Danny leidet an der seltenen Hautkrankheit Xeroderma Pigmentosum und muss vom Licht abgeschattet leben. Er träumt davon, draußen Fußball zu spielen.“ Ein weiterer Kurzfilm von Jane Gull ist „Hitler & Henry VIII.“

Dass der Führer und Heinrich VIII den Geschichtsunterricht dominieren, beklagt die britische Erziehungs- und Prüfungsbehörde. Die „Hitlerisierung“ des Fachs bereitet Sorge. Und Sorgen mussten sich auch die Frauen Heinrichs machen:

„’Geschieden, geköpft, gestorben. Geschieden, geköpft, überlebt‘ – so lautet ein englischer Abzählreim, der das Schicksal der sechs einander folgenden Frauen an seiner Seite beschreibt.“

Da denkt man gleich an den Führer. Vergiftet, erschossen, verbrannt, überlebt und abgereist. Die Führer-Variante des tudorschen Abzählreims. Durch den Führer selbst und Otto Günsche – „Der Chef brennt! Willst du mal gucken?“ – zeitgemäß modifiziert.

Nichts anbrennen ließ man in Nürnberg. Was nicht passte, wurde passend gemacht. Eine Verschwörung gegen den Frieden.

Und was sagt der Führer?

„Wie die Jägerei das Wild hegt, um es bei Gelegenheit umbringen zu können, so hegen die Juristen die Unterwelt.“

Und:

„Nicht dank, sondern trotz der Juristen lebt das Volk. Ich bin ja nicht der erste, der in ihnen eine Bazillenkultur sieht! Friedrich der Große hat nicht anders gedacht.“

Dank der Juristen wurden in Nürnberg zwölf der Angeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt, einer von ihnen, Martin Bormann, in Abwesenheit. Hermann Göring hatte „noch den Antrag gestellt, militärisch ehrenvoll durch ein Erschießungskommando zu sterben, was aber abgelehnt wurde.“

Nicht nur bei der Hinrichtung Ribbentrops kommt es zu Problemen:

„Die Falltür ist zu klein, mehrere Verurteilte schlagen mit dem Kopf auf dem Rand der Luke auf und ziehen sich schwere Verletzungen zu, so dass die bald kursierenden Fotos der Hingerichteten unerwartet blutig aussehen. Außerdem ist die Fallhöhe zu gering berechnet worden.

Das Genick der Verurteilten bricht beim Fallen nicht, so dass sie durch den Strick langsam erwürgt werden. Bei Ribbentrop dauert es 15 Minuten, bis er schließlich tot ist.“

Und der texanische Master-Sergeant John C. Woods hat immerhin schon weit über 300 Exekutionen durchgeführt.

„Alles für Deutschland“.

Die letzten Worte Wilhelm Keitels. Chef des Oberkommandos der Wehrmacht.

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