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Michael Winkler: Schneeball Erde

Riß, Mindel, Würm sind kleine Flüsse in Süddeutschland, und gleichzeitig Namensgeber für Eiszeiten. In diesen Eiszeiten war es auf der Erde kälter, der Schnee blieb liegen, immer neuer Schnee fiel und sorgte dafür, daß die Schneeschicht immer mächtiger wurde. Unter ihrem eigenen Druck formte sich die unterste Schicht dieser Schneedecke zu Eis um. Dieses Eis packte der Wandertrieb, es verschob sich, als sogenannte Gletscher. Gletscher, die in den Alpen entstanden sind, schoben sich vor, Richtung Donau. Skandinaviens Gletscher erreichten die norddeutsche Tiefebene. Irgendwo zwischen den Gletschern froren die Neandertaler und später unsere eigenen Vorfahren.

Die Alpengletscher bewegen sich auch nach Süden, nach Italien. Dort treffen sie auf die Gletscher der Abruzzen und Apenninen, die jedoch weniger mächtig ausfallen. Irgendwo im Süden ist Schluß, da ist es zu warm für Schnee und Eis. Das waren die Eiszeiten, die wir „gewohnt“ sind, gewissermaßen das Ein-Sterne-Gefrierfach. Es gab jedoch eine Zeit, in der die Erde ins Drei-Sterne-Tiefkühlfach gewechselt ist. Da schieben sich die Gletscher weiter und weiter vor, Richtung Äquator. Schließlich ist die ganze Erde von Gletschern bedeckt, ein einziger Schneeball. Das ist allerdings schon eine Weile her, etwa 700 Millionen Jahre.

Erdzeitalter tragen Namen, Kambrium, Silur, Kreide, Trias – und das Präkambrium. Letzteres umfaßt alles, was vor dem Kambrium passiert ist, etwa vier Milliarden Jahre. Dieses Zeitalter unterteilt man in Unterabschnitte, vom Hadean / Hadaikum bis zum Cryogenium und dem Ediacarium. Das Hadean steht ganz am Anfang, wo sich die Erde gebildet hat. Der Name leitet sich von Hades ab, der antiken Unterwelt. Das Höllenzeitalter war glühend heiß, der Planet von Lava bedeckt. Wobei Merkeldeutschland der Beweis dafür ist, daß ein Höllenzeitalter ganz ohne Lava auskommt.

Das Cryogenium ist die Zeit des Schneeballs Erde, es dauerte von 720 bis 635 Millionen Jahren vor unserer Zeit. Das Ediacarium dauerte von 635 bis 541 Millionen Jahren vor unserer Zeit, und es wurde vom Kambrium abgelöst, das von 541 bis 485,4 Millionen Jahren gedauert hat. Jetzt wissen Sie ungefähr, wie lange das alles her ist.

Die Paläontologen sind der Ansicht, daß die Erde der Mittelpunkt des Universums ist und sich alles um die Erde dreht. Folglich muß das Cryogenium auf der Erde entstanden sein und wurde auf der Erde beendet. Der Schlüssel dazu ist das Kohlendioxid. Dies ist ein phantastisches Gas, das zahllose Arbeitsplätze für Klimaforscher sichert und zugleich eine wahre Goldgrube ist, weil man Klima- und sonstige Steuern erheben kann.

Der Superkontinent Rhodinia – das Vorgängermodell von Pangäa – hat irgendwie den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre absinken lassen, deshalb wurde es kalt. Pangäa ist das nicht gelungen, aber das steht auf einem anderen Blatt. Und als Rhodinia zerbrochen ist, haben die irdischen Vulkane wie verrückt Kohlendioxid freigesetzt, das als Treibhausgas die Erde wieder auf Temperatur gebracht hat. Wie gesagt, die Erde ist flach und das Universum da draußen darf froh sein, daß es mit ihr einen Mittelpunkt besitzt.

Der Beginn des Lebens wird auf mindestens drei Milliarden Jahren vor unserer Zeit angesetzt. Bis zum Ende des Cryogeniums bestand das Leben aus Blaualgen, Stromatolithen, Eukaryonten und sonstigen Einzellern. Die absolute Spitzentechnologie bestand aus dem Zellkern und der DNS, dem Erbgut. Das war derart fortschrittlich, daß wir es bis heute beibehalten haben. Im Ediacarium sind plötzlich Mehrzeller entstanden, Zellen haben gelernt, sich zusammenzutun und zu spezialisieren. Auch das kennen Sie. Während Gehirnzellen Alkohol als äußerst anregend empfinden, haben Leberzellen nichts Besseres zu tun, als diesen Alkohol schnellstens zu vernichten. Die gute Laune verschwindet und wird durch einen veritablen Kater ersetzt. Das ist eben der Preis des Fortschritts.

Wechseln wir in ein Weltbild, das näher an der Wirklichkeit ist. Da steht die Erde nicht still, sondern gondelt erst mal gemütlich um die Sonne. Mit der Sonne saust die Erde ums Zentrum der Galaxis, und mit der Galaxis düst sie durch das restliche Universum. Das Universum selbst ist nicht so leer wie das Aktiendepot eines Hartz-IV-Empfängers, sondern richtig voll. Da schwirren Sterne und Planeten herum, Gas- und Staubwolken, Unmengen von Plasma, sowie Magnetfelder. Wobei das nur die bekannten Objekte sind. Dabei geht es nicht etwa so ordentlich und gesittet zu wie einst auf der DDR-Autobahn, sondern eher wie im Stadtverkehr Münchens. Obwohl, München ist nur ein ruhiges Übungsfeld für Rom… Ach, nehmen wir gleich Kalkutta. Da rauscht alles durcheinander, Vehikel in unterschiedlichster Größe, dazwischen bummeln heilige Kühe und wie durch ein Wunder überleben sogar die Fußgänger.

Zu diesen Objekten gehören Dunkelwolken. Wenn Sie nach „Säulen der Schöpfung“ suchen, oder auch nach „Kohlensack“, finden Sie bestimmt gute Aufnahmen von solchen Dunkelwolken. Stellen Sie sich bitte ein Schrotkügelchen vor, gerade einmal ein Millimeter Durchmesser. Verteilen Sie dieses Kügelchen in der Allianz-Arena, dem Stadion des FC Bayern München, dann haben Sie ein ungefähres Bild von der Verteilung der Materie im ach so leeren Raum. In einer Dunkelwolke drängen sich tausend dieser Schrotkugeln in selbigem Fußballstadion. Zu einer massiven Wolke wird das, weil eine derartige Unmenge Stadien hintereinander liegen, daß der Eindruck einer massiven Wand aus Blei entsteht.

Auf der Autobahn gibt es ein wunderbares Schauspiel: Da fährt ein Lkw mit den vorgeschriebenen 80 km/h dahin. Ein anderer Lkw hat es eilig und überholt – mit 81 km/h. Das heißt Elefantenrennen und begeistert jeden Pkw-Fahrer, der hinter den Elefanten herfährt. Vor allem, wenn zwischendurch ein Kilometer leicht ansteigender Strecke folgt, die der eine Lkw mit 78 km/h meistert, bei der allerdings der Überholende auf 77,3 km/h zurückfällt und Boden verliert…

Schicken wir nun unsere Sonne in ein solches Elefantenrennen mit einer Dunkelwolke. Das kann dann schon mal 85 Millionen Jahre dauern, oder? Die Wolke ist nicht massiv, sondern überaus durchlässig, aber leider nicht für Licht. Die Erde bekommt nur noch 95% dessen, was sie in normalen Zeiten an Sonnenenergie empfängt. Da wird es ganz schön kalt, da bricht eine Eiszeit aus. Die Gletscher wachsen, schieben sich in Richtung Äquator vor, der Planet vereist. Schnee strahlt mehr Wärme in den Weltraum zurück, was die Vereisung zusätzlich fördert, Und schon haben wir, ganz ohne Kohlendioxid und Weltklimarat, das Cryogenium.

Haben wir die Dunkelwolke passiert, steigt die Sonneneinstrahlung wieder an. Das Eis taut, und da es noch keinen Weltklimarat gibt, erhebt deswegen niemand Steuern und Abgaben. Damit haben wir allerdings nur einen Teil des Geschehens erfaßt, denn so eine Dunkelwolke besteht eben nicht aus Schrotkügelchen, sondern aus Molekülen, teilweise sogar komplexen organischen Molekülen. Noch heute sammelt die Erde Jahr für Jahr 40.000 Tonnen an kosmischen Staub auf. In der Dunkelwolke sind das leicht eine Million Tonnen pro Jahr. In 85 Millionen Jahren sind das also 85 Billionen Tonnen. Allerdings ist die Erde heute 5,972 * 10^24 kg schwer, also etwa 6.000.000.000 Billionen Tonnen, so richtig dick und fett ist sie in der Dunkelwolke also nicht geworden.

Jetzt geht der Erde nicht nur ein Licht auf, sondern es auf ihr so richtig los. Im Ediacarium treten Mehrzeller auf, seltsame Lebewesen, die sich kaum als Pflanzen oder Tiere qualifizieren lassen. Das Leben macht einen Entwicklungssprung, und das, ohne sich an die Evolution des Säulenheiligen Sankt Darwin zu halten. Da entsteht kein Anderthalbzeller, gefolgt von einem Zweizeller, der wiederum von einem Dreizeller abgelöst wird, nein, da entstehen plötzlich Millionenzeller, und davon auch gleich mehrere Arten. Da muß wohl der liebe Gott „Toyota!“ gesagt haben, denn FIAT heißt ja bekanntlich Fehler in allen Teilen.

Die Erde ist schließlich der Mittelpunkt des Universums, sagen Paläontologen und Klimaforscher, da kommt der liebe Gott gerne persönlich vorbei, um „Toyota!“ zu sagen. Etwas später, zu Beginn des Kambriums, kommt er noch einmal vorbei und sagt: „Mercedes-Benz!“, weil nun die richtigen Autos entstehen… Lebewesen, natürlich. Alle Stämme des Lebens, die heute noch existieren, wurden im Kambrium angelegt, wieder ganz ohne sich an Sankt Darwins Ordensregeln zu halten.

Wenn wir Erich von Däniken fragen, kommen zu Beginn des Ediacariums ein paar Außerirdische vorbei, rühren die Ediacara-Lebewesen zusammen und verschwinden wieder. Einige Zeit später erscheint die Konkurrenz, bastelt die Kambrische Explosion zusammen, und verabschiedet sich ebenfalls. Nun ja, das Universum ist nicht leer, ob wir nun Gott oder die netten Leute in den UFOs bemühen, das Geschehen hat eindeutig eine überirdische Komponente.

Gehen wir noch einmal zurück in unsere kuschelige Dunkelwolke. Da schwirrt jede Menge „Zeugs“ herum, so ziemlich alles, was das Chemielabor des Weltalls hergibt. Kohlenstoff und Schwefel, Sauerstoff und Phosphor, aber auch Kupfer und Platin, Gold und Eisen, Nickel und Mangan. Das alles regnet auf die Erde hinab, eine Million Tonnen pro Jahr, und das ist vorsichtig geschätzt. Auf dem Schneeball bleibt das alles an der Oberfläche, es dringt nicht durch das Eis in die Tiefe. Niederschläge sind selten, da kaum Wasser verdampft, allenfalls wird der Staub ein wenig vom Winde verweht.

Auf der Erdoberfläche sammelt sich ein Chemiebaukasten an, zusammen mit den nötigen Katalysatoren, um Reaktionen in Gang zu setzen. Nährstoffe und Dünger warten nur darauf, daß die Erde ein bißchen taut und sich die Einzeller daraus ein Festmahl bereiten. Sankt Darwin hätte nun doch seine Freude, weil nun Evolution stattfindet, begünstigt durch das Überangebot, sehr rasch.

Es gibt jedoch nicht nur die materielle Welt. Früher behandelte man neben der Physik auch die Metaphysik, was nichts anderes als „neben der Physik“ bedeutet. Die Metaphysik darf vielleicht noch als Theologie ein wenig mitspielen, die Philosophie hingegen hat sich mittlerweile in der materiellen Welt verloren. Es ist wie mit Gravitation und Elektrizität. Die Wirkung der Gravitation ist für jeden fühl- und sichtbar, die geradezu unendlich stärkere Elektrizität hingegen haben wir erst im 19. Jahrhundert so langsam erkannt. Zur Metaphysik gehören das Bewußtsein und die morphologischen Felder. Das Bewußtsein dringt schon langsam in die Physik vor, die Erkenntnis, daß der Betrachter den Ausgang eines Experiments bestimmt, tritt immer wieder zu Tage.

Nehmen wir ein Kind, etwa drei Jahre alt. Ein virtuelles Kind, natürlich, denn wir sperren es zwei Wochen in eine reizarme Umgebung, kahle Wände, keinerlei Ansprache, keinerlei Zuneigung. Anschließend setzten wir das Kind in die Spielzeugabteilung eines großen Kaufhauses. Dort darf es alles nach Herzenslust ausprobieren, von Bauklötzchen bis zum Elektronikspielzeug. Spendieren wir noch eine nette Kindergartentante, die sich über alles freut, was der kleine Racker so anstellt, ihn lobt und zu weiteren Experimenten ermuntert.

Wir sperren stattdessen das reale lebendige Bewußtsein des Lebens auf der Erde unter eine Eisschicht, für 85 Millionen Jahre. Das Leben möchte sich entfalten, doch leider hat es alle Hände voll damit zu tun, überhaupt am Leben zu bleiben. Dann lassen wir das Eis tauen und bescheren dem Leben eine reiche Spielwiese aus allem, was die Dunkelwolke so abgeladen hat. Das Leben verhält sich kindisch, spielt mit allem herum, was ihm angeboten wird, bastelt sich die Ediacara-Lebewesen zusammen. Gott muß gar nicht „Toyota!“ rufen, und Sankt Darwin kann behaupten, es sei seine Evolution, die da experimentiert. Allerdings ist die Evolution hochbegabt, sie probiert nicht ziellos herum, sie geht entschlossen in eine bestimmte Richtung. Tut mir leid, Darwin, das ist halt elektrisch, also etwas, das es zu Deiner Zeit noch nicht gegeben hat.

Und dann kam der Mercedes-Benz-Augenblick. Also nicht Gott, der selbiges herumbrüllt, sondern eine neue Stufe des Bewußtseins. Die Spielwiese des Ediacariums wurde aufgeräumt, das Konstruktionsbüro des Bewußtseins hat die überholten Lebensformen ausgemustert und von nun an die Erfolgsmodelle gebaut. Es wurde Kambrium. Was immer heute kreucht und fleucht, es wurde im Kambrium angelegt, und das gleich zu Anfang an. Da wurde nicht Millionen Jahre gebastelt, da wurde gezielt konstruiert.

Und nun kommt der Schöpfer doch noch ins Spiel. Allerdings nicht als der Monteur, der von Welt zu Welt hüpft und dort Auto- oder Zigarettenmarken ausruft, sondern als der große Ingenieur, der das Universum so konstruiert hat, daß das Universum sich selbst weiterentwickeln kann. Wir Menschen haben das Internet erfunden. In diesem Netz sind Daten weltweit verfügbar, ganz egal, ob sie in New York oder in Mittelmietraching auf dem Server lagern. Die meisten Daten werden Sie jedoch nie im Leben finden. Das liegt hauptsächlich daran, daß Sie gar nicht danach suchen.

Für die „Rote Waldameise“ habe ich gerade 100.000 Einträge gefunden. Der erste Eintrag ist die Wikipedia, da mein Interesse an diesen Krabbeltieren nicht gerade groß ist, dürfte ich da alles finden, was ich glaube, wissen zu müssen. Entwickle ich mich jedoch zum Ameisenliebhaber, gehe ich in die Tiefe, rufe mehr und mehr ab, bis ich an eine Grenze stoße und selbst weiterforschen muß.

Gestehen wir dem lieben Gott ebenfalls eine Art Internet zu. Aus diesem Internet ruft das Leben seine Baupläne ab, allerdings nur diejenigen, die es tatsächlich sucht. Methanatmendes Leben ist für die Erde uninteressant, für siliziumbasiertes Leben dürften unsere Temperaturen zu niedrig sein. Gott hat das Rezept für Ediacara bereitgestellt, ebenso das Rezept für Kambrium. Und ja, da gibt es auch ein Rezept für Menschen. Zwar erscheint es schwer zu glauben, daß dieses immer gleiche Rezept eine Claudia Schiffer und eine Angela Merkel hervorbringt, aber letztlich ist auch das Grundrezept für einen Maybach das gleiche wie für einen Trabant. Für die Variationen im Grundrezept ist übrigens tatsächlich Sankt Darwin zuständig, das Nähere erfahren Sie bei einem Dackelzüchter Ihres Vertrauens.

Das Leben auf der Erde wurde im Cryogenium ausgebremst, wurde ganz wild auf weitere Fortschritte. Es hat in Gottes Internet gestöbert und die Ediacara-Rezepte gefunden. In der DNS sind sehr viele Rezepte codiert, das meiste wird nicht umgesetzt. Ein Einzelbewußtsein kann solche Abschnitte anschalten. Dies sind Daten aus Gottes Internet, die für das Lebewesen vielleicht funktionieren. Wenn nicht, stirbt der Körper ab. Das Bewußtsein hingegen überlebt. Es lernt, daß es einen Fehler begangen hat, deshalb wird es diesen Abschnitt in Ruhe lassen. Stellt hingegen ein solches Wesen fest, daß es ganz sinnvoll ist, Sauerstoff nicht nur über die Kiemen aus dem Wasser zu filtern, sondern auch mittels der Schwimmblase direkt aus der Luft, hat das Wesen die Lunge gefunden. Damit kann der Fisch überleben, wenn der Teich mal austrocknet, und er kann Landpartien unternehmen. Da kommen lungenlose Freßfeinde nicht hinterher, und alles, was dort an Eßbarem herumliegt, gehört ihm allein. Das mit der Lunge behält er bei, das schaltet er auch bei seinem nächsten Körper an. Außerdem sagt er das weiter, so daß es immer mehr Lungenfische gibt. Ein paar Gene weiter liegen die Baupläne für landlebende Reptilien…

Das sollte ich besser wiederholen: In unserem Erbgut, in der DNS, sind Daten aus Gottes Lebensbibliothek enthalten. Viel mehr Daten, als wir tatsächlich benutzen. Bei uns Menschen sind viele dieser Daten obsolet, die Anlage für Kiemen ist abgeschaltet, auch die Schwänze sind nicht mehr aktuell. Andere Datensätze sind noch nicht angeschaltet. Womöglich könnten wir eine vierte Raumdimension wahrnehmen, haben Sinne für Elektrizität oder Radioaktivität, die noch nicht freigeschaltet wurden. Hin und wieder gibt es Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die wir als Genies bezeichnen. Sie haben es geschafft, diese Anlagen zu aktivieren, doch oft genug ist das für diese Menschen kein Vorteil.

Stellen wir uns vor, daß Wolfgang Amadeus Mozart etwas freigeschaltet hat, was ihm symbiotische Fähigkeiten im Bereich der Musik gegeben hat. Als Kind wurde er herumgereicht, saß als Attraktion an den Tischen der Mächtigen. Und als Erwachsener? Da war er eine Art Hofnarr, ein Dienstleister, der zur Unterhaltung beiträgt, nicht der Superstar, als den wir ihn heute wahrnehmen. Das Bewußtsein des Genies dürfte das Experiment nicht wiederholt haben, da ihm das erweckte Talent ein eher unglückliches Leben beschert hat.

Im Cryogenium wurde der Druck aufgebaut, die Lust, mit dem genetischen Material zu spielen. Im Ediacarium wurden weitere Informationen aus Gottes Datenbank heruntergeladen. Äußerlich mögen die Wesen gleich ausgesehen haben, doch ihre ungenutzte Genetik wurde immer umfangreicher. Versuche, diese Genetik vorzeitig zu aktivieren, sind mißglückt, zumindest nicht als Fossilien erhalten geblieben. Das Kambrium mit seiner Explosion der Vielfalt des Lebens setzte ein, als die Daten vorhanden waren. Die darwinsche Evolution kann eine Vielzahl neuer Arten in ganz kurzer Zeit nicht erklären, diese Zeit reicht bei ihr gerade aus, um bei einer Finkenart unterschiedliche Schnabelformen auszubilden.

Vor dem Schneeball Erde hatte das Leben keinerlei Druck. Da reichte es, ein Einzeller zu sein, zufrieden vor sich hinzuleben. Wobei, die Sklaverei hatten die Einzeller schon erfunden. Die haben sich einfach ein paar Blaualgen einverleibt und diese als Chloroblasten für sich schuften lassen. Diese Hochzivilisation kennen wir als Grünalgen. Das Modell war so erfolgreich, daß es alle Pflanzen bis heute nutzen. Raubtiere sollte es auch schon gegeben haben, in Form räuberischer Amöben. Diese sind uns heute als weiße Blutkörperchen dienstbar. Die Gottesbibliothek wurde also schon damals genutzt, im endlos langen Präkambrium.

Dann hat die Dunkelwolke dem warmen Paradies jene Eiszeit beschert, die uns heute der Weltklimarat empfiehlt. 85 Millionen blieb den Einzellern nichts anderes übrig, als in der Gottesbibliothek zu lesen. Ein Genabschnitt pro Jahr sind bei 85 Millionen Jahren ganz schön viele Gene. Als Autofahrer kennen Sie das: Wenn das Elefantenrennen entschieden ist, treten Sie entschlossen aufs Gas. Das Leben hat genau dasselbe getan, im Ediacarium. Nach einer Weile, wenn Sie die Elefanten abgeschüttelt haben, fahren Sie dann gesittet weiter. Sie wollen schließlich nicht rasen, sondern reisen. Das Leben auf der Erde ist dieser Idee gefolgt und hat mit dem Kambrium begonnen.

In der folgenden Erdgeschichte sehen wir solche Explosionen immer wieder. Da gibt es Massensterben, die eine Vielzahl der Arten auslöschen. Da werden die Bremser abgeräumt, die der Weiterentwicklung des Lebens im Wege stehen. Das bekannteste Beispiel sind die Dinosaurier. Die haben ziemlich lange die Erde beherrscht, bis ihre Zeit gekommen war. Das Leben hat das überholte Modell nicht wieder angeschaltet, sondern die neue Genetik ausprobiert, die es während der Dinosaurierzeit aus Gottes Universum-Netz heruntergeladen hatte. Irgendwann sind schließlich wir entstanden.

Tja, jetzt sind wir halt da. Jeder von uns ist ein kleines bißchen anders als der Andere. Ein paar Gene werden an- und abgeschaltet, denn das Leben experimentiert auch in uns weiter. Wir kennen derzeit kein höherentwickeltes Bewußtsein als unser eigenes, das gerade ausreicht, um einen solchen Geist zu erahnen. Die nichtstoffliche, die metaphysische Welt ist uns verschlossen. Wobei so mancher Sensitive behauptet, er habe Zugang erlangt. Da stehen wir allerdings vor einem Dilemma, weil so mancher diesen Zugang nur behauptet. Wir können es nicht messen, wir können es nicht prüfen, wir können nur entscheiden, ob wir glauben wollen.

Die Einzeller des Schneeballs Erde hätten sich einigeln können, auf bessere Zeiten warten und genauso weitermachen wie zuvor. Sie haben es nicht getan, sie haben sich für einen neuen Weg entschieden. Dabei sollten wir nicht davon ausgehen, daß dies ein tatsächlicher Denkprozeß gewesen ist. Eine Amöbe streckt einen Teil ihres Körpers aus und läßt den Rest ihres Körpers hinterherfließen. Haben wir ein Aquarium, in dem solche Amöben nur in einem kleinen abgeschotteten Teil leben, der von einer Platte mit wenigen winzigen Löchern abgetrennt wird, so wird schließlich eine Amöbe ihren Körper durch ein solches Loch fließen lassen. Dahinter findet sie eine neue Welt vor, die ganz allein ihr gehört. Sie wird diese Welt mit Leben füllen, sich selbst millionenfach reproduzieren. Da wurde keine bewußte Entscheidung getroffen, sondern eine Gelegenheit wahrgenommen. Das war der Weg ins Ediacarium, ins Kambrium und zu uns, dem Holozän.

Wir befinden uns derzeit in einem neuen, einem mentalen Cryogenium. Andersdenkende werden nicht nur in Merkeldeutschland unterdrückt. Ein Symptom der geistigen Vereisung ist der Islam, der die Zeit des frühen Mittelalters wieder aufleben lassen will. Indien wird als spirituelles Land angesehen, doch das reale Indien ist überbevölkert, die Oberschicht ist verwestlicht, der Rest der Bevölkerung lebt von der Hand in den Mund. China hat den Konfuzianismus wiederentdeckt, diesen mit dem Gewinnstreben verbunden, zu einer Art neuer protestantischer Arbeitsethik, wonach Reichtum und materieller Erfolg Gottes Segen veranschaulichen. Japan schwebt zwischen einer hemmungslos genußsüchtigen jungen Generation und den Alten, die irgendwo im Gestern verhaftet sind und deren Welt sich langsam auflöst.

Wir werden diesen geistigen Schneeball Erde nicht mittels Denkverboten auftauen. Neue Ideen sind gefragt, nicht Richter und Henker. Geistig sind wir heute die Einzeller, gefangen in einer erstarrten Welt. Anders als die Einzeller können wir nicht einfach Gottes Universums-Netz anzapfen, denn wir sind weit genug entwickelt, um aus eigener Kraft den nächsten Sprung zu tun. Wir müssen das, was uns eingefroren hat, selbst überwinden. Und ja, diesmal ist die Erde flach, ist der Mittelpunkt des Universums. Wir dürfen allenfalls darauf hoffen, daß der liebe Gott uns ein paar Steinchen zuwirft, die verkrusteten Denkweisen mit einem großen Einschlag aufbricht.

Doch dann haben wir versagt, haben die kosmische Reifeprüfung nicht bestanden. Wir haben Hilfe benötigt, haben es nicht geschafft, mit dem Geschenk der geistigen Freiheit richtig umzugehen.

Dabei haben wir alles in unserer Genetik, in unseren Erbanlagen. Wir haben einen Mozart freigeschaltet, einen Tesla, einen Goethe. Dem Goethe haben wir einen Beamtenjob angehängt, Tesla und Mozart verkommen lassen. Wir haben Säulenheilige aufgebaut, die unantastbar sind, und wir haben Geßlerhüte aufgestellt, vor denen sich die großen Geister verbeugen sollen.

Der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) wurde vor der Zuwanderung auf 100 gesetzt. Der Durchschnitt geht von 85 bis 115, in diesem Bereich bewegen sich zwei Drittel der Menschen – ausgenommen der Zuwanderer, natürlich. Gestehen wir einem Staatsanwalt oder Richter Überdurchschnittliches zu, also IQ 125. Ab 130 gilt jemand als hochbegabt. Und nun stellen wir uns vor, was ein IQ 160 bedeutet. Das ist gleichbedeutend mit einem Normalintelligenzler (IQ 100), der es mit Menschen zu tun hat, die einen IQ von 62,5 aufweisen, also schwachsinnig sind. Über ihn befinden Richter mit IQ 78, die kaum die Grundschule geschafft haben. Und die Hochbegabten beginnen gerade da, wo sonst der Durchschnitt anfängt…

Sie leben in einer Welt, die Sie nicht versteht, in der Sie einsam und unglücklich sind, es sei denn, Sie entwickelt die kriminelle Energie eines Professors Moriarty oder eines Doktors Mabuse. Sie gehören ins Ediacarium, um das Kambrium vorzubereiten. Aber Sie leben im Cryogenium. Und doch, Sie sind ein Pionier. Sie haben das freigeschaltet, was die Menschheit in der Zukunft brauchen wird. Sie haben geübt, für die nächste Inkarnation.

Noch leben wir in der geistigen Dunkelwolke, in einer selbstgewählten oder aufgezwungenen Umnachtung. Der Einzeller zur Zeit des Schneeballs Erde war mit dem Überleben beschäftigt, darauf angewiesen, daß das Eis irgendwelche Nährstoffe durchgelassen hat. Das gleicht der materiellen Welt von heute, in der nicht Geist, nicht Metaphysik, ja nicht einmal die Physik etwas gelten, sondern nur Geld und Reichtum. Als die Erde aufgetaut ist, war wieder genug für alle da, genug, für den nächsten Schritt der Entwicklung. Elefantenrennen auf der Autobahn zehren an den Nerven, wenn man sie von hinten miterlebt. Aber schließlich sind sie zu Ende, ist der Weg frei, man kann wieder Gas geben…

Auch das geistige Cryogenium wird schließlich enden. Dann können Sie beruhigt den Mozart in sich freischalten – oder doch lieber den Goethe?