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Verräter Speer und Geschichtsfälschung

von Michael Grandt

Hitlers Rüstungsminister wurde zum Kronzeugen der Alliierten, was sein Leben rettete. Der Historiker Joachim C. Fest hat dessen »Erinnerungs»-Bücher wohl manipuliert.  

Fälschen und manipulieren

WIE manche deutsche Historiker fälschen und manipulieren, hat Magnus Brechtken, Historiker und stellvertretender Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), in seinem Buch »Albert Speer. Eine deutsche Karriere» entlarvt. Es ist gleichzeitig auch eine Abrechnung mit seinem eigenen Berufsstand, dem er schlicht »Unvermögen» vorwirft.

Brechtkens Vorwürfe:

  • Jahrelang habe Hitlers Architekt und Rüstungsminister Albert Speer unwidersprochen »Legenden, Lügen und Märchen» über den Nationalsozialismus und seine eigene Rolle verbreiten können.
  • Seine Historiker-Kollegen hätten dagegen nicht selbst nachgeforscht, sondern dies übernommen.
  • Deren Motive: »Bequemlichkeit, Ignoranz, Unwissen, Gleichgültigkeit, Scheu vor der Komplexität und Masse der Quellen».

Verräter Speer?

Speer habe sich gut verkauft. Letztlich war er zum Kronzeugen der Alliierten geworden.  Den amerikanischen Vernehmern präsentierte dieser sich als »intelligenter Plauderer», der sich von seinen ehemaligen Parteigenossen distanzierte:

  • Als einziger Angeklagter akzeptierte er demonstrativ das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal.
  • Als einziger Angeklagter bekannte er sich zur »Gesamtverantwortung».
  • Speer nutzte zudem jede Gelegenheit, die anderen Mitglieder der Führungsclique wie etwa Propagandaminister Joseph Goebbels oder SS-Chef Heinrich Himmler als dümmlich und brutal darzustellen.

Mit dieser Distanzierungsstrategie rettete Speer vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal sein Leben.

Konkrete Hilfe zum Täuschen

Zudem erwies sich Speer schnell als Liebling der Journalisten und ihrer Leser. Niemand widersprach seinen Aussagen und Speer machte Geld damit, viel Geld.

Sein erstes Interview verkaufte er an den SPIEGEL. Dann schloss er einen Vertrag mit dem Verleger Wolf Jobst Siedler (1926-2013). Dieser bat seinen Freund Joachim C. Fest (1926- 2006) um eine Zusammenarbeit mit Speer zwecks einem Buch.

Fest empfand diese als ein »Geschenk der Götter». Doch Fest habe Speer »konkrete Hilfe» beim Täuschen geleistet, dann dessen Versionen in seinen eigenen Büchern übernommen und schließlich diese mit »verblüffender Ignoranz» und »aggressiver Uneinsichtigkeit gegen die wissenschaftliche Aufklärung» verteidigt.

Albert Speer hatte bereits in der Haft in Nürnberg eigene Aufzeichnungen gemacht. Doch Brechtken vermutet, das Fest – ein glänzender Stilist – Speer die Feder führte.

Hintergrund: Fest, der Täuscher?

DER SPIEGEL berichtete (Hervorhebungen durch MGR):

»Der Bestsellerautor und langjähriger Herausgeber der ‚Frankfurter Allgemeinen‘ Zeitung Joachim C. Fest (1926 bis 2006) hat offenbar die Erinnerungen von Albert Speer (1905 bis 1981) manipuliert.

Speer war Lieblingsminister Hitlers, seine Memoirenbände ‚Erinnerungen‘ und ‚Spandauer Tagebücher‘ waren Bestseller und beeinflussten jahrzehntelang die Geschichtsschreibung. Fest hatte dem Nazi im Auftrag des Siedler-Verlags bei den Büchern geholfen.“

Und weiter:

„Der Manipulationsvorwurf ergibt sich aus Notizen eines Jugendfreundes von Fest, des Medizinprofessors Frank Hermann Franken. Dieser schrieb 1985 nach einem Besuch Fests: ‚Die letzten Seiten (der ‚Spandauer Tagebücher‘-Red.) seien eine reine Erfindung, um dem Buch einen Abschluss zu geben. Er, Fest, habe sie seinerzeit Speer vorgelesen und dabei einen unerklärlichen Lachkrampf bekommen, sodass er habe aus dem Zimmer gehen müssen. Speer habe sich nach Erscheinen des Buches als fabelhafter Schriftsteller gefühlt, in Wirklichkeit habe er, Fest, das bewerkstelligt, aber das dürfe keiner wissen.‘

Zu den ‚Erinnerungen‘ soll Fest erzählt haben, seine Eingriffe seien derart umfassend gewesen, dass Speer ihn gebeten habe, als ‚Co-Autor im Titel zu erscheinen‘.

Fest habe das abgelehnt und wörtlich erklärt: ‚Herr Speer, Sie müssen wissen, wer Sie sind.‘
Fest hat öffentlich zeitlebens bestritten, Speer beim Schreiben der Bücher die Feder geführt zu haben.
»

(Quelle: DER SPIEGEL, 31/2017, S. 121)

Erfundene Hitlerzitate

Fest verlangte von Speer etwa, die Erinnerung »aufs Äußerste» zu strapazieren: »Wo trafen Sie beispielsweise zu welcher Zeit Hitler; wie äußerte er sich?»

Doch zurecht weist Brechtken darauf hin, dass Jahrzehnte nach einem Ereignis das Gedächtnis entweder »nur Bekanntes oder nachträglich Überformtes» preisgibt. Schlussfolgerung: Auf diese Weise gewonnene, »neue» Hitler-Zitate waren unglaubwürdig – und wurden von der Forschung doch begierig aufgesogen.

Fest verbreitete Speers Unwahrheiten

Als dann Dokumentenfunde belegten, dass Speer in wesentlichen Punkten gelogen hatte,  ignorierte Fest die Erkenntnisse. Für Brechtken ist es ein »Skandal», das Fest »immer und immer wieder» die Unwahrheiten Speers verbreitet habe, ihnen »stilistischen Glanz verlieh und diese Kolportagen als Geschichtsschreibung verkaufte».

Aber dann schwenkte Fest doch um – und zwar in seinen letzten Lebensjahren. Erst dann gab er zu, von Speer getäuscht worden zu sein. Obwohl Fest eigentlich die treibende Kraft gewesen sein könnte.

Brechtken unterstellt sogar, das Fest und dessen Sohn Alexander, langjähriger Rowohlt-Geschäftsführer, »Geschichtsfälschung» betrieben haben, wie DER SPIEGEL schreibt:

»Es geht um Fests Buch ‚Die unbeantwortbaren Fragen‘ (Rowohlt Verlag). Darin referiert Fest aus Vermerken der Gespräche mit Speer. Da einige Datierungen offenbar falsch sind, fragte Brechtken, ob die publizierte Version der Dokumente mit den Originalen identisch sei oder Fest ‚hinzuformuliert‘ habe. Er habe das im Nachlass Fests nicht überprüfen dürfen. »

Sie sehen also, wie sogar die »Erinnerungen» von hochrangigen Nazis gefälscht und manipuliert wurden und wie unkritisch und unhinterfragt die deutschen Mainstream-Historiker das alles übernommen haben.

Die deutsche Geschichtsschreibung aus den Jahren 1933-1945 ist teilweise manipuliert, gefälscht oder wichtige Akten sind noch immer unter Verschluss …