Hoffnung fällt aus

von Frank Jordan

Viele sind der Überzeugung, dass eine Art “Erwachen der Gesellschaft” im Gang sei, ein Umdenken, ein Zurückschwingen des Pendels. Ich glaube nicht an die Nachhaltigkeit dieser neuen Kritik-Kultur.

Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass hier bei uns nichts mehr zu retten ist. Dass auf dem Fundament unserer aktuellen Gesellschaft keine neue Kultur aufgebaut oder eine kulturelle Erneuerung stattfinden kann. Dies aus dem einfachen Grund, dass dieses Fundament über die letzten fünf Dekaden abgetragen wurde. Da ist schlicht und ergreifend nichts mehr, auf dem aufgebaut werden könnte. Auch die aufrichtigsten Kritiker kratzen meist nur an einer Oberfläche, die so glatt und schlüpfrig ist, dass man jederzeit darauf ausrutschen und ins buchstäblich Leere fallen kann.

“Wir” sind in jeder Beziehung arm geworden: Verteufeln das (vernünftige, da politisch legitimierte und gewollte) Fordern ausländischer Glückssuchender, während das eigene Fordern vieler selbstverständlich als Karriereoption und Menschenrecht zu gelten hat. Gefallen uns in anti-religiöser Vernunftspose und glauben ohne mit der Wimper zu zucken an die Allweisheit staatlicher Entitäten und Institutionen, an Geldwert-,Börsen- und Klimaprognosen, an kollektivistische Gerechtigkeits-Ideen und an abstruse relativistische Theorien. Schwafeln von freiheitlicher Gesellschaft und glauben, andere seien dafür zuständig. Wollen Geld und Status aber bitte ohne Anstrengung und ohne Verantwortung.

Es ist das Bild einer bequemem, selbstzufriedenen, gierigen und sich ihn ihren “Rechten” und Ansprüchen masslos überschätzenden Gesellschaft. Jene, die noch leisten und das Ganze finanzieren, werden immer weniger. Von denen, die sich interessieren – für die Grundlagen von Freiheit und Wohlstand – ganz zu schweigen. “Wir” sind – von Funktionären gelenkt und von Fehlanreizen irregeführt – zu einer voraufklärerischen und obrigkeitsgläubigen Bande lebenslang pubertierender Leistungsverweigerern regrediert, die sich hinter schönen Begriffen wie Gerechtigkeit, Chancengleichheit, sozialem Frieden und Diversität versteckt.

Ich nenne das nicht Leben und nicht Freiheit, sondern Existenz auf Salatschleuder-Niveau. Und ich bin überzeugt, dass erst dann, wenn die Grundlagen des Wohlstands (Leistungswille, Freiheit, Geldwert, Privateigentum, Recht) vernichtet sind, etwas Neues und Starkes entstehen kann. Weil erst dann kranke Ideen von kollektiver Verantwortung (aka Verantwortung der anderen) hinweggefegt und den existentiellen Fragen Platz eingeräumt werden wird. Also finanzieller Crash, Krieg oder andere Gross-Krise.

Langer Rede kurzer Sinn: “Wir” – sprich: ein Grossteil dessen, was sich Gesellschaft nennt – kriegt den Hintern längst nicht mehr hoch. Nicht für intellektuelle, nicht für wirtschaftliche und auch nicht für kulturelle Leistung. Was es gibt, ist ein geduldeter und gelenkter Abklatsch dessen, was Lernen, Erschaffen und Aufbauen bedeuten könnten. Ich glaube nicht, dass Millionen von Menschen, die es vorziehen, sich zurückzulehnen, zu neiden, zu klagen und zu fordern, anstatt auf die eigenen Beine zu kommen und anzupacken, eine grosse Zukunft vor sich haben.

Sie haben sie auch gar nicht verdient.


Quelle und Kommentare hier:
https://frankjordanblog.wordpress.com/2018/05/05/hoffnung-faellt-aus/