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Emmanuel Macron: Der Kriegstreiber

von PPQ

Eigentlich sollte er Frankreich reformieren, wirtschaftlich auf Deutschlands Augenhöhe heben und damit Europa retten. Als Emmanuel Macron vor knapp einem Jahr gewählt wurde, galt der linksliberale Newcomer als Rettung des größten und wichtigsten deutschen EU-Partners vor den antieuropäischen Umtrieben der Marie Le Pen.

Macron war nicht nur jung, strahlend und gutaussehend, er hatte auch Erfahrung im Umgang mit älteren Frauen und erklärtermaßen den festen Willen, Deutschland in dessen beharrlichen Kampf um wirtschaftliches und soziales Wohlergehen für alle acht Milliarden Erdenbürger, um eine vorausschauende Klimapolitik, einen entschlossenen verbalen Kampf gegen den Terrorismus und beim waffenlosen Einsatz für Frieden und Freiheit zu unterstützen. Europas eiserner Kern, die Achse Berlin-Paris, sie würde, so viel war schon nach wenigen Minuten klar, die Völker vorm Zugriff der Rechtspopulisten und Europafeinde retten. 

Den Versager zieht es an die Front

Macron startete denn auch wie ein chinesisches Neujahrsfeuerwerk. Der stets sehenswerte Politiker neuen Typs, ideologisch nicht festgelegt und moralisch kaum zu verorten, nutzte die „Macromanie“,  um den Reichen Geschenke zu machen, die Axt an den französischen Ständestaat zu leben und die Gewerkschaften zu entmachten. Ein Büttel der Globalisten, so schimpfte die Herzenslinke. Doch immer noch besser als ein Rechter, übten sich die deutsche Talkrunden in demonstrativer Bescheidenheit.

Deutschland muss mit Frankreich, weil nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der Weltfriedensgemeinschaft EU nur noch ein großer und wichtiger Partner bleibt. Und wer mit Frankreich muss, der muss eben auch mit Macron. Pflichtschuldigst bejubelte das politische Berlin dessen völlig illusorische Europa-Pläne, fast schon liebevoll sahen die im transnationalen Hinterzimmergeklüngel erfahrenen deutschen Politprofis darüber hinweg, dass die von dem Franzosen geforderte „Neugründung der EU“ angesichts von 27 zerstrittenen Verhandlungspartner  mit allergrößter Sicherheit im Desaster eines Auseinanderbrechens enden würde – ein Risiko, das kein deutscher Kanzler eingehen würde.

Europa will nicht hören

Die Bemühungen Macrons um eine EU, die nicht mehr so „langsam, schwach, ineffizient“ (Macron) ist, wurden dann einfach durch die übliche Inaktivität ausgebremst. In Berlin weiß jeder, dass in den nächsten Monaten hauptsächlich darum gerangelt werden wird, wer den Posten des EU-Frühstücksdirektors nach der als „Wahl“ angekündigten nächsten EU-Abstimmung  wird übernehmen dürfen. Maccon möchte selbst jemanden aussuchen, die Deutschen möchten lieber wieder so tun, als handele es sich um eine Personenwahl, bei der Wähler entscheiden, wer gewinnt.

Es könnte sein, dass der hinhaltende Widerstand Berlins den 40-jährigen Franzosen, dessen politische Biografie vor seiner Wahl zum Präsidenten gerademal vier Jahre dauerte, dazu treibt, dort aktiv zu werden, wo er selbst Zugriff auf Gaspedal und Lenkrad hat.

Im Bemühen, Frankreichs vermeintliche einstige Größe wiederherzustellen, ist Emmanuel Macron bereit, Außenpolitik als Mittel der Innenpolitik zu nutzen: Um davon abzulenken, dass er mit seiner EU-Initiative bisher ebensowenig Fortschritte gemacht hat wie beim den angestrebten Reformen und der anvisierten Aufholjagd zu Deutschland, bläst der Mann im Elysee-Palast die Kriegstrompete. Syrien dient ihm zur Ablenkung davon, dass Frankreichs Arbeitslosigkeit noch immer desaströs hoch ist, die Treibhausgasemissionen die Deutschlands weit übertreffen, die Arbeitskosten pro Stunde nicht konkurrenzfähig sind und die Zahl der Privathaushalte mit schnellem Zugang zum Internet noch niedriger ist als in Deutschland, obwohl das im Weltmaßstab schon so eine Art Besenwagen der Breitbandzukunft darstellt.

Macron will wieder Weltmacht werden

Macron spielt die Weltmachtkarte. Wie stets im Maßanzug, gibt er den Weltpolizisten, stachelt den US-Präsidenten zu völkerrechtswidrigen Angriffen an und möchte Frankreich damit wieder als Größe aus der politischen Weltkarte etablieren. Frankreich gebietet immer noch über ein globales Reich aus Kolonien, die es züchtig „Überseegebiete“ nennt. Frankreich ist die Atommacht in der EU und bis heute – im Unterschied zur Türkei – kein Nato-Mitglied. Daraus und aus der Notwendigkeit, die anhaltende wirtschaftliche Schwäche seines Staates zu maskieren und dessen innere Zerissenheit zu übertünchen, leitet Emmanuel Macron den Anspruch ab, in der obersten Liga mitzuspielen. Und sei es um den Preis eines Weltkrieges.

Es ist wie eine Rückkehr in nostalgisch verklärte Zeiten, als Paris noch eine der Siegermächte repräsentierte, eine einzigartige Welthauptstadt, in der General de Gaulle und seine Nachfolger bei jeder Entscheidung das nationale Interesse im Blick hatten. Deutschland hat Macron vor dem Einsatz seiner Bomber weder gefragt noch informiert, er kann bomben und er tut es, in der sicheren Gewissheit, dass Merkel im Namen der europäischen Einheit im Nachhinein zustimmen wird. Mit einem kleinen Kniff verkehrt der Franzose die Machtverhältnisse in der EU damit ins ihr Gegenteil. Frankriech marschiert, der Rest gratuliert.

Auf Augenhöhe  mit Washington

Paris wieder ganz groß, auf Augenhöhe mit Washington, London und Moskau. Von hier oben lässt sich auf Berlin hinunterschauen. Diese Gefühlslage muss man berücksichtigen, wenn man die bellezistische französische Außenpolitik dieser Tage verstehen will. 28 Jahre nach der zähneknirschenden Zustimmung Mitterands zur deutschen Wiedervereinigung ist Frankreichs Fixierung auf den nachbarns Deutschland als den imaginierten oder tatsächlichen Konkurrenten so ungebrochen, dass Emmanuel Macron im großen Spiel um Bedeutung, Herrschaft und Weichenstellung aggressiv und ohne Skrupel auf das verminte Schlachtfeld des Nahen Ostens auszuweichen bereits ist, nur um der französischen Öffentlichekit klarzumachen, dass Frankreich im Unterschied zum bedauernswerten Deutschland noch immer eine Grande Nation ist.