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Fühlten sich alle Franzosen 1944 befreit?

Von Zeitzeuge

Die Rückeroberung Frankreichs 1944 durch die Anglo-Amerikaner wird als „Befreiung” (lib é ration) bezeichnet. Haben sich aber alle Franzosen von deutscher Unterdrückung „befreit” gefühlt?

Der Sohn General Eisenhowers, der kurz nach der Landung die Normandie besuchte, schrieb:

»Ich sah überhaupt keine Spur von Ausbeutung der Bevölkerung durch die Deutschen. . . Die Leute waren zwar nicht feindlich gesonnen, aber keineswegs begeistert.«(1).

Später erklärt er sogar:

»Sie schienen nicht nur gleichgültig, sondern mürrisch zu sein. Man muß sich wirklich fragen, ob diese Leute überhaupt befreit werden wollten!«(2).

Der englische Feldmarschall Lord Alan Brooke, der am 12. 6. 1944 mit Churchill zusammen in die Normandie kam, wunderte sich:

»Ich war überrascht, wie wenig das Land unter der deutschen Besatzung und fünf Jahren Krieg gelitten hatte.«

Er schrieb dann an anderer Stelle:

»Die französische Bevölkerung scheint in keiner Weise erfreut zu sein, daß wir als siegreiche Armee kommen, um Frankreich zu befreien. Sie waren vorher ganz zufrieden, und wir bringen Krieg und Zerstörung in ihr Land.«(3).

Manche Franzosen waren über diese Art der „Befreiung” so „glücklich”, daß sie sich sogar mit der Waffe in der Hand gegen die angeblichen Befreier wehrten. Feldmarschall Montgomery mußte General Brooke eine Warnung zukommen lassen,

»Straßen nicht 100% sicher wegen Heckenschützen, darunter Frauen!«(4).

US-General Arnold schrieb am selben Tag in sein Tagebuch (12. 6.):

»Einige Heckenschützen, darunter eine französische Frau, die erschossen wurden. Franzosen sind wirklich ein armseliger, trauriger Haufen!«(5).

Auch die Alliierten machten also mit Freischärlern kurzen Prozeß. (Wie wäre es, wenn die Herren Reemtsma und Heer darüber einmal eine Ausstellung machen würden, unter dem Titel Verbrechen der Alliierten?)

Während des ganzen Monats Juni 1944 stellten die Freischärler in Frankreich ein schwieriges militärisches Problem für die Alliierten dar. Der kanadische Autor Tony Foster, Sohn des kanadischen Generals Harry Foster, schildert einen ähnlichen Fall aus der Normandie. Durch einen Scharfschützen wurden drei kanadische Panzerfahrer aus einem Haus heraus erschossen. Ein kanadischer Sergeant stürmte in das Haus und erschoß den Schützen – ein neunzehnjähriges französisches Mädchen, deren deutscher Freund im Kampf getötet worden war und die nun Rache nahm.(6).

Mit dem Vorrücken der Alliierten hörten die Überfälle auf, aber die Stimmung der Franzosen wurde nicht besser. Es kam zu Ausschreitungen der „Befreier” gegen die „Befreiten”. David Irving schrieb:

»Für diejenigen Franzosen, die in der Normandie geblieben waren, um ihre Befreier willkommen zu heißen, begann nun eine schlimme Zeit. Sie gerieten in Gefahr, überfallen, ausgeraubt, genotzüchtigt und ermordet zu werden.«(7).

Der bekannte englische Offizier und Militärhistoriker Liddell Hart, der die Normandie besuchte, hielt fest:

»Die Franzosen sprechen von dem korrekten Verhalten der deutschen Armee. Sie scheinen besonders beeindruckt davon zu sein, daß deutsche Soldaten für ungebührliches Verhalten gegenüber Frauen erschossen wurden und vergleichen dies mit dem schlechten Benehmen der amerikanischen Soldaten gegenüber Frauen!«(8).

Kay Summersby, General Eisenhowers Fahrerin, notiert in ihr Tagebuch am 5. November 1944:

»Viele Fälle von Vergewaltigung, Mord und Plünderung führen zu Beschwerden der Franzosen, Holländer usw.«(9).

Der amerikanische General Leroylutes schreibt nach einer Inspektionsreise einen Monat später:

»Die Franzosen murren jetzt, daß die Amerikaner ein undisziplinierter und betrunkener Haufen seien als die Deutschen, und hoffen, den Tag zu erleben, an dem sie von den Amerikanern befreit werden.«

Er fügt hinzu, daß sich die alliierte Propaganda über die Deutschen als offensichtlich unwahr bewiesen habe.

»Ich höre jetzt, daß die Deutschen weder Wohnungen noch Geschäfte oder Museen geplündert haben. Die Leute behaupten vielmehr, sie seien von der Besatzungsmacht peinlich korrekt behandelt worden.«(10).

Nicht zuletzt auf dem guten Verhalten der deutschen Soldaten in Frankreich beruhte nach dem Krieg die verhältnismäßig schnelle Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen.

(1). David IRVING, Krieg zwischen den Generälen. Das Alliierte Oberkommando und die

Invasion 1944, Albrecht Knaus, Hamburg 1983, S. 193.

(2). Ebenda, S. 233 f.

(3). Ebenda, S. 234.

(4). Ebenda, S. 235.

(5). Ebenda.

(6).Tony FOSTER, Meeting of Generals, Methuen, Toronto- New York- London-Sidney- Auckland 1986, S. 304.


Quelle: Kosiek, Rolf u. Rose, Olaf – Der Grosse Wendig – Band 1 – Richtigstellungen Zur Zeitgeschichte (2006, 883 S., Text)