Der große Plan der Anonymen

Kopiert und eingefügt aus dem Vorwort
von »Der große Plan der Anonymen« von Douglas Reed.

1951/52 Ich habe ganz besonderen Grund, beim Schreiben dieses Vorworts für die deutsche Ausgabe eines Buches, das 1948 in England erschienen ist, ein prickelndes Vergnügen zu empfinden. Dieses Buch ist das siebente in der Serie meiner politischen Bücher. Das erste: «Jahrmarkt des Wahnsinns» wurde gleich beim Erscheinen von Himmler verboten. (Es enthielt allerlei Informationen über die Machtergreifung des Jahres 1933, sowie über die vorangegangenen und nachfolgenden Ereignisse, welche die deutschen Leser damals nicht erfahren durften.)

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand dieses Buch seinen Weg nach Deutschland und ich erhielt Briefe von deutschen Korrespondenten, in denen sie mich aufforderten, eine deutsche Übersetzung zu veranlassen. Zu dieser Zeit traf ein Komitee oder Sub-Komitee der Besatzungsmacht die Auswahl der in Deutschland zu erscheinenden Bücher und diese Körperschaft entschied sich gegen die Veröffentlichung meines Buches «Jahrmarkt des Wahnsinns».

So war ich denn in Deutschland verboten, zuerst durch die Deutschen, dann durch meine eigenen Landsleute und derart erhielt ich eine literarische Auszeichnung, die, wie mir scheint, selbst in unseren Zeiten einzigartig ist. Und jetzt geht über mein Gesicht ein breites Lachen, wenn trotz allem in diesen Tagen eines meiner Bücher in deutscher Sprache erscheint, auch wenn es in der Schweiz verlegt wird. Dieser amüsante Vorfall bildet den Bestandteil einer längeren Geschichte, die ich kurz erzählen muß, damit der deutschsprachige Leser etwas über den Autor dieses Buches erfahren kann. Es mag sein, daß der Leser, ob er nun in der Schweiz, in Deutschland oder wo anders lebt, in den letzten zehn Jahren von der sogenannten westlichen Welt wenigstens in beschränktem Umfang abgeschnitten war und nicht genau weiß, was sich dort alles zugetragen hat. Meine kleine Geschichte kann ihm vielleicht helfen, die Vorgänge besser zu verstehen.

In den kritischen Jahren 1928—1935 war ich einer der Korrespondenten der «Times» in Berlin. Von 1935—38 war ich der Hauptkorrespondent dieser Zeitung für Zentraleuropa, hatte mein Büro in Wien und bereiste ganz Mitteleuropa und den Balkan. Während dieser Jahre bekam ich den Journalismus mehr und mehr satt; das heißt nicht das Leben eines Journalisten, das mir Freude machte, sondern die Verbote, die auf einer vollständigen und wahren Berichterstattung lagen. Ich will damit nicht behaupten, daß man den Journalisten daran hinderte, «die ganze Wahrheit» zu sagen (denn wer kennt schon die ganze Wahrheit?), aber er wurde ganz bestimmt daran gehindert, die ganze Wahrheit, die er kannte, zu erzählen. Schließlich wurde mir dieses ständige Durchkreuzen meiner Aussagen unerträglich.

So schrieb und veröffentlichte ich «Jahrmarkt des Wahnsinns» und gab meine Stelle wenige Monate später auf, als das Abkommen von München meine sämtlichen Befürchtungen bestätigt hatte und mir die Weiterführung meines bisherigen Berufs ganz unlohnend erscheinen ließ. Ich erkannte, daß ein Journalist seinen Beruf nur dann richtig ausüben kann, wenn er eine eigene Zeitung herausgibt (dazu fehlten mir die Mittel) oder wenn er Bücher schreibt. Von da an war ich ein Journalist, der frisch heraus berichtet, was er erfahren hat, und in seinen Büchern offen seine Ansichten über diese Tatsachen bekannt gibt. Wahrscheinlich bin ich der einzige Ueberlebende dieser merkwürdigen Gattung, die wohl zu keiner Zeit, seit Erfindung der Druckerpresse, sehr verbreitet gewesen ist. Ich bin eine Art von Ein-Mann-Zeitung, die jeweils jedes Jahr oder alle zwei Jahre in einer Ausgabe von mehreren hundert Seiten zwischen zwei Buchdeckeln erscheint. Wenigstens habe ich «Seltenheitswert» und verdanke wahrscheinlich diesem Umstand die ständige Aufmerksamkeit meiner Leser. Sie halten mich für überspannt (wie das einfache Bauernmädchen, das ausrief: «Der König ist nackt!») und sind deshalb neugierig, mich zu lesen.

«Jahrmarkt des Wahnsinns» war ein großer Erfolg, sowohl in allen englischsprechenden, wie in den skandinavischen Ländern und anderswo. Was auf der Hand liegt, hat am meisten Erfolg — und meine bündigen Voraussagen über Hitlers Absicht, in Oesterreich einzumarschieren, die Tschechoslowakei anzugreifen und dann mit Stalin einen Pakt abzuschließen, wurden wie Offenbarungen eines Propheten lebhaft beklatscht, als diese leicht vorauszusehenden Ereignisse eintrafen! Wenn ich zurück denke, erröte ich noch immer. Denn es war ein naives Buch. Jetzt weiß ich viel mehr, als ich damals wußte, wenn auch zweifellos weniger, als ich mir zu wissen einbilde.

Wie dem auch sein mag, während zehn Jahren wurde das Buch stets gut verkauft und gelesen. Unterdessen lernte ich Neues hinzu, und ehe «Jahrmarkt des Wahnsinns» erschienen war, ahnte ich, daß sich hinter dem kommenden Sturm weit mehr verbarg als nur der Ehrgeiz und die kriegerischen Absichten eines Hitler. Noch ehe der Krieg ausbrach, fühlte ich, ja ich begann es sogar klar zu sehen, daß im Hintergrund andere große Mächte mit ehrgeizigen Motiven an der Arbeit waren. Man mußte die Ziele schon klar im Auge behalten, sollten nicht diese Mächte allein die Nutznießer des zweiten Chaos aller europäischen Völker werden. Ich begann diesen Charakterzug in einem zweiten Buch «Schande im Ueberfluß» zu diskutieren und augenblicklich verstummte der Beifall, der «Jahrmarkt des Wahnsinns» begrüßt hatte. An dessen Stelle traten Vorwürfe und Tadel im Crescendo zorniger Entrüstung.

Ein Vertrag für die amerikanische Ausgabe dieses Buches wurde ohne große Entschuldigungen gebrochen. Einige Verleger in andern Ländern klagten sehr betrübt, daß ich vom rechten Pfad abgewichen sei, und die Presseleute ringsum beweinten entweder den Verlust eines guten Mannes, oder sie schmähten einen schlechten Mann, der sich jetzt selbst demaskiert habe. Und so ist es weiter gegangen (das heißt in den letzten zwölf Jahren), während ich in aller Ruhe fortfuhr, meine freigewählte Berufung auszuüben, zu schreiben, was ich weiß, und zu sagen, was ich glaube, und in Buchform zu veröffentlichen, was ich in einer Zeitung drucken würde, falls ich deren Herausgeber wäre.

An jenem Tage des Jahres 1938, als Hitler in Oesterreich einmarschierte, telephonierte mein Kollege in Berlin mir dringend nach Wien, ich solle noch vor dem Einmarsch der Gestapo verschwinden. Er hatte aus bester Quelle einen Tip erhalten, daß dies wohl das Beste sein würde. In späteren Jahren ergrimmten die Kommunisten und Zionisten ebenso sehr über mich wie einst die Nazis (und ich denke, daß dieses Schicksal einem jeden bestimmt ist, falls sich noch ein Zweiter findet, der fortfährt, in diesen Zeiten ein unabhängiger Schriftsteller zu sein). Sie setzten alle möglichen Gerüchte über mich in Umlauf, von denen ich, mit einer Ausnahme, alle widerlegen kann. Bei dem einen Punkt aber — ich sei verrückt — habe ich den Eindruck, daß es sich um eine große Uebertreibung handelt.

Die Zeit verging. Meine Ueberzeugung wuchs, daß hinter all diesen Ereignissen viel mehr steckte, als nur die kriegerischen Gelüste Hitlers. Vom Augenbick an, als er die Sowjetunion angriff, erkannte ich immer deutlicher, daß der ganze Verlauf des «Hitler-Krieges» von unsichtbaren, geschickten Händen geleitet wurde, damit der Endsieg zwei Mächten zufalle:

dem Sowjetkommunismus und dem zionistischen Nationalismus.

Die breiten Massen der Völker vermochten das nicht zu erkennen, so wenig, wie sie 1938 die Dinge durchschauten, die für mich auf der Hand lagen: daß Hitler sich im gegebenen Moment mit Stalin verbünden werde. Jetzt erkennen sie es, denn es sind sechs Jahre verflossen, seit ein amerikanischer Präsident den Befehl erließ

«Die Russen dürfen Berlin erobern».

Und fast ebensoviele Jahre sind verflossen, seitdem er befahl, das entlegene Palästina solle aufgeteilt, und die einheimischen Araber aus der einen Hälfte des Landes zugunsten der zionistischen Einwanderer aus Osteuropa vertrieben werden.

Und trotzdem gewahrt die breite Oeffentlichkeit noch immer nicht, was meine Meinung ist: daß die persönlichen Taten eines Hitler für dieses Gesamtbild (die Realität sieht heute ganz anders aus, als sie damals erschien) ebenso bestimmend waren wie die eines Roosevelt.

Heute weiß jeder, daß während der duldsamen (oder verschlafenen) zwanziger und dreißiger Jahre die Regierungen und Amtsstellen des Westens mit kommunistischen und zionistischen Agenten verseucht wurden, die bei Kriegsausbruch nach einem seit langem vorbereiteten Plan ans Werk gingen.

Falls der Kriegsausgang selbst diese Behauptung noch nicht belegt, so wurde sie doch durch die zahlreichen Enthüllungen in Amerika und England hinreichend bewiesen. Jeder, der sich für Politik ernstlich interessierte, war im Bild, ehe diese Enthüllungen gemacht wurden. Aber sogar heute finde ich kaum einen Menschen, den seine Phantasie befähigt, eine geradezu einleuchtende Möglichkeit zu erkennen: daß Hitler selbst ein bewußter und nicht nur ein unbewußter Agent dieser Zielsetzung gewesen ist.

Meiner Meinung nach war dies das Geheimnis, das Speer kannte, und das mag auch der Grund sein, weshalb der Mann, der Hitler zu ermorden versuchte, von denen, die behaupten, die «Zerstörung der Hitlerei» sei ihr eigentliches Kriegsziel gewesen, für 20 Jahre eingesperrt wurde.

Ich glaube, daß Rauschning das gleiche Geheimnis entdeckte oder wenigstens vermutete und daß viele, die nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet wurden, auf der gleichen Fährte gewesen sind. Das würde auch erklären, weshalb Hitler, Goebbels und Bormann (ausgerechnet diese drei!) niemals auf die Anklagebank in Nürnberg kamen. Diese Theorien und der Glaube an ihre Richtigkeit wurden in mir wesentlich durch die massiven und unaufhörlichen Versuche, mich und meine Schriften zu unterdrücken, bestärkt. Ich halte weder meine Bücher, noch mich selbst für sehr bedeutend. Offenbar aber findet irgend eine andere Seite, daß meine Bücher doch schädlich genug sind, um eine große und dauernde Anstrengung bezahlt zu machen, sie vom Buchmarkt zu verdrängen. Ueber diese Tatsache besitze ich ungezählte Beweise.

Es sind erstaunliche Dinge, die sich im Zeitraum weniger Jahre zugetragen haben, und sie werden einmal ein weit unterhaltsameres Buch füllen, als ich jemals zuvor geschrieben habe. Nur eine äußerst mächtige Organisation, mit Stützpunkten in allen Ländern und mit der festen Absicht, alle Spatzen von den Dächern abzuschießen, die ihr mißfallen, konnte es fertig bringen, gegen einen einzelnen, recht unbekannten Schriftsteller einzig und allein aus dem Grunde, weil er sich in aller Oeffentlichkeit mit zwei aktuellen politischen Bewegungen auseinandersetzt, eine weltumfassende Kampagne einzuleiten.

Ich staune über diese offensichtlich organisierte Feindschaft und was mich persönlich anbetrifft, finde ich diese Sache ganz lustig. Aber darüber hinaus sehe ich mich durch sie tausendfach in meinem Glauben bestärkt, daß hinter den Köpfen und den Kulissen der sichtbaren Regierungen, ausgedehnt über die ganze Erde, geheime und mächtige Mächte am Werk sind. Wenn schon ein solcher Einsatz von Energie lediglich zur Vernichtung eines einzelnen, unabhängigen Schriftstellers möglich ist, der doch im besten Fall nur einige Nadelstiche versetzen kann, dann muß es eine Organisation geben, für deren Aufmerksamkeit keine Einzelheit zu gering ist und die über mächtige Mittel verfügt, ihren Willen überall aufzuzwingen. Ich glaube, daß unter den englischen Schriftstellern dieses Jahrhunderts nur G. K. Chesterton und sein Bruder Cecil auf eine derart organisierte Feindschaft gestoßen sind; vielen deutschsprachigen Lesern wird ihre Geschichte bekannt sein. In diesem Buche habe ich geschrieben, was ich glaube. Aus seinem Inhalt wird der Leser demnach erfahren, welche Art von Aussagen diese mächtige (aber noch nicht allmächtige) Zensur, die in der heutigen Welt besteht, gerne unterdrücken möchte. Sie hatte nichts einzuwenden, als ich 1938 ein Buch schrieb, in welchem ich feststellte, der Krieg stehe vor der Tür.

Ganz im Gegenteil! Sie ließ diesem Buch alle Unterstützung angedeihen, denn damals benötigte sie den Krieg zur Verwirklichung ihrer Pläne. Und so glaube ich, daß ich auch heute, im Jahre 1952, keiner organisierten Feindschaft begegnen würde, wollte ich einen zweiten «Jahrmarkt des Wahnsinns» in dem Sinne schreiben, daß «Rußland» der neue «tollwütige Hund in Europa» ist und einen neuen Krieg starten will. Ich glaube ebenfalls, daß weitere Kriege für das künftige Gelingen der ehrgeizigen Pläne, die ich im Auge habe, noch immer sehr erwünscht sind.

Darum bilde ich mir ein, daß ein solches Buch im jetzigen Zeitpunkt den gleichen allgemeinen Beifall ernten würde wie «Jahrmarkt des Wahnsinns» vor vierzehn Jahren. Aber leider glaube ich nicht, daß «Rußland» der «tollwütige Hund» ist, trotzdem der Kommunismus (ein fremdes Regime, das Rußland beim Abschluß eines Krieges aufgezwungen wurde) es vielleicht sein mag. Meiner Ansicht nach befinden sich die Russen heute ebenso hilflos in den Klauen des Kommunismus wie die meisten Juden in denen des Zionismus, und wie einst die Deutschen 1939 in denen des Nationalsozialismus.

Die geheime Zensur will es verbieten oder mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, daß irgend jemand sagt, auch ein neuer Krieg würde wiederum, wie die beiden letzten Kriege, von übernationalen Kräften ausgenützt und ihren eigenen Zielen dienstbar gemacht. Diese Ziele würden nochmals dahin gehen, das kommunistische Reich und den zionistischen Staat weiter auszudehnen; oder beide in einen Weltstaat zusammenzuschweißen, in welchem die Kräfte, die den sowjetischen Kommunismus und den zionistischen Nationalismus geschaffen haben, die oberste Gewalt ausüben und in welchem die Völker des christlichen Westens sich ungefähr in der Lage des heutigen Polens befinden würden.

Wenn einmal ein neuer Krieg ausbricht, dann wird man das, meiner Meinung nach, nicht mehr sagen dürfen. Bis ein neuer Krieg ausbricht, kann es noch gesagt werden, und weil vielleicht ein gewarnter Leser an irgend einem Fleck dieser Erde in der Lage ist, den Gang der Ereignisse von morgen zu ändern, darum sage ich es jetzt.

Im gegenwärtigen Zeitpunkt liegt das Hauptproblem aller Völker des christlichen Westens lediglich darin, zu überleben, sind sie doch alle gleichermaßen in den Plänen dieser bedrohlichen Mächte, die zum größten Teil jede nationale Regierung verdrängt haben, gefangen.

Dennoch werden die Völker überleben und eines Tages wieder Herr über ihr eigenes Schicksal sein. Dann ist es für sie wichtig zu wissen, wodurch sie in ihre frühere, mißliche Lage gekommen sind, so daß ähnliche Versuche in Zukunft von ihnen abgewehrt werden können.

So viel über mich, meine Bücher und deren seltsame Geschichte. Jetzt, wo ich mich anschicke, ein Vorwort für eines meiner Bücher, das in deutscher Sprache erscheint, zu schreiben, kehren die Bilder dieses Europa, das ich einst so gut kannte und so sehr liebte, wieder frisch in mein Gedächtnis zurück.

Es war immer mein Wunsch, meine Tage im Stammkontinent der Kultur des weißen Mannes zu beenden. Die Vorahnung, daß mir die Entwicklung die Erfüllung dieses Lieblingswunsches verwehren könnte, machte die Zeit zwischen 1933—39 zu traurigen Jahren. Ich fühlte mich überall in Europa zu Hause. Jesus hatte «viele Jünger und einen, den er liebte». Wie die Menschen, die viele Länder kennen und eines, das sie lieben. Ich bin im wahrsten Sinne von A bis Z Engländer, aber ich kannte viele Länder. Ich fühlte mich in Frankreich oder Deutschland, Belgien oder der Schweiz, in Polen, Ungarn oder Jugoslawien, in Italien, Griechenland oder Rumänien stets als Gast, niemals als Fremder. Jedes dieser Länder besaß für mich besondere und verschiedenartige Reize; ein Menschenleben ist viel zu kurz, um sie alle kennen zu lernen. Was mich in jedem Land am meisten anzog, war das, was bei einer Ueberbetonung oder Uebersteigerung am raschesten anwidert: die nationale Eigenart.

Wie herrlich sind die individuellen Eigenarten der großen und der kleinen Staaten, bis irgend ein Demagog erscheint und sie verfälscht oder herabwertet. Wie töricht ist doch das Geschwätz von der Aufhebung der Eigenstaatlichkeit!

Die Nationalität ist ebenso unzerstörbar wie die Materie, und ich finde, daß unsere gegenwärtige Zeit jener Voraussage in der «Geheimen Offenbarung» gleicht, wonach «die Verführung der Völker» ein Ende nehmen wird, wenn dereinst «die alte Schlange, der Satan» nach der Endschlacht der Könige dieser Erde an «der Stätte, in hebräischer Sprache Armageddon genannt», in Fesseln geschlagen sein wird.

Wirklich unglücklich fühlte ich mich nur in einem Lande Europas oder Eurasiens: in Rußland. Und zwar aus dem Grunde, weil es nicht Rußland war, sondern ein kommunistisches Gefängnis, dessen nationale Eigenart wenigstens zur Zeit völlig zugrundegerichtet ist. Ich wußte, daß ich mich in Rußland ebenso glücklich gefühlt hätte wie in allen übrigen Ländern Europas, wenn es Rußland gewesen wäre.

Ich habe nur noch einen einzigen Wunsch, auf dessen Erfüllung ich noch hoffe: lange genug zu leben, um Rußland russisch, Deutschland deutsch und ganz Europa wieder wahrhaft frei zu sehen.

Ich erinnere mich, wie ich Deutschland 1939 mit tiefem Bedauern verließ, und wie mich die Verwandtschaft der nationalsozialistischen und kommunistischen Parolen und Methoden seit 1933 mit einer bangen Vorahnung erfüllten; ich gewann den Eindruck, daß die deutsche Eigenart in falsche Formen gepreßt werde.

Und ich wußte, daß dies auch mein eigenes Leben zutiefst berührte sowie das Leben aller Zeitgenossen, und heute, fast zwanzig Jahre später, sehe ich, wie richtig meine Vorahnung war. Ich fuhr am Abend des 27. Februar 1933 eben in jenem Augenblick am Reichstag vorbei, als die Flammen aufloderten. Wahrscheinlich war das für die meisten ein ganz gewöhnlicher Brand.

Mir aber fraß die Erkenntnis tief ins Mark, daß es sich hier um weit mehr handelte. Im Namen dieses Brandes begann der lange Opfergang des christlichen Westens, aber nicht nur in Deutschland! Der rote Schein der Flammen und deren lange Schatten zucken noch heute in jeder deutschen Familie in Westund Ost-Deutschland. Aber sie reichen noch viel weiter: in jede englische und sogar in jede amerikanische Familie.

Der Reichstagbrand war die eigentliche Atombombe, welche die christliche Kultur, Europa und die westliche Welt einer dunklen Zukunft überlieferte. Falls wirklich der Untergang besiegelt wird und sich die Staaten, in denen einst das Zeichen des Kreuzes ein wunderbares Licht der Erkenntnis schuf, in Reiche der dunklen Sklaverei wandeln, dann hat dieser Vernichtungsprozeß in der Nacht des 27. Februar 1933 begonnen.

In jener Nacht überspülte wie eine schwarze Springflut die Finsternis Asiens in einem gewaltigen Sprung ganz Deutschland. Das Heim eines Menschen war nicht mehr unantastbar, auch nicht sein Vermögen oder seine Person. Von jenseits des Urals drangen die Methoden der Satrapen hinüber in das Land der Dichter und Denker. Falls es noch Richter in Berlin gab, waren sie nur Ueberlebende aus der Vergangenheit; die wirkliche Gewalt war an Volksrichter, Volksgerichte und einen obersten Magistraten übergegangen.

Ich habe mich damals schon gewundert, als ich auf Befehl Goerings den brennenden Reichstag verlassen mußte, und ich wundere mich beim Zurückdenken noch heute, wie manche Deutsche sich täuschen ließen und glaubten, daß es sich hier um etwas Neues oder Andersartiges oder gar um etwas Gutes für Deutschland handle.

Es war einfach barbarisch und asiatisch, in seinen erkennbaren Grundzügen kommunistisch und derart ansteckend, daß es sich heute noch viel weiter nach Westen ausgedehnt hat und das restliche Europa, sogar England und Amerika bedroht. Seither haben England und Amerika ständig im Zeichen des «Notstandes» und der «außerordentlichen Vollmachten» gelebt, und ihre Beherrscher erlaubten sich immer tiefere Eingriffe in die menschlichen Freiheitsrechte, während sie vorgaben, eben diese Gesinnung zuerst im «Faschismus» und dann im «Kommunismus» zu bekämpfen.

Wer hat den Reichstag angezündet? Wir fragen uns noch immer und finden noch immer keine Antwort. Ich vermute, daß ich über dieses Ereignis mehr weiß als die meisten, denn ein Zufall führte mich damals an Ort und Stelle. Ich verfolgte aufmerksam die Untersuchung und versäumte keinen Augenblick des Prozesses. Zudem war ich ein freier Mann, der sich seine eigene Meinung ohne Vorurteil oder Voreingenommenheit bilden konnte.

Ich weiß, daß es nicht «die Kommunisten» gewesen sind, das heißt weder die deutschen und bulgarischen Kommunisten, die unter Anklage standen, noch irgend eine andere kommunistische Gruppe. Falls aber «die Nazis» die Brandstifter waren, dann dienten sie dem kommunistischen Endziel, wie Hitler, der zuerst Polen mit den Kommunisten teilte, um als nächsten Schritt seinen Zweifrontenkrieg zu führen.

All diese Schritte zielten dahin, den großen Plan zu fördern, den Westen in ein Sklavengebiet zu verwandeln. Waren die Männer, die damals in Deutschland an der Macht waren, wirklich so weitblickend?

Diese Meister der Planung, sie sind 1945 nicht weit vom abgebrannten Reichstag in andern Flammen spurlos verschwunden. Ihre Leichen wurden nicht gefunden. Das Rätsel der verschwundenen Brandstifter des Reichstags führt meiner Ansicht nach zum andern Rätsel der verschwundenen Führer aus der Reichskanzlei.

Aber der begonnene Prozeß geht weiter und hat ganz Europa zu einem Fegefeuer gewandelt. Während all dieser Jahre setzte ich in aller Stille die Arbeit an meinen Büchern fort. Die einzigen Vorschriften, von denen ich mich leiten ließ, waren die alten Regeln, die einst für jeden anständigen Journalismus galten, aber jetzt in den großen Massenzeitungen mehr und mehr in Verruf fallen: nämlich nichts Blasphemisches, Aufrührerisches, Obszönes oder Verleumderisches zu sagen.

Ich habe Europa seither nicht mehr gesehen, außer von der Normandie 1944 (und das war der traurigste aller Besuche, denn ich sah den großen Schachzug voraus, nach welchem «die rote Armee Berlin erobern durfte», und fühlte, daß die deutsche Niederlage oder der alliierte Sieg derart in eine Niederlage der christlichen Welt verwandelt werden sollte) und nachher nur noch in ganz kurzen Ausblicken. Ich verbrachte meine Zeit damit, eine sozialistische Regierung zu beobachten, wie sie auf meiner Heimatinsel mancherlei Maßnahmen im Namen der Demokratie einführte, die kommunistischer oder faschistischer Herkunft waren, und nachher in Afrika, Kanada und den großen Vereinigten Staaten zu reisen, um zu schauen, was dort vor sich ging.

Das Bild dieses weiten Bereichs der Außenwelt deckt sich so ziemlich mit dem, was ich 1947 über die britische Insel geschrieben habe. Es scheint, als hätten die Politiker — Sozialisten und Konservative in England, Demokraten und Republikaner in Amerika oder ähnliche Parteigebilde anderswo — überall vor dem Lockruf der «außerordentlichen Vollmachten» kapituliert.

Sie lernten dauernden Notstand schätzen, offenbar wegen der herrlichen Machtfülle über die Völker, die sie in dessen Namen fordern, und ihre einzige Leistung ist die Abänderung der Bezeichnungen Faschismus und Kommunismus in «Notstand». So werfen die längst erloschenen Flammen des Reichstages, wie schon gesagt, noch immer ihren Widerschein nicht nur auf Deutschland, sondern auf alle übrigen Länder der christlichen Welt. Ich habe in den letzten Jahren in meinem eigenen Lande und in Nordamerika gefühlt, daß ich von den politischen Schatten Papens, Bruenings, Otto Brauns und Severings begleitet war.

Notstand! Notverordnung! Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle!

Weil ich gesehen habe, wohin dieser Weg führt, ist er mir widerwärtig. Ich glaube nicht, daß man den Faschismus oder den Kommunismus mit den gleichen Methoden bekämpfen kann. Wir müssen entgegengesetzte Methoden wählen. Amerika ist jedoch nie ganz aus dem Notstand herausgekommen, den Präsident Roosevelt ungefähr zur Zeit des Reichstagsbrandes proklamierte, und sein Nachfolger besteht täglich darauf, daß er weiter beibehalten werde. In England, wo ein gewisser Attlee, ein sozialistischer Politiker, in Hitlers ersten Jahren offen das Wort gegen Regierungen ergriff, die im Namen des «Notrechtes» immer größere Macht über ihr Volk gewannen, hat ein Premier-Minister, namens Attlee, im Namen des heutigen Notstandes «außerordentliche Vollmachten» zu einer dauernden Einrichtung gemacht!

So geht der verderbliche Kreislauf weiter. Dieser Teufelstanz, der am 27. Februar 1933 begann, zieht immer größere Kreise über die Welt des weißen Mannes. Die Schatten der asiatischen Despotie werden länger. Europa wartet, halb versklavt, halb frei.

Ich kann mir nicht recht vorstellen, wie derart betrogene Politiker, falls sie nicht selbst Betrüger sind, die Welt von dieser immer straffer werdenden Umklammerung befreien sollen.

Noch sind die heute führenden Politiker der westlichen Welt meistens Männer, die in den Illusionen des Liberalismus oder des Sozialismus groß geworden sind. Die Ereignisse um die Wende unserer Jahrhundertmitte haben gezeigt, daß Liberalismus und Sozialismus nur zwei Spiralen einer dreifach geringelten Schlange waren und sind. Die dritte Spirale, die den Kopf mit dem Giftzahn trägt, ist der Kommunismus. Aber alle gehören zum gleichen Körper.

Diese Illusionen wurden im letzten Jahrhundert geboren. Nur solche Männer, die mit ihnen groß geworden, konnten sich in einem Zustand völliger Verblendung zu einem so teuflischen Abkommen verleiten lassen wie ein amerikanischer Präsident, der dem «Vorschlag», «die Rote Armee dürfe Berlin erobern», Folge leistete. Mit diesem Entscheid schwand die letzte Hoffnung, daß Europa durch den Zweiten Weltkrieg wieder den Weg zur Gesundheit findet.

Ein asiatisches Komplott, schon zu zwei Dritteln gelungen, wurde durch die Blindheit eines Mannes, oder einer Gruppe von Männern des christlichen Westens, die sich von den asiatischen Verschwörern täuschen ließen, zu einem vollkommenen Erfolg. Ich glaube, daß jedes Kind in Europa die Folgen dieses meisterhaften Schachzuges hätte sehen müssen. Für mich, der ich Europa kannte, lagen sie jedenfalls auf der Hand. Jetzt bleibt nur noch der Ausgang des Endkampfes, in welcher Form er sich auch abspielen mag, und die letzte Antwort auf das Rätsel dieses erschreckenden Jahrhunderts offen: Wird Europa überleben oder wird es untergehen?

Ich glaube, daß Gott in der jetzigen Lage Europas über den Ausgang entscheiden muß. Ich bin bloß ein politischer Schriftsteller. Heute ist mein Ausblick in die Zukunft völlig getrübt, während es ein leichtes war, im Jahre 1933 und sogar noch 1941 Voraussagen zu machen. Aber Politiker sind vergänglich, und ebenso die Täuschungen und die Zeiten des Niedergangs. Ich glaube, daß die Feuerprobe des Liberalismus-Sozialismus-Kommunismus nahezu bestanden ist und daß der Ueberlebende dieses Jahrhunderts, trotzdem es wahrscheinlich noch größere Leiden bringt als die verflossene erste Hälfte, auch die Wiedergeburt erleben wird.

Vier Jahre sind verflossen, seit dieses Buch geschrieben wurde. Ich möchte denen, die es jetzt in deutscher Sprache lesen, in aller Kürze erzählen, was seither in der Welt geschah. Alles vollzog sich auf der gleichen Ebene des Bösen, das noch schlimmer wurde; die Wendung zum Guten ist noch nicht eingetreten. Der einzige Trost, den ich für jeden besitze, dessen Los es ist, in unsern Zeiten zu leben (die den folgenden Generationen ganz unbedeutend erscheinen werden), liegt in den Worten des heiligen Matthäus:

«Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; sehet zu, daß ihr euch nicht verwirren lasset; denn alles dieses muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende … Wer aber ausharret bis ans Ende, der wird selig werden.»

Es ist schwer, in unsern Zeiten das Gute zu erkennen oder den Sinn zu verstehen. Aber das alles wird später deutlicher werden. Die europäische Geschichte hat dies in ihren zwei Jahrtausend immer wieder bewiesen.

Unsere Zeit wurde 1945 von drei Männern geformt, wovon zwei, Stalin und Winston Churchill, genau wußten, was sie wollten, trotzdem sie das genaue Gegenteil wollten. Hätte sich Churchill durchsetzen können, wäre es der Roten Armee nicht erlaubt worden, Berlin zu erobern (was einer Zweiteilung Europas gleichkam), und Europa hätte die Chance eines langewährenden Friedens gehabt. Die ausschlaggebende Stimme lag bei Roosevelt, der bewiesenermaßen von der Geschichte und der Umwelt sehr wenig verstanden hat. Er war das getreue Abbild des Politikers, der auf dem falschen und verfälschten Liberalismus dieses Jahrhunderts aufbaut, und dessen einziger erkennbarer Charakterzug in der grimmigen Bereitschaft liegt, jedwelche Tyrannei zu unterstützen, sofern nur der Tyrann erklärt, er übe seine Tyrannei im Namen des werktätigen Volkes aus.

Als ob das Wesen der Tyrannei durch die Sophistereien eines Tyrannen geändert würde! Er war von gleichartigen Beratern umgeben, und seine Verwaltung war mit Fremden verseucht, die man einzig darum aufgenommen hat, weil sie sich als «Anti-Nazis» proklamierten. Selbstverständlich war diese Behauptung keine Garantie dafür, daß sie den wahren Interessen Amerikas dienen wollten.

Tatsächlich mißbrauchten etliche ihre Macht, um die Interessen der Sowjetunion zu fördern. Nur wenn man diese Umstände klar vor Augen hält, kann man den Befehl des Präsidenten, «die Rote Armee dürfe Berlin erobern», verstehen. (Der Befehl wurde in Wirklichkeit von Roosevelts Nachfolger ausgegeben, war aber eine Frucht der Roosevelt-Aera.)

Es kam hinzu, daß Roosevelt in jenem kritischen Augenblick ein todkranker Mann war (in seinen letzten Tagen schien er sich übrigens der Folgen seiner Handlungen bewußt zu werden).

Der Zweite Weltkrieg, der auf diese Art in der Stunde des Sieges verloren wurde, machte Amerika zur materiell stärksten Macht der Welt, das heißt in Bezug auf die Kapazität seiner industriellen Produktion, was gleichbedeutend ist mit der Macht, einen Krieg zu führen. Aber leider genügt die materielle Stärke weder um die Welt zu befreien, noch um Kriegstreiber in Schach zu halten.

Ebenso wichtig sind moralische Kraft, Weisheit und eine klare Politik. Ganz offensichtlich hatten all diese Kraftquellen durch die Folgen der vierzehnjährigen Roosevelt-Politik in Amerika sehr gelitten. Es war vorauszusehen, daß die vier Jahre, die seit dem Schreiben dieses Buches verflossen sind, Amerika ein unsanftes Erwachen bringen würden. Endlich dämmerte es, daß der militärische Sieg die proklamierten Ziele nicht verwirklicht hatte, daß ein neuer und noch stärkerer Angreifer auf die Beine gestellt und mit Waffen und Geld ausgerüstet worden war, und daß der Weltfrieden (von der «Freiheit» ganz zu schweigen) in weite Ferne gerückt war.

Der Durchschnittsamerikaner (so stellte ich bei meinen Reisen in USA 1949 und 1951 fest) war eben so tief erschüttert, verwirrt und durcheinander wie mein eigenes Volk. Unter dem Druck dieses steigenden Unbehagens begann sich die amerikanische Politik zu ändern, wenigstens in den Darlegungen des Präsidenten, die für das Volk bestimmt waren. Nach und nach verflogen die Illusionen über den Sowjetstaat und die offizielle Tonart wechselte von Versöhnlichkeit zu Vorwürfen und Ermahnungen.

Dem amerikanischen Volke wurde jetzt neue «Bedrohung» vor Augen gestellt: der aggressive Kommunismus (und sofort begann das Gerede von «Notstand» und von «Notvollmachten»). Dann folgten die Enthüllungen. Präsident Roosevelts erster Berater an der schicksalsschweren Konferenz von Yalta entpuppte sich als kommunistischer Agent und das war nur eine der vielen Enthüllungen, die seit 1948 bis auf den heutigen Tag andauern.

Aber alle diese Enthüllungen stammten von Einzelpersönlichkeiten, Untersuchungsbeamten oder von der Oppositionspartei. Keine einzige kam auf Initiative der Regierung zustande. Ebensowenig begann die Regierung von sich aus zu säubern. Der Präsident und die Sprecher der Regierung bestritten jetzt wenn möglich noch leidenschaftlicher, daß die Lage nach Abhilfe rufe, und griffen alle, welche eine Reform forderten, als «Charakter-Mörder», «Feinde der Regierungspartei» und mit ähnlichen Ausdrücken an.

Ich zweifle sehr, ob irgend jemand, der Amerika in diesen Jahren nicht persönlich erlebt hat, sich ein klares Bild von der dadurch entstandenen Situation machen kann. Das Volk des mächtigsten Staates dieser Erde wurde eindeutig auf einen Krieg mit dem neuen Angreifer vorbereitet. Trotzdem war selbst der stärkste Druck der öffentlichen Meinung nicht in der Lage, die Regierung zu einer Erklärung über die kommunistische Infiltration in die amerikanischen Lebensadern, wie zu wirksamen Gegenmaßnahmen zu veranlassen. Die offiziellen Dementis und Beschwichtigungsversuche dauerten selbst dann noch an, als das Volk immer mehr über den Kommunismus ergrimmte und sich die Beweise des kommunistischen Einflusses auf die amerikanische Politik der Kriegsjahre häuften.

So sind im gegenwärtigen Augenblick, wo Amerika scheinbar an der Spitze einer weltumspannenden Allianz zur Bekämpfung einer neuen kommunistischen Expansion steht, die Zweifel über den wahren Kurs der amerikanischen Staatspolitik für den Fall eines neuen Krieges noch berechtigter als zur Zeit der Yaltakonferenz. Persönlichkeiten, die in den höchsten staatlichen Aemtern stehen, sind wiederholt auf eine Art und Weise beschuldigt worden, die in früheren Zeiten sofort ihren Rücktritt zur Folge gehabt hätte.

Aber sie bleiben im Amt und gelten weiterhin als untadelige Ehrenmänner. Die breiten amerikanischen Schichten, die man auffordert, sich auf die Atombombe vorzubereiten, wissen infolgedessen nicht mehr ein und aus. Sie begreifen nicht, warum ihre Regierung den Kommunismus so heftig anprangert und sich gleichzeitig hartnäckig weigert, ihr Haus zu säubern. Das Folgende ist nur ein Beispiel dafür, was heute die Amerikaner in ihren Zeitungen lesen können. Im Jahre 1944 wurde ein amerikanischer Major, der mit Fallschirm hinter den italienischen Linien abgesprungen war, um mit italienischen Partisanen Verbindung aufzunehmen, von zwei seiner eigenen Männer ermordet (Amerikaner italienischer Herkunft), offenbar weil er gezögert hatte, den italienischen Kommunisten, denen er mißtraute, das mitgebrachte Geld auszuhändigen.

Diese Aussage wurde 1951 vom amerikanischen Verteidigungsminister gemacht, erst jetzt nach sieben Jahren, weil der Bruder des Ermordeten in jahrelanger Arbeit den Tatsachen auf die Spur gekommen war, die nun in einer Zeitschrift veröffentlicht werden sollten. Die offizielle Erklärung fügte bei, daß die beiden Männer (die in aller Ruhe in der Nähe von New York lebten) weder nach dem zivilen, noch nach dem militärischen Strafgesetz angeklagt werden könnten, und daß die einzige Möglichkeit, sie vor Gericht zu bringen, ein Auslieferungsbegehren Italiens (das feindliche Land, in das sie mit Fallschirmen niedergelassen wurden) wäre!

Wenn ich mich einige Jahre zurückversetze, dann würde eine solche Affäre in jedem mir bekannten Land ganz bestimmt einen wilden Entrüstungssturm heraufbeschworen haben. Im heutigen Amerika aber nahm das Volk, das vollkommen durcheinander war, diese Nachricht mit vollkommener Gleichgültigkeit auf.

Amerika wird mit aller Offenheit auf einen Krieg vorbereitet, ebenso auf die Tatsache, daß es ein Krieg «gegen den Kommunismus» sein wird. Im Hinblick auf dieses Ziel werden die üblichen «Opfer» gefordert: höhere Steuern, obligatorische Dienstpflicht, Luftschutzübungen, «Verbote» und so weiter.

Zeitungen und Rundfunk sind voll von vorbereitenden Warnungen. Wird sich aber ein solcher Krieg, einmal begonnen, folgerichtig gegen den Kommunismus und dessen Aggressionen richten? Das ist nur dann wahrscheinlich, wenn die geheimen Einflüsse, welche Roosevelt im Zweiten Weltkrieg leiteten und ihn im letzten Augenblick zum verhängnisvollen Schritt von Yalta verführt haben, aus ihren Schlüsselstellungen im amerikanischen Leben entfernt werden.

Mit einer solchen Maßnahme aber hat man bis jetzt nicht Ernst gemacht, so daß bis zu ihrem Eintritt die düstere Wahrscheinlichkeit besteht, daß jeder neue Krieg wiederum ganz anderen Zwecken und Zielen dienen wird, als die große Masse bei Beginn geglaubt hat. Die eigentlichen Ziele, die im letzten Krieg verfolgt wurden, waren die Expansion des Sowjetreiches und die Gründung eines zionistischen Staates in Arabien. Nächstes Mal sollen diese beiden Ziele vermutlich noch weiter gefördert werden.

Sollte sich aber der Weltstaat als das eigentliche Ziel hinter dem Rauchschleier militärischer Operationen «gegen den Kommunismus» erweisen, dann werden in ihm diese beiden Mächte die erste Geige spielen. Diese Situation wird sich erst ändern, wenn mit der Vertreibung der kommunistischen Agenten aus dem amerikanischen Verwaltungsapparat einmal Ernst gemacht und die kommunistische Partei verboten wird.

In England ist die Situation ganz ähnlich, wenn auch etwas weniger bedrohlich. In beiden Ländern ist seit sechs Jahren die Ausmistung der Regierungsställe überfällig. Seit der kanadische Premierminister in äußerster Dringlichkeit zum amerikanischen Präsidenten und zum britischen Premier geflogen ist (nachdem er zu seinem Erstaunen die Verseuchung seiner eigenen Regierungsstellen und öffentlichen Dienste festgestellt hatte), um ihnen mitzuteilen, daß die Lage in ihrem Haushalt sogar noch schlimmer sei, gibt es keine Ausrede mehr für den Aufschub einer solchen Säuberung.

Das war 1945, und nichts Gründliches ist seither geschehen. Sowohl in England wie in Amerika sind zahlreiche Enthüllungen dieser verborgenen Zustände erfolgt. Wissenschaftler wie Beamte wurden von der Polizei oder durch die Geständnisse reuiger Kommunisten der Spionage überführt. Einige sind nach Rußland geflohen. Sogar Diplomaten sind in der gleichen Richtung verschwunden.

Zeitungskorrespondenten haben sich von West- nach Ost-Deutschland begeben, um von dort aus ihre eigenen Völker zu verhöhnen. Aber keine einzige dieser Enthüllungen ist auf Initiative der Regierung gemacht worden. Jedesmal, wenn eine düstere Enthüllung das Volk wieder aufhorchen läßt, bestreitet die britische wie die amerikanische Regierung, daß solche Zustände wirklich existieren. Dieses Geheimnis lastet auf allen jüngsten Regierungen der westlichen Welt, während sie sich offensichtlich auf die Kraftprobe mit dem von ihnen selbst geschaffenen Frankenstein vorbereiten. Jeder geschulte politische Beobachter weiß, daß die kommunistische Verseuchung in Washington und London noch immer sehr stark ist. Die dortigen Regierungen bestreiten dies und weigern sich, wirksame Maßnahmen dagegen zu ergreifen. D

as ist der Grund, weshalb das Vertrauen der Oeffentlichkeit in ihre Schmähungen des roten Imperialismus so schwach ist. Unter solchen Umständen kommt mir der Wandel der amerikanischen Politik in den Jahren, seit ich dieses Buch geschrieben, eher trügerisch als echt vor und die Völker Westeuropas, der britischen Inseln und Amerikas haben allen Grund, sich noch heute vor den Einflüssen zu fürchten, welche den militärischen Sieg des Zweiten Weltkrieges zur politischen Niederlage, im Fiasko von Yalta, verwandelt haben.

Aus dem gleichen Grunde scheint es, daß die verschiedenen Maßnahmen, welche die amerikanische Regierung besonders gegen die «kommunistische Aggression» ergriffen hat, eher als Beruhigungstropfen für die besorgten Amerikaner, denn als wirklich ernsthafte Schritte gedacht sind. Eine neue amerikanische Präsidentenwahl steht bevor. Das ist ein ganz entscheidender Faktor. Die demokratische Partei des Präsidenten Roosevelt und Truman (und von Yalta und Potsdam) ist nun seit neunzehn Jahren an der Regierung. Sie wünscht auch weiter an der Regierung zu bleiben.

Angesichts von Potsdam und Yalta teilt vermutlich Moskau mit ihr den Wunsch, daß ihr auch nächstes Mal wieder die amerikanische Präsidentschaft zufalle. Ganz bestimmt haben die Wahlpropagandisten der demokratischen Partei klar erkannt, daß der amerikanische Wähler wenigstens den Glauben oder die Ueberzeugung haben muß, daß es diese Partei mit ihren Proklamationen gegen den Kommunismus ehrlich meint, und daß sie notfalls ihre Worte mit Taten unterstreichen wird. Andernfalls besteht keine Hoffnung, daß wieder ein Demokrat gewählt wird. Denn auch die amerikanischen Wähler erinnern sich an Yalta.

Das scheint die Erklärung für die Verhaftung der bekannten Kommunistenführer in den Vereinigten Staaten zu sein. Dennoch sind diese weit weniger bedeutend als die eingeschlichenen Agenten an den höheren Posten. Gegen diese aber hat die demokratische Verwaltung, trotz äußerem Druck, bis heute noch nichts unternommen. Offenbar ist sie bereit, in jeder andern Richtung eher nachzugeben als in dieser Sache. Spanien ist ein typischer Fall. Während Jahren weigerte sich die Regierung in Washington, immer noch unter dem Einfluß der Roosevelt-Aera, irgendwelche Beziehungen mit Spanien zu unterhalten.

1947 bemerkte das amerikanische Staatsdepartement (Außenamt) recht hochmütig,

«daß Spanien damit rechnen muß, solange das Franco-Regime an der Macht ist, von der organisierten Gemeinschaft der Nationen ausgeschlossen zu bleiben».

«Die Gemeinschaft der Nationen» war damals gleichbedeutend mit der «Vereinigte Nationen» benannten Körperschaft, in welcher der Sowjetstaat und die Schattenregierungen jener Staaten, welche dieser in Ost-Europa annektieren durfte, volle Mitgliedschaft besaßen! Bis zum Jahre 1949 protestierte der amerikanische Staatssekretär für das Auswärtige, daß es unmöglich sei, Spanien in diesen demokratischen Klub aufzunehmen (um mit solch vorbildlichen Demokraten, wie die UdSSR, Sowjet-Polen und anderen mehr, zusammenzusitzen).

Dann kam der koreanische Krieg, der durch die Erklärung des amerikanischen Präsidenten eingeleitet wurde, es handle sich darum, «der kommunistischen Aggression Einhalt zu gebieten». Dieser eine Punkt steht in Bezug auf Spanien eindeutig fest. Spanien ist ein antikommunistisches Land. Trotzdem legte der amerikanische Präsident sein Veto gegen eine amerikanische Anleihe an Spanien ein, sowie gegen jede Aufmunterung dieses Landes zur Teilnahme an dem großen antikommunistischen Kreuzzug. Gleichzeitig bewilligte er Kredite an Jugoslawien. Dieser eine Punkt in Bezug auf Titos Jugoslawien steht eindeutig fest: es ist ein kommunistischer Staat, ganz gleichgültig, ob der Haß zwischen Stalin und Tito echt ist oder nicht. So begann der koreanische Krieg in größter Verwirrung, die für unsere Zeit das bezeichnendste Merkmal ist.

Aber breite Kreise der amerikanischen Oeffentlichkeit begannen sich über diesen Widersinn Gedanken zu machen (und die Präsidentschaftswahl kommt 1952!), so daß sich der amerikanische Präsident im Hochsommer 1951 endlich bewegen ließ, mit Spanien über Anleihen, Stützpunkte und dergleichen Verhandlungen einzuleiten. Ich glaube, daß dies aus dem Grunde geschehen ist, um die öffentliche Meinung der Amerikaner zu beruhigen und den Boden für die Wahlkampagne 1952 zu ebnen. Die große Untersuchung aber über den kommunistischen Einfluß in den amerikanischen Amtsstellen und bei den höchsten politischen Posten läßt noch immer auf sich warten. In diesem Punkt haben der Präsident und seine Sprecher um keinen Zoll nachgegeben.

Der koreanische Krieg selbst offenbarte von Anfang an eine ähnliche Begriffsverwirrung. Der amerikanische Präsident wurde gewarnt, daß nach dem Wegzug der amerikanischen Truppen aus Südkorea eine kommunistische Invasion erfolgen werde. Er befahl den Wegzug der amerikanischen Truppen und als die erwartete Invasion prompt erfolgte, befahl er ihnen wieder zurückzukehren. Dann ließ er das ganze Unternehmen zu einer Maßnahme der Vereinigten Nationen (in welchen die kommunistischen Scheinregierungen noch sämtliche Sitze behalten haben) gegen die kommunistische Aggression umstempeln.

Jetzt endlich war die Gelegenheit gekommen, um die Echtheit der Bekehrung zu beweisen. Hatten die gegenwärtigen Beherrscher Amerikas endlich den Sinn des früheren Geschehens begriffen? Waren sie jetzt aufrichtig entschlossen, den expansiven Kommunismus aufzuhalten, dem sie selbst zur Berliner Frontlinie und zur chinesischen Küste verholfen hatten? Der koreanische Krieg unterschied sich in seinem ersten Jahr (während ich schreibe, werden Waffenstillstandsverhandlungen geführt) völlig von allen übrigen Kriegen der Geschichte. Wiederholt erklärten der amerikanische Präsident und seine Mitarbeiter, daß es nicht ein amerikanischer Krieg sei, sondern ein Krieg der Vereinigten Nationen (die durch Anerkennung der Mitgliedschaft der Scheinregierungen der Satellitenstaaten selbst den kommunistischen Eroberungen in Ost-Europa den Schein der Legalität gegeben haben).

Hier war das erste große Beispiel für die «Uebergabe der Souveränität» an eine geschlossene Organisation, die behauptet, die Welt zu verkörpern. Gleich bei Kriegsbeginn äußerten sich offizielle Sprecher der drei Regierungen, die in dieser Sache am meisten beteiligt waren (Amerika, Großbritannien und Kanada), wiederholt und in aller Oeffentlichkeit, daß der kommunistische Angreifer, den man bestrafen wollte, mit Gebietsabtretungen und öffentlicher Anerkennung belohnt werden muß!

Den Soldaten schien das nicht ungewöhnlich, und die Bewohner in der Heimat blieben ebenfalls vollkommen gleichgültig. Diese neue Haltung mag vielleicht gut sein, aber ich kann mich nicht erinnern, in der Geschichte jemals auf etwas Aehnliches gestoßen zu sein. Falls ich mich nicht deutlich ausgedrückt habe, will ich diesen Fall beleuchten: Bei Beginn des koreanischen Ausflugs erklärten amerikanische, britische und kanadische Minister wiederholt und öffentlich, daß das kommunistische China (welches sich bald an der Aggression beteiligen sollte) die Insel Formosa erhalten und Seite an Seite mit andern kommunistischen Schattenregierungen in den Vereinigten Nationen sitzen soll!

Das heißt, daß gleich bei Beginn des koreanischen Krieges öffentlich die Absicht verkündet wurde, den chinesischen antikommunistischen Führer Tschiang-Kai-Schek (der gegen Faschismus schon länger als irgend jemand in der Welt gekämpft hat) im Stiche zu lassen, genau wie man vorher General Mihailowitsch, die legalen Regierungen Polens und der baltischen Staaten, Otto Straßer und die antinazistischen und antikommunistischen deutschen Führer im Stiche gelassen hatte. Kann es ein deutlicheres Anzeichen geben, daß die Einflüsse, welche Präsident Roosevelt umgaben und irreführten, noch heute in den Hauptstädten des Westens sehr stark sind?

Tschiang-Kai-Schek hielt diese letzte Insel, Formosa, mit recht bedeutenden antikommunistischen chinesischen Armeen besetzt. Inseln sind schwer zu erobern (wie der britische Inselbewohner weiß, und wie Napoleon und Hitler erfahren haben). Hier kam mitten aus den Stützpunkten des antikommunistischen Feldzuges ganz offen der Vorschlag, daß man den chinesischen Kommunisten die Mühe der Eroberung Formosas und Tschiang-Kai-Scheks eigentlich ersparen könne, indem man ihn zugunsten seiner Feinde aus den Vereinigten Nationen ausstoße und dafür die Kommunisten als Mitglieder einführe.

Doch nicht genug!

Die amerikanische siebente Flotte wurde nach Formosa befohlen mit dem Auftrag, den antikommunistischen Führer dort in Schach zu halten und ihn daran zu verhindern, seine kommunistischen Gegner auf dem chinesischen Festland anzugreifen.

Ich wiederhole: Einen solchen Krieg hat es noch nie in der Geschichte gegeben, besonders was die stillschweigende Hinnahme solcher erstaunlichen Dinge von Seiten des Publikums anbetrifft.

Früher gab es einmal etwas, was sich öffentliche Meinung nannte. Ich weiß das, weil ich diesem Phänomen zu Lebzeiten begegnet bin. Auch sie scheint ein weiteres Opfer unserer Zeiten geworden zu sein. Man stelle sich vor: Von zwei amerikanischen Brüdern hätte einer vielleicht die Pflicht gehabt, die Kommunisten in Korea zu bekämpfen, und der andere, falls er Matrose war, den Befehl, die chinesischen Antikommunisten am Angriff zu hindern! Die Entlassung des amerikanischen Oberbefehlshabers konnte fast mit Sicherheit von Anfang an vorausgesagt werden, denn er gehörte zum Typus der Generale, die an einen militärischen Sieg und einen anschließenden politischen Sieg glauben.

Seine Ausschaltung gehörte zu den oft ausgesprochenen und bekannten kommunistischen Zielen der letzten sechs Jahre. So endet der koreanische Krieg, falls die jetzigen Waffenstillstandsverhandlungen zu einem Abschluß führen, mit einem sehr großen kommunistischen Erfolg, der sich vielleicht bald als großer kommunistischer Sieg entpuppen wird. Es wird leicht sein, dies zu prüfen, denn jeder, der will, hat die Möglichkeit, zur gegebenen Zeit die Nutzanwendung zu ziehen.

Die öffentlichen Erklärungen über die Wünschbarkeit, dem kommunistischen Aggressor Formosa und die Mitgliedschaft in den Vereinigten Nationen zu übergeben, wurden in London und Ottawa etwas gedämpfter, als die ersten Verlustlisten der britischen und kanadischen Soldaten eintrafen. Aber wohlgemerkt, sie wurden nicht zurückgezogen.

In Amerika lag der Fall anders. Die amerikanischen Verluste waren sehr schwer und dementsprechend fiel die Meinung der betroffenen Angehörigen schwerer ins Gewicht (auch steht eine Wahl bevor, wie ich schon sagte). Infolgedessen zog der Sprecher der amerikanischen Regierung seinen Antrag öffentlich und in aller Form zurück und betonte, man werde Formosa dem schuldigen Aggressoren nicht aushändigen. Ebensowenig wolle man den chinesischen Kommunisten gestatten, über den ausgestreckten Leichnam Tschiang-Kai-Scheks in das Gebäude der Vereinigten Nationen am East River einzumarschieren.

Ich glaube trotzdem, daß diese Absicht nicht aufgegeben worden ist, daß die geheimen Mächte, die in Washington, London und Ottawa so stark sind, immer noch an diesem Ziele arbeiten und daß der Versuch erneuert wird, so wie sich hierfür eine passende Gelegenheit bietet.

Das wird dann der Augenblick sein, wo jeder die Angelegenheit für sich selbst überprüfen kann. Sollte das Endergebnis des koreanischen Zwischenaktes eine weitere Ausdehnung der kommunistischen Herrschaft und die Aufnahme des Angreifers in den New Yorker-Klub sein, dann muß man schließen, daß das Unternehmen in Korea von Anfang an ein Schwindel war. Der Ausgang dieser Dinge hängt von den kommenden Wahlen in den Vereinigten Staaten ab. Wäre nicht der schmerzliche Eindruck gewesen, den die Verluste in diesem Lande hinterlassen haben, und das tiefe Unbehagen, das die Menschen dort über die amerikanische Außenpolitik empfinden, dann wäre der Handel mit Formosa vielleicht bereits eine vollendete Tatsache. Denn die Vereinigten Nationen sind bereits für zwei große Geschäfte dieser Art mißbraucht worden, die für die Zukunft die schlimmsten Prognosen zulassen, falls diese Organisation nicht gesäubert wird: Sie hat das Siegel ihres Einverständnisses, falls ein solches überhaupt einen Wert besitzt, auf die Teilung Europas und die Teilung Palästinas gelegt.

Es fällt mir schwer zu entscheiden, welche dieser beiden Taten für die Zukunft verhängnisvoller sein wird, welche von beiden mit größerer Wahrscheinlichkeit neue Kriege erzeugt, in denen es für die westliche Welt sehr schwer sein wird, einen Sieg zu erringen.

Welche Glanzleistung für die Organisation, die zum Zweck der Befriedung der Welt Souveränitätsrechte über alle Völker beansprucht: Teilung in Europa, in Palästina und in Korea! Lassen sich drei Beschlüsse denken, die geeigneter sind, Krieg und Elend hervorzurufen? Kann irgend jemand nach einem solchen Anfang glauben, daß die Mächte, welche diese Organisation beherrschen, wirklich den Frieden in der Welt herbeiwünschen?

Vor fünfunddreißig Jahren, 1917, äußerten alle klugen und bedächtigen Menschen, Juden und Heiden gleicherweise, die ernstesten Warnungen gegenüber dem schattenhaften Plan, einen zionistischen Staat in Arabien zu gründen. Es war alles umsonst und während der letzten drei Jahrzehnte fielen die Politiker des Westens wie besessen über einander her, um diesen ehrgeizigen Traum zu verwirklichen. Jetzt können wir das Resultat deutlich sehen.

Der mittlere Osten wurde wenn möglich zu einem noch gefährlicheren Explosionsherd als Europa. Die Araber haben sich in ihrem Haß gegen Amerika und England geeinigt, die den Vorwand eines zweiten Weltkrieges benutzten, um sich in die Angelegenheiten ihrer harmlosen Länder einzumischen und mit britischen und amerikanischen Waffen und Geldern die Gründung einer zionistischen Kolonie von Osteuropäern zu erzwingen. Sie fragen sich, ob das wohl die Meinung der großen amerikanischen Republik ist, wenn sie mit lauter Stimme gegen den «Kolonialismus» und «Imperialismus» wettert.

Haben sie von England wirklich nichts Besseres verdient? Niemals werden sie sich mit dieser phantastischen Tat befreunden oder gar sich mit ihr einverstanden erklären können. Falls der Sowjetstaat den Mittleren Osten für seine nächsten Expansionsgelüste wählen sollte und im Anfangsstadium den Arabern eine Freundschaftserklärung abgibt, dann sind die Folgen unabsehbar. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob jeder wichtige Entschluß der westlichen Politiker in den letzten dreißig Jahren, aus Blindheit oder Unvermögen, dahin gezielt hätte, um die Jahrhundertmitte eine für die westliche Welt unlösbare Situation herbeizuführen.

Sogar Churchill, der, falls er dazu in der Lage gewesen wäre, die Zweiteilung Europas verhindert hätte, fügte sich in seiner Nah-Ost-Politik dem zionistischen Nationalismus, diesem Licht der Strandräuber. Das Ende von all dem ist noch nicht abzusehen. Noch müssen wir auf dem falschen Wege vorwärtsschreiten, bis die Völker endlich merken, wie sie betrogen worden sind, und sich aus ihrer Mitte neue Männer suchen, die zu den alten Grundsätzen des nationalen Interesses, der Loyalität und der Wahrheit zurückkehren.

Noch sind die Tage «des großen Betruges an den Völkern» nicht gezählt. Ich habe dieses Vorwort zur deutschen Ausgabe mit dem Bild Europas vor Augen geschrieben. Noch immer hoffe ich, meine Tage dort beschließen zu dürfen! In Zürich, wo dieses Buch verlegt wird, habe ich nach dem Einmarsch in Oesterreich glückliche Tage verlebt. Oesterreich, welch herrliches Land! Und wie sehr sehne ich mich danach, eines Tages wieder in seinen Seen zu schwimmen, seine Berge zu besteigen, durch die Straßen von Linz, Graz und Innsbruck zu schlendern und meine Nächte in freundlichen Gasthäusern am Wege zu verbringen! Das Südtirol, Bratislawa, Prag, Brünn, Pilsen: Sie alle will ich wiedersehen und ich hoffe, daß die Zeiten es mir noch erlauben werden.

Und Deutschland! Als ich Deutschland zum letzten Male sah, im Jahre 1939, da verreiste ich mit Gefühlen des tiefsten Bedauerns und der trübsten Vorahnungen. Ich fürchtete und haßte den Nationalsozialismus, der mir eine üble Sache zu sein schien, aber die Deutschen bewunderte ich und Deutschland war ein herrliches Land. Ich empfand die Bombardierung von Dresden, München und Köln als körperlichen Schmerz, genau wie die Zerstörung meines eigenen Coventry und Canterbury, denn diese Kulturstätten gehörten zum ewigen Deutschland, dem ich große Bewunderung und tiefen Dank schuldete.

Wie glücklich wäre ich, dürfte ich wieder durch die dunklen Wälder Thüringens streifen und in meinen geliebten Mecklenburgerseen schwimmen, dürfte ich wieder eine Rheinfahrt genießen oder Kaffee an der Binnenalster trinken, dürfte ich nochmals durch das alte Städtchen Rothenburg wandern oder eine Segelfahrt bei Swinemünde genießen. Unsere Tage haben es mit uns, die wir alle Länder Europas liebten, nicht gut gemeint.

Aber, wie dem auch sei: Morgen ist auch ein Tag!

Hier zum Buch: Der große Plan der Anonymen


Quelle und Kommentare hier:
http://criticomblog.wordpress.com/2013/09/21/agent-hitler/