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Wilhelm Waßmuß – Der deutsche Lawrence

Nach seinem Tode aber wächst der bis dahin schon allgemein verehrte Mann gerade beim einfachen Volk der Wüsten- und Gebirgsländer im Süden Persiens zu einer vom Mythos umwitterten Gestalt empor, zum „großen Alemani“, der nach der dortigen Vorstellung nur einer der unzähligen „heldenhaften Alemani“ war.

Der Schreiber dieser Zeilen hat noch im Herbst 1960 in Schiras erlebt, wie bei der Nennung des Namens Waßmuß die Augen alter Perser begeistert aufleuchteten, die dabei stolz ausriefen:

„Ich habe ihn gekannt!“

(Aus Wolfram Mallebreins Bericht über den wagemutigen Konsul Wilhelm Waßmuß, der im Ersten Weltkrieg völlig auf sich allein gestellt die Völkerschaften Südpersiens gegen das britische Empire mobilisiert, für den fairen Feind, der englische General Sykes, den ehrenden Beinamen „der deutsche Lawrence“ prägt und dessen eiserne Beharrlichkeit sowie unermüdliche Tatkraft die Menschen des nachmaligen Iran mit Bewunderung erfüllt.)

Der idealistischen, aufrechten Persönlichkeit von Wilhelm Waßmuß und anderen damaligen selbstlosen deutschen Kulturpionieren ist es zuzuschreiben, daß das Wort Deutschland, dessen Klang durch keinerlei koloniale Ambitionen in diesem Raum jemals gestört wurde, noch heute im Iran und überall im Orient in hohem Ansehen steht.

Als Bundespräsident Lübke Anfang der 60er Jahre einen Staatsbesuch im Iran durchführte, war er sichtlich beeindruckt, als diese alte Deutschenfreundschaft spontan und herzlich in den Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters Natici von Teheran zum Ausdruck kam:

„Deutsch sein heißt für uns: Die Ehre des Kaufmanns, die Gewissenhaftigkeit des Werkmeisters, die Tüchtigkeit des Ingenieurs und die Ernsthaftigkeit des Forschers.“