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Warum Frauen nicht mehr kochen und Männer nicht mehr handwerkeln können

von Petra K.

Keine Angst, ich will hier nicht alle in einen Topf schmeißen und der allgemeinen Unfähigkeit bezichtigen. Es gibt sie schon noch, die haushaltlichen Handwerker und die Gerne-Köchinnen. Aber seien wir doch mal ehrlich, es hat schon den Anschein, daß dies eine „aussterbende Art“ ist, oder?

Schauen wir uns doch mal um, in der Familie, der Verwandschaft, im Bekanntenkreis, in der jüngeren Generation. Wer von den Männern beherrscht es denn noch, wie ein Gartentor repariert wird, ein Zaun gebaut und gesetzt wird, wie gemauert oder geputzt wird? Von der Fähigkeit, Handwerkszeug selbst herzustellen ganz zu schweigen. Vor allem aber, wie weit her ist es mit der Fähigkeit, anstehende Männerarbeit auch wirklich von selbst zu sehen und ohne Aufforderung los zu legen?

Oder welche junge Frau kann denn zum Beispiel zu Weihnachten noch aus dem Handgelenk heraus eine schmackhafte Gans braten? Man kann sie doch an einer Hand abzählen, oder?

Und vor allen Dingen: Macht sie es, wenn ja, nur aus Pflichtgefühl, weil auch sie Hunger hat, oder weil sie dem Mann oder der Schwiegermutter gefallen will? Macht sie es aus Überzeugung wirklich gerne? In den meisten Fällen wohl kaum…

Warum ist das so? Warum haben denn die jungen Frauen nicht mal ansatzweise Lust zum Kochen? Und da meine ich nicht, daß ich in den Gefrierschrank greife und ein Fertiggericht oder vorgegartes Gemüse heraushole, auftauen lasse, etwas erhitzen und ab auf den Teller.

Gegen das Tiefkühlgemüse ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Das ist sauber, in guter Qualität, schnell gemacht und preislich immer noch erschwinglich, absolut topp. Darum geht es mir auch nicht.

Ich hab nur schon oft auch über mich selbst nachgedacht und meine Selbsterkenntnis hat mich auf die Idee gebracht, das Thema hier auf diesem Blog mal zu beleuchten.

Ehrlich gesagt, koche ich erst seit wenigen Jahren so richtig gerne. Früher war das eine leidige Pflicht für mich.

Zu DDR-Zeiten mußte man ja kochen, da gab´s kaum Fertiggerichte. Ja, es gab Fischstäbchen & Co., keine Frage, aber die Qualität wurde mit den DDR-Jahren auch immer schlechter. Am Schluß hatte man doch nur noch Semmelgeschmack mit ein bisschen Fisch drum rum im Mund. Das mußte man doch auch nicht wirklich haben, oder? Zum Glück gab es aber die Betriebsküchen und die Schulküchen, wo noch richtig gut gekocht wurde.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, wie man so schön sagt. Genau dort ist die Wurzel der heutigen Offensichtlichkeiten, was das Kochen betrifft.

Die Frau ist die ganze Woche auf Arbeit gegangen und gut bekocht worden. Die Kinder hatten in der Schule ihr ordentliches Mittagessen. Das wurde noch direkt in der Schulküche oder der Betriebsküche geputzt, geschält, geschnippelt und zubereitet. Da gab es keine Großküchen, die tonnenweise Essen produziert und dann geliefert haben. Es ist doch kein Wunder, daß die heutige Jugend das Großküchenessen verschmäht.

Der Preisdruck dieser Firmen mit Ausrichtung auf das gewünschte betriebswirtschaftliche Ergebnis erlaubt doch gar kein richtig gutes und gesundes Essen mehr. Farbe, Gewürze und Geschmack, zu einem großen Teil nur noch künstlich hergestellt. Anders funktioniert das doch gar nicht mehr, anders können die Essen-produzierenden-Unternehmen doch gar nicht mehr überleben oder Gewinn erzielen.

Und was macht Mann heutzutage, nachdem die guten Betriebsküchen dicht gemacht haben? Er geht zum Fleischer um die Ecke, die längst das gewinnbringende Potenzial erkannt und schnellen Imbiss zu einigermaßen erträglichen Preisen anbieten. Und wer das nicht hat, kann evtl. zum Döner oder auch zum Bäcker gehen und schnell ein belegtes Brötchen reinspachteln. Alles kein Problem – solange man finanziell mithalten kann…

Betrachten wir es aber mal von Anfang an.

Ursache und Wirkung – wann hat es angefangen? Worin liegt die Ursache des heutigen „Dilemma´s“?

Ich begründe es mal so: Ich gehöre zu der ersten Generation, deren Mütter angefangen haben, im großen Stil berufstätig zu werden. Und ich verstehe es gut.

Für unsere Elterngeneration war es eine regelrechte Befreiung, auf Arbeit zu gehen. Raus aus dem Haus, mit all der Knechtschaft und der vielfältigen, oft auch harten Arbeit, die von den vorherigen Generationen mit all ihren Pflichten, ausging. Es war für meine Elterngeneration pure Freiheit! Endlich konnten sich die Frauen selbst verwirklichen und dem tagfüllenden häuslichen Moloch entfliehen. Man ging ein paar Stunden auf Arbeit, dann hatte man Freizeit und am Monatsende kam der Lohn, für den man in Urlaub fahren oder sich einen Handwerker leisten konnte, wenn mal was kaputt ging.

Kochen mußte man nur noch am Wochenende und der Mann konnte auch mal alle Viere grade sein lassen, denn wenn der Handwerker wieder ging, war´s geklärt. Man war ein paar Mark los aber dafür ging man schließlich arbeiten. Und so ist es bis heute geblieben. Nicht nur geblieben, es hat sich stetig weiter entwickelt.

Die Wende war ein nächster Schritt in die Freiheit. Schöne neue Welt mit einzigartigen Möglichkeiten. Supermärkte mit unvorstellbarem Angebot, Freizeitmöglichkeiten ohne Ende, Urlaub in der ganzen Welt. Selbstverwirklichung pur! Dagegen ist nichts einzuwenden.

Nur eines ist dabei auf der Strecke geblieben – die eigenen hausgemachten Fähigkeiten. Man braucht sie auch einfach nicht mehr in dem Maße, wie sie unsere Vorgänger-Generationen gebraucht haben um über die Runden zu kommen.

Und unter diesem Aspekt muß man sich nicht wundern, warum in alter Zeit ein Leben mit so wenig Geld überhaupt möglich war. Man hat fast alles, was irgendwie möglich war, selbst gemacht.

Auf dem Feld oder im Garten das angebaut, was zum Essen gebraucht wurde und mit dem Rest das Geld verdient, was man gebraucht hat für Dinge, die man selbst nicht schaffen konnte. Der Vater hat dem Sohne das handwerkliche Geschick mit gegeben, was er für sein späteres Leben gebraucht hat und die Mutter hat der Tochter das Kochen gelernt.

Hat sie es aber nicht mehr gelernt bekommen, was will diese Tochter denn ihren Kindern lernen??? Ist doch kein Wunder, daß diese Kinder schnell beziehbares Fastfood als einzige Ernährungsquelle ansehen und dessen künstlich hergestellter, auf Gewinnmaximierung ausgerichteter Geschmack, der einzig gekannte Geschmack ist, oder?

Weiter geht´s. In meiner Generation gibt es jetzt schon genügend Männer, die von ihren Vätern das handwerkliche Geschick nicht mehr gelernt bekommen haben, weil der Mann den gewerblichen Handwerker bezahlen konnte und sich selbst die Finger nicht mehr schmutzig machen mußte. Und machen wir uns nichts vor, die Frau ist doch auch froh, wenn der Mann mehr Zeit für die Familie hat oder im Haushalt mal etwas mit anpackt, sogar freudig den Kochlöffel schwingt. In älteren Generationen hätte ein Mann dafür niemals Zeit gehabt, weil er mit Männerarbeit beschäftigt war.

Alles hat seinen Preis!

Aber warum beschäftigt mich dieses Thema? Weil ich eine Richtung sehe mit einem Ziel, wo diese Rechnung einfach nicht mehr aufgeht und alles im Fiasko landen wird.

Sehen wir doch mal genau hin. Die Lohnentwicklung kennt aktuell nur eine Richtung – nach unten! In allen Branchen! Die Abgabenforderungen und sonstige finanzielle Ausgaben, die man nur schwer verhindern kann, zielen in die andere Richtung – nur nach oben!

Handwerkerrechnung sind schon jetzt kaum noch bezahlbar aber der Mann von heute kann mitunter nicht mal mehr einen Klodeckel festziehen. Und ob das nicht doch von den Herstellern genau so gewollt und die Produkte nicht extra so konzipiert wurden, damit wieder Neues gekauft wird, sei auch zu beleuchten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Und was kommt dabei raus? Jeder gegen Jeden, weil nichts mehr auf die Reihe gebracht werden kann und Jeder dem Anderen die Schuld dafür gibt und keiner mehr weiß, wie die Probleme und Geldnöte behoben werden können. Das ist die Richtung, in die es geht.

In meiner Betrachtung eine fatale Entwicklung. Und schlußendlich die Frage: Qui bono – wem nützt es? Gewollte Schaffung von Abhängigkeiten? Wenn keiner mehr etwas kann, kann sich auch keiner mehr aus diesen Abhängigkeiten zur Sicherung seiner Existenz befreien!

Können wir das Ruder noch herumreißen? Sagt Ihr es mir…

Also bis bald
Eure Petra K.