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US-Armee wird Weltkonzern: Washingtons Freunde sollen kräftig blechen

von Iwan Danilow

Donald Trump – der Geschäftsmann in Gestalt des US-Präsidenten – versucht offenbar, die Streitkräfte seines Landes aus einem Kostenloch in eine lukrative Einnahmequelle zu verwandeln. Die Partner der Vereinigten Staaten sollen dafür zahlen.

Die Idee wird den vielen US-Verbündeten auf der Welt sicherlich missfallen: Donald Trump soll vorgeschlagen haben, die Partnerländer der Vereinigten Staaten dafür zahlen zu lassen, dass US-Truppen auf ihrem Gebiet stationiert sind. Offiziell hat der amerikanische Präsident diesen Vorschlag noch nicht geäußert, aber Medien in den USA – das „Time“-Magazin und die Agentur Bloomberg etwa – berichten darüber.

In einigen Fällen könnten Länder, in denen US-Truppen stationiert sind, darum gebeten werden, „fünf oder sechs Mal mehr zu bezahlen als jetzt“, schreibt „Time“. Die Berechnung werde nach der Formel „Kosten plus 50 Prozent“ erfolgen.

Dazu muss man wissen, dass Länder wie Deutschland oder Japan gegenwärtig nur indirekt für die US-Truppen bezahlen, die auf ihrem Gebiet stationiert sind. Die Regierungen dieser Länder drücken den USA kein Bargeld in die Hand, sondern tragen quasi die Nebenkosten der Stationierung: Miete und Pacht zum Beispiel.

Die neue „Trump-Formel“ lässt für derlei Beiträge keinen Platz: Das Privileg einer amerikanischen Truppenpräsenz erfordert direkte Bezahlung, schreiben die US-Medien. Und ja: „Privileg“ – das ist das Wort, das sie allen Ernstes verwenden.

Um vorherzusehen, dass diese Art von Tribut in den betroffenen Ländern als Raubzug aufgefasst werden wird, muss man kein Hellseher sein. Aber den US-Präsidenten, der aus der Geschäftswelt in die Politik gewechselt ist, wird das wahrscheinlich nicht aufhalten.

Wobei: Washington hat ja auch Partnerländer, die von sich aus bereit sind, die US-Truppen großzügig zu entlohnen. Man kann nämlich annehmen, dass die polnische Regierung den amerikanischen Präsidenten zu solcherart Ideen inspiriert hat.

Es war schließlich Warschau, das in einem Anfall knechtischen Wahns erklärte, zwei Milliarden US-Dollar dafür zahlen zu wollen, wenn die USA einen Stützpunkt in Polen aufbauen.

Offenbar hat Trump – Geschäftsmann wie er ist – in diesem kostspieligen Einfall der polnischen Führung ein neues Geschäftsmodell erkannt. Vorher hatte er schon betont, dass die Nutznießer und gar die Opfer von US-Interventionen (solche wie Irak) die Präsenz amerikanischer Truppen in ihrem Land aus eigener Tasche bezahlen, wenn nötig auch mit Öl.

Doch Stützpunkte in Europa, Japan oder Südkorea zu Geld zu machen, das hat der US-Präsident bisher noch nicht versucht. Nur: Die Zeiten ändern sich. Die US-Führung hat offenbar begriffen, dass die Nato-Mitglieder in absehbarer Zeit keine zwei Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für die Allianz ausgeben werden. Also versucht man in Washington, kleinere Summen aus den Verbündeten herauszuquetschen.

Wie hoch die Summen sein werden, die die glücklichen Geberländer an ihren großen Verbündeten werden zahlen dürfen, ist ungewiss. Die Ausgaben der US-Armee sind größtenteils geheim; ihre Geschäftsverflechtungen mit den Ländern, in denen sie stationiert ist, sind intransparent. Aber man kann getrost davon ausgehen, dass es hier um Milliarden gehen wird.

Und dabei ist die „Trump-Formel“ noch nicht das Ende. Die soll ja nur errechnen, wie viel solche Länder wie Deutschland werden zahlen müssten. Das Pentagon sei jedoch damit beauftragt worden, so die US-Medien, eine weitere Formel aufzustellen:

„Anhand derer soll man ermitteln können, wie hoch der Rabatt sein wird, wenn ein Land seine Politik an die Politik der Vereinigten Staaten anpasst.“

Experten und Diplomaten schlagen schon Alarm: Derartige Vorschläge würden nur dazu führen, dass in den Ländern, wo US-Truppen eh schon anwesend sind, der gesellschaftliche Unmut darüber noch weiter zunehmen wird.

Allein der Umstand, dass weitere Zahlungen erwogen werden, erwecke den fälschlichen Eindruck, als ob die US-Stützpunkte „zum Wohle dieser Länder existieren“, sagte Douglas Lute, Washingtons ehemaliger Nato-Botschafter, dem „Time“-Magazin.

„Die Wahrheit ist, dass diese Stützpunkte dort sind, weil es in unserem Interesse ist.“