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Pakistan: Polizisten fliehen vor Hunderten wütender Bürger nach Sexualmord an Siebenjähriger

Die pakistanische Stadt Kasur befindet sich seit dem Sexualmord an der siebenjährigen Zainab im Ausnahmezustand. Die schockierende Tat ließ die Wut vieler Einwohner überkochen. Protestler ziehen auf die Straßen, versuchen Polizeistationen zu erstürmen und jagen Polizisten. Zwei Demonstranten kamen bereits ums Leben.

Die siebenjährige Zainab wurde auf dem Weg zum Religionsunterricht entführt, mehrfach vergewaltigt, erwürgt und auf einer Müllkippe entsorgt. Vier Tage nach ihrem Verschwinden wird ihre Leiche gefunden. Proteste brechen aus. Wütende Bürger werfen der Polizei Untätigkeit vor angesichts der jüngsten sexuellen Übergriffe und Morde. Zainabs Familie behauptet, dass die Polizei nichts unternommen habe, als sie ihre Tochter vermisst gemeldet hatte.

Gestern kam es erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt. Videoaufnahmen zeigen, wie Polizeibeamte vor Hunderten von Demonstranten fliehen, die ihnen Steine werfend und mit Stöcken bewaffnet folgen. Demonstranten sollen Berichten zufolge auch Gebäude der Kommunalverwaltung gestürmt haben. Außerdem hätten sie rund ein Dutzend Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Zainabs Vater dementierte im Interview mit arynews Berichte, dass ihr Mörder ein Bekannter der Familie gewesen sei. Diesen Verdacht hatten Nutzer im Netz geäußert, nachdem sie die letzten Aufnahmen Zainabs mittels einer Überwachungskamera gesehen hatten, die zeigen, wie das Mädchen mit einem Mann mitgeht. Das Mädchen scheint freiwillig mit dem Mann mitzugehen, weshalb einige Nutzer mutmaßten, dass Zainab ihn gekannt haben musste. Ihr Vater erklärte, dass er den Mann auf den Aufnahmen nicht kenne. Er rief die Protestler dazu auf, friedlich zu bleiben.

Doch die Situation scheint längst außer Kontrolle geraten zu sein. Weitere Fälle dieser Art heizen die Wut mehr und mehr an. Es verbreiten sich unbestätigte Meldungen, dass ein fünfjähriges Mädchen einer versuchten Vergewaltigung entkam, weil es um Hilfe rief. Wütende Bürger sollen ihren Peiniger ergriffen und festgehalten haben, bis die Polizei ihn festnahm. Auch soll eine weitere Mädchenleiche auf einem Feld gefunden worden sein. Die Rede ist von einem 16-jährigen Opfer.

Auch pakistanische Promis melden sich zu Wort. Schauspielerin Mahira Khan fragte auf Twitter, wie viele Zainabs es noch brauche, bis etwas passiere:

„Gerechtigkeit sollte Zainab zuteil werden. Vielleicht sind wir wegen des Todes dieses Kindes auf die Straße gegangen, weil wir alle ihre Leiche auf Bildern [im Netz] sahen? Was aber ist mit den Kindern und Frauen, die in all den vielen Jahren getötet wurden, für die wir nicht auf die Straße gegangen sind, weil wir ihre Bilder nicht kannten? Wer wird ihnen Gerechtigkeit verschaffen? Gerechtigkeit ist das Grundrecht eines Bürgers. Die Regierung sollte allen Kindern wie Zainab Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sie hat es versäumt, das Übel des Kindesmissbrauchs im Keim zu ersticken“, sagte sie im Interview.

Wie es in mehreren Medienberichten heißt, wurden allein im letzten Jahr in Kasur rund ein Dutzend junger Mädchen vergewaltigt und ermordet. Bereits im Jahr 2015 geriet die Stadt international in die Schlagzeilen, nachdem Hunderte Videos mit pädophilen Inhalten aufgetaucht waren. Verantwortlich für die Aufnahmen soll ein Kinderpornoring aus etwa 25 Männern sein. Diese hätten angeblich seit 2007 rund 280 Kinder missbraucht und die Taten auf Video festgehalten. Angeblich waren die Videos für den Verkauf nach Europa gedacht.