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Ohne Zuhause: Wohnungslos in Berlin

Die „ZDF.reportage“ trifft Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, zeigt ihren Alltag und ihren meist aussichtslosen Kampf zurück in die eigenen vier Wände. Denn in Berlin fehlen Wohnungen. Und der Mangel treibt die Mieten höher.

Jahrzehntelang wurde es politisch versäumt, gegenzusteuern. Nun hat die Wohnungsmisere die untere Mittelschicht erreicht. Familie Rüscher konnte die Nebenkostenabrechnung nicht begleichen. Dann kam die Kündigung. Aufgefangen wurden die alleinerziehende Mutter und ihre zwei Kinder in einer Notunterkunft für Familien. Ihr Leben, ihre Dinge stehen nun verpackt in Kisten in einem Keller. Es tut weh, keinen Ort zu haben, sagt Frau Rüscher. Ob sie jemals wieder eine bezahlbare Wohnung in Berlin findet, richtig glaubt sie nicht daran.

So landen immer mehr Wohnungslose am Ende auf der Straße, werden obdachlos. In Berlin, so Schätzungen, sollen es rund 5000 sein. Etwa 30 Prozent davon Frauen und Kinder – das ist neu.
Anja kommt mal da und mal dort unter, in die Notunterkünfte will sie nicht. Eigentlich hat sie einmal studiert, ist gebildet – bis sie in eine Lebenskrise geriet. Nun dreht sich ihr Leben um das Überleben ohne Wohnung. In Berlin, so sagt sie, gibt es dafür eine gute Infrastruktur, Suppenküchen, Kleiderkammern. Eine bezahlbare Wohnung, diesen Traum hat auch sie aufgegeben.

Zunehmend auffällig in den Straßen Berlins sind obdachlose EU-Bürger wie Karoly. Er stammt aus Rumänien und hat in Berlin Billigjobs. Für eine Wohnung reicht das nicht. Er kampiert mit anderen Rumänen in einem Zeltlager. Immer wieder wird es geräumt, was rechtlich grenzwertig ist. Denn eigentlich wären die Bezirke verpflichtet, alle Bürger, die wohnungslos sind, unterzubringen, auch EU-Bürger. Doch wohin, wenn es den Wohnraum nicht gibt?

Das Versagen der Wohnungspolitik bekommt in Berlin ein immer schärferes Gesicht. Die Hauptstadt ist wie ein Brennglas, sie könnte aber auch zum Motor der Lösung der Wohnungsmisere werden. Denn Politik kann und will hier nicht mehr wegsehen.