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Mythos „Sinkende Einwohnerzahl = sinkende Wirtschaftsleistung“ Wohlstand bewahren geht auch ohne Zuwanderung

Von DR. VIKTOR HEESE

Dieses Volksmärchen gibt es in vielen Varianten. Die Zuwanderung sei „alternativlos“, weil wir Deutsche aussterben, älter werden, Fachkräfte brauchen und unsere Rentenbeiträge unbezahlbar werden – feuern die Politik und der Mainstream aus allen Rohren.

Das gerade verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz und der Migrationspakt werden bejubelt. Die reale Wirklichkeit anderer Länder zeigt, Wohlstandsmehrung und -bewahrung sind auch bei einer zurückgehenden (stagnierenden) Bevölkerungszahl möglich.

Die Begründung für den angeblichen Wohlstandverlust durch Bevölkerungsschwund ist gar nicht so unrealistisch. Der Schwund soll kettenartig Konjunkturdelle, Konsumeinbruch, Produktionsstillstand, Entlassungen, Angstsparen und vieles Böses mehr verursachen. Um den Verfall zu stoppen, muss der Staat intervenieren, obwohl er konjunkturbedingt jetzt immer weniger Steuern für öffentliche Investitionen (Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Kultur) hat. Ein wahrer Teufelskreis. Am Ende stehen die besagten massiven Wohlstandsverluste. Diesen Mythos predigen „Migrationspäpste“, eine Schar von Ökonomen die mit öffentlichen Geldern subventioniert werden (Beispiele in „Was kosten Deutschland die Migranten“).

Die Realität widerspricht diesem „Crashszenario“. Der globale Fortschritt bremst den „Fall“. Die Wirtschaft passt sich an den Schwund an. Durch Kapazitätsabbau, Investitionsverlagerung, neue Märkte, Branchen und Produkte. Arbeitnehmer schulen sich um, wechseln Arbeitgeber, machen sich selbständig, wandern in Zukunftsbranchen ab – so geht das. Auch Konsumenten stellen ihre Gewohnheiten um. So werden auch große Wirtschaftskrisen gemeistert. Der Anpassungsprozess ist hart, dauert sehr lange, verläuft nicht ohne Wunden (Insolvenzen und Arbeitslosigkeit), klappt aber meistens.

Wäre das Bevölkerungswachstum wirklich ein Segen, müssten Länder mit dem höchsten Wachstum im Überfluss schwimmen – Afrika belegt das Gegenteil. Oder umgekehrt: Wäre Migration nötig, müssten Länder mit Bevölkerungsrückgang (Japan, Osteuropa, Baltikum) am Hungertuch nagen.

Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum – was sehen wir in der realen Welt?

Damit es wirtschaftlich vorangeht, muss nach Adam Riese die Wirtschaftskraft, das Bruttoinlandprodukt (BIP), schneller wachsen als die Bevölkerung. Statistiken belegen, dass ein Bevölkerungsrückgang und ein BIP-Wachstum pro Kopf durchaus vereinbar sind. Die Bevölkerung Ungarns stagniert seit Jahrzehnten bei zehn Millionen. Das BIP hat sich aber im Lande seit 1993 fast verdreifacht. In dem mit Migranten gefluteten Frankreich stieg es dagegen nur um 70 Prozent, obwohl die Einwohnerzahl in dieser Zeit migrationsbedingt um neun auf 67 Millionen zunahm. Auch Deutschland ist bis jetzt mit seiner bei 81 bis 82 Millionen Einwohner stagnierenden Bevölkerung gut gefahren, unser BIP stieg um 95 Prozent. Die USA sind das einzige Land in der 4er-Gruppe (Graphik), die auch nach der Krise von 2009 noch merklich wachsen.

Das Beispiel Ungarns und Deutschland zeigt demnach, dass ein Land auch bei einer stagnierenden Bevölkerung pro Kopf wachsen kann. Bevölkerungswachstum ist kein „Naturgesetz“. Das Beispiel Japans würde sogar zeigen, dass Wachstum auch bei schrumpfender Bevölkerung möglich ist.

Daraus folgt: Wenn die Migrantenzahl mit 1,5 Millionen die Bevölkerung Deutschlands seit 2015 um etwa zwei Prozent wachsen ließ, so müssen diese zwei Prozent erst über das BIP „erarbeitet“ werden. Sonst bleibt nichts „übrig“. Mit anderen Worten: Wir werden bei diesem schwachen Wachstum stagnieren – die Konjunktur bricht ja gerade ein! -, weil die Migranten alimentiert werden müssen (grob geschätzt).

Wer als interessierter Leser mit anderen Graphiken „spielen“ mag, kann weiter volkswirtschaftliche Zahlen mit diesem Google-Tool im Internet abrufen.

Wohlstand ist mehr als nur BIP und Wirtschaft – wie definieren ihn Ökonomen?

BIP ist nicht Wohlstand allein. Damit der Leser mit Statistiken nicht verwirrt wird, weist ihn der Autor auf den sogenannten HDI-Index (Human Developement Index) der UNO hin, der neben dem BIP noch die Lebenserwartung und die Dauer der Ausbildung berücksichtigt. Beim HDI-Indikator stand unser Land mit Platz fünf weltweit viel besser da als beim BIP (Platz 19). Leider weist dieser nicht die Sicherheit aus, bei dem die Bundesrepublik eklatant zurückgefallen ist. Sicherheit, Renten und Armutsindikatoren gehören ebenso zum Wohlstandsverständnis.

Wer bezahlt kurzfristig unsere Rentenbeiträge?

Langfristig könnte die Umstellung klappen. Langfristig. Die Frage nach der kurzfristigen Füllung der Rentenkassen ist ebenfalls einfach zu beantworten: Der Staat soll die Steuer-Milliarden statt für die Migranten in die Rentenkasse einzahlen. Damit könnten 15 bis 20 Prozent mehr gezahlt werden. Alles geht, wenn man will, Grundgesetzänderungen inklusive. Auch der „Generationenvertrag“ ist nur ein Mythos.

Fazit: Die „Alternativlosigkeit“ der Zuwanderung ist ein Märchen, um die Bevölkerungsüberschüsse Afrikas – derer man sich in Europa nicht zu erwehren weiß – in den Leistungsländern unterzubringen. Statt dort die hemmungslose Geburtenlawine mit Finanzsanktionen zu bremsen, verteilt die EU lieber Kondome. Solange keine gesteuerte Migration bei uns möglich ist, dürfen die Deutschen ruhig „schrumpfen“, Wohlstandverluste werden hierdurch nicht entstehen. Populistische Osteuropäer haben es vorgemacht. Es geht nicht darum, dass wir mehr werden, sondern wohlhabend bleiben und würdig leben – auch im Alter.


(Der Autor Dr. Viktor Heese kommt aus Masuren, lebt aber seit über 40 Jahren in Köln und betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu)