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Modetrend Reichsbürger: 300 Seiten gegen die Gefahr

von PPQ

Akute Gefahr Reichsbürger! In Brandenburg reagiert das Innenministerium auf die wachsende Reichsbürger-Szene mit einem neuen Buch, indem sich Behörden über die Umtreibe der Kaisertreuen informieren können.

Das ist auch dringend nötig, denn die Mitgliederzahlen der Bewegung in der Mark explodieren förmlich, seit immer mehr und immer öfter über den perversen Modetrend berichtet wird. Wurden im vergangenen Jahr noch 440 sogenannte Reichsbürger in der Mark gezählt, so sind es derzeit 600. Ein Zuwachs von 36 Prozent in nur einem Jahr – hält dieser Trend, gäbe es in zehn Jahren schon 13.000, in 20 Jahren 300.000 und in 50 Jahren 2,8 Milliarden Reichsbürger allein in Brandenburg.

Frank Nürnberger, der Chef des brandenburgischen Verfassungsschutzes, kennt die Bedrohung und mit der überarbeiteten der 3. Auflage des Handbuchs „Reichsbürger“ tut er ganz konkret etwas dagegen.

Der 300-Seiten-Ratgeber zeigt Verwaltungen, wie sie mit den Extremisten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung und damit die Bundesrepublik und ihre Behörden widerrechtlich ablehnen, umzugehen haben:

Nicht provozieren lassen, klare Kante zeigen, standhaft bleiben, kein Wort glauben.

Wie notwendig das ist, zeigt die Zahl der Straftaten, die Mitglieder der Szene begingen. 2017 zählte die Polizei in Brandenburg insgesamt 70 Delikte, in diesem Jahr bereits 17.

Darunter sei alles: von der Widerstandshandlung, über die Bedrohung bis hin zur Körperverletzung, sagte Olaf Berlin vom Landeskriminalamt, der hofft, den Reichsbürgeranteil an der brandenburgischen Gesamtkriminalität von 175.000 Straftaten  von derzeit 0,04 Prozent mit Hilfe des überarbeiteten Ratgebers senken zu können.

Gelinge das nicht, helfe nur noch eine biologische Lösung. Reichsbürger seien heute in der Regel 40 bis 50 Jahre alt und hätten meist eine zerstörte Familienbiografie, sagte Dirk Wilking vom Brandenburgischen Institut für Gemeinwesenberatung und der Herausgeber des Handbuchs. Angesichts der normalen Alterung und der Nachwuchssorgen, die auch die Reichsbürgerbewegung durch die zunehmende Entleerung der Weiten Brandenburgs hat, könne in 30 bis 40 Jahren mit einer natürlichen Lösung des Problems gerechnet werden.

Da es bei den Reichsbürger „viele Bankrotteure und gescheiterte Existenzen“ gebe, sei auch nicht mit einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung der Verdächtigen zu rechnen.