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Missbrauch durch Gutmenschen: Künstliche Sonderwelten für Flüchtlinge

von Michael Klein

Als wir vor mehr als 15 Jahren nach Großbritannien ausgewandert sind, hat außer dem Makler mit den Schlüssel zu dem Cottage, das wir zunächst gemietet hatten, niemand auf uns gewartet. Das Cottage war leer, hatte kein Telefon, es gab keinen Fernseher, kein Radio, im Badezimmer war außer Wanne, Dusche und Waschbecken nichts zu finden.

In den nächsten Tagen und Wochen haben wir die notwendigen Schritte unternommen, um in der britischen Gesellschaft Fuß zu fassen: Bei Nachbarn klingeln, sagen, man ist nun da, Telefonanschluss organisieren, einen Provider für das Internet finden, Sky-Vertrag abschließen, ein Bankkonto eröffnen, einen Termin vereinbaren, um eine Social Security Number zu erhalten.

In Soziologisch: Wir haben Schritte unternommen, um uns an die britische Gesellschaft zu akkulturieren. Akkulturation besteht zunächst darin, die vor Ort zum sozialen Überleben notwendigen kulturellen Techniken zu lernen. Akkulturation gilt als Voraussetzung für Integration.

Integration fängt dann damit an, beim Weihnachtssingen auf dem Marktplatz so zu tun, als kennte man bereits die Texte der britischen Weihnachtslieder, man lernt britische Gebräuche und Traditionen, staunt in Supermärkten über das Warenangebot und fällt nach einiger Zeit auch nicht mehr mit der deutschen Kreditkarte auf, weil sie durch die Debitcard der eigenen, nun britischen Bank ersetzt wurde.

Mit der Zeit wächst man in seine Umgebung, gehört dazu (the Germans, who live in the Cottage at the Cemetery), tauscht mit Paul vom Postoffice, die neuesten Informationen aus, engagiert sich in der lokalen Environmental Group, wird Mitglied im National Trust und natürlich in der Royal Society for the Protection of Birds und so weiter.

Der ganze Prozess der Integration, setzt den Willen, sich integrieren zu wollen, voraus, und er basiert weitgehend auf Eigeninitiative, dass Einladungen folgen, wenn man den Anfang gemacht hat, ist der normale Gang der Reziprozität, aber als der, der neu gekommen ist, ist man derjenige, der den ersten Schritt machen muss.

Wie anders sind doch die Verhältnisse, auf die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, weil sie angeblich und unbedingt nach Deutschland wollten, in Deutschland vorfinden. Sie werden in künstlich geschaffenen Sonderwelten gehalten.

Zwischen ihnen und der Integration oder auch nur Akkulturation an die deutsche Gesellschaft steht immer ein Gutmensch, ein Psychologe, ein Sozialarbeiter, ein Integrationsbeauftragter, ein Migrationsbeauftragter, ein Ehrenamtskoordinator.

In Deutschland werden Flüchtlinge aktiv daran gehindert, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Selbst wenn sie es wollten, es geht nicht: Sie sind Objekt der Sorge, Objekt des Einkommens, Quelle der selbst-askriptiven Gutheit für ganze Rudel von Gutmenschen, denen es nicht darum geht, Flüchtlinge so schnell wie möglich in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren, sondern darum, sie so lange wie möglich in einer Kunstwelt und von der Mehrheitsgesellschaft getrennt zu halten. Zugang zur Mehrheitsgesellschaft gibt es nur nach Vereinbarung mit und nach Maßgabe dieser/n Gutmenschen.

Ein Musterbeispiel des Missbrauchs stammt aus Berlin.

Die Berliner Morgenpost berichtet darüber.

In einer eigens in Steglitz, Lankwitzer Loenorenstraße geschaffenen, künstlichen Wohnwelt sollen 440 Flüchtlinge, „zwei Drittel Familien“ und ein Drittel „alleinstehende Menschen“ in „216 Wohneinheiten“ in Ein-, Zwei- und Vierbett-Zimmern gehalten werden. 16 Personen teilen sich Bäder und Küche auf einer Etage, in 24 Apartments für jeweils 4 Personen gibt es eigenständige Kochgelegenheiten.

Die Wohnanstalt wird von 16 Mitarbeitern betreut, „darunter Sozialarbeiter, Hauswirtschafts-Mitarbeiter und der Hausmeister” (einer muss ja die Arbeit machen). Es gibt eine Ehrenamtskoordinatorin mit eigenem Büro und einen Psychologen, die sich um die 440 Flüchtlinge, die man hier zusammenpferchen und zu hilflosen „Schutzbedürftigen“ erklären will, kümmern sollen.

Damit die Flüchtlinge auch wirklich nicht auf die Idee kommen, Eigeninitiative zu entwickeln, ist

„für alles gesorgt: Geschirr, Handtücher, Besen, Eimer sind schon in Regale und Schränke eingeräumt“

und damit den Flüchtlingen nicht langweilig wird, plant „Ehrenamtskoordinatorin Iris Plas“, die, weil Koordinatorin nicht ehrenamtlich arbeitet, schon einmal

“Nähkurse, Deutschkurse und gemeinsames Kochen“.

Was sonst könnte der geflüchtete Menschen wollen können?

Kaum eine Gutmenschen-Phantasie, kaum ein Missbrauch am menschlichen Objekt, den man in der Lankwitzer Leonorenstraße nicht findet. Gutmenschen planen, was Flüchtlinge wann, wie und wo tun sollen, sie trennen sie mutwillig von der Mehrheitsgesellschaft, diskriminieren sie als Insassen einer Flüchtlingswohnmaßnahme, damit auch keinerlei Zweifel an ihrer Andersartigkeit, die natürlich als „Hilfsbedürftigkeit“ interpretiert wird, aufkommen. Sie machen sich zum Gatekeeper.

Nichts, was in der Lankwitzer Leonorenstraße geschieht, geschieht ohne sie. Sie planen die Freizeit, organisieren das Ehrenamt, betreuen, kümmern sich, sorgen und natürlich wollen sie „Kontakt zum Umfeld“ aufnehmen:

„Die Geflüchteten sollen nicht abgeschieden hinter den Bäumen leben. Wichtig sei, Kontakte zum Umfeld aufzunehmen und eine Kommunikation mit den Anwohnern zu ermöglichen“.

Selbst der zwischenmenschliche Austausch findet in Berlin nur unter kontrollierten Bedingungen statt – ob das menschenwürdig ist? In jedem Fall ist es sachdienlich, denn 16 gute Menschen, minus ein Hausmeister, der die Arbeit macht, haben sich in der Lankwitzer Leonorenstraße ein Auskommen geschaffen.

Sie betreuen, was das Zeug hält und verhindern sowohl Akkulturation als auch Integration nach Leibeskräften. Sie signalisieren den Flüchtlingen, dass sie die Fähigkeiten, die notwendig sind, um mit dem „Umfeld“ in „Kommunikation“ zu treten, erst lernen müssen, und sie signalisieren dem „Umfeld“, dass Flüchtlinge ohne soziale Betreuung nicht kontaktfähig sind.

Das nennt man auch Rassismus, der sich unter anderem in Ghettoisierung niederschlägt.

Es ist ein einträglicher Rassismus, der zudem in linken Kreisen hoch angesehen ist, denn es gelingt denen, die andere daran hindern, ein eigenständiges Leben zu leben und Kraft eigener Leistung zu akzeptierten Mitgliedern der Gesellschaft zu werden, sich als gute Menschen zu inszenieren, die sich um andere Kümmern.

Kümmern gelungen, Mensch sozial tot.

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