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Kurdische Frau: „Deutscher ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat“

von Max Erdinger

Muhterem Aras, 1966 im ostanatolischen Dorf Elmaağaç geboren und 1978 mit den Eltern, alevitischen Kurden, nach Deutschland gekommen, ist heute grüne Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg. Im Rahmen der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ hat sie dem swr ein Interview gegeben. Es ging um das Thema Alltagsrassismus.

In Deutschland wird nach Frau Aras´Ansicht noch unterschieden zwischen Deutschen erster und zweiter Klasse. Das hält sie mit den Werten des Grundgesetzes nicht für vereinbar. Denn das Grundgesetz sagt:

„Deutscher ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat.“

Da hat Frau Aras natürlich recht. Wer darauf angewiesen ist, per Staatsbürgerschaftsrecht Deutscher zu sein, der ist Deutscher, wenn er die Staatsbürgerschaft hat. Alle anderen wären auch dann Deutsche, wenn ihnen niemand attestieren würde, daß sie welche sind.

Wer hier geboren und aufgewachsen ist und einen der deutschen Dialekte spricht, womöglich seine Ahnenreihe bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen kann, der braucht niemanden, der ihm bescheinigt, daß er Deutscher ist.

Deswegen spricht man auch von Paßdeutschen und von Biodeutschen. Das ist wie bei der Farbe grün. Es gibt dunkelgrün und es gibt hellgrün.

Die Phrase „Deutscher ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat“ hilft uns zum Erkenntnisgewinn nicht weiter. Weil man immer fragen kann:

„Was für ein Deutscher ist der, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat?“

Es ist also klar, daß Unterschiede nicht dadurch verschwinden, daß man sie nicht mehr benennt. Es gibt eben solche und solche Deutsche. Von erster und zweiter Klasse würde ich da gar nicht reden, sondern nur von Verschiedenheit.

Realiter braucht sich kein Deutscher, der auch ohne Paß Deutscher wäre, von jemandem, der lediglich wegen des Passes Deutscher geworden ist, erklären zu lassen, was ein Deutscher ist. Weil er das von ganz alleine weiß. Der Mensch besteht nicht nur aus seiner Staatsbürgerschaft.

Wenn also Frau Mutherem Aras als grüne Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg meint, sie müsse den Biodeutschen erklären, wer Deutscher ist, dann hat sie etwas Wichtiges nicht begriffen.

Die Begriffe „Biodeutscher“ und „Paßdeutscher“ gibt es nicht ohne Grund. Gäbe es den Unterschied nicht, dann gäbe es nämlich auch die Begriffe nicht, die ihn bezeichnen.

Das ist ausdrücklich keine Auf- oder Abwertung, sondern eine simple Feststellung. Die richtige Äußerung „Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit hat“, ist unvollständig, weil lediglich auf den rechtlichen Aspekt heruntergebrochen. Vollständig müsste sie so lauten: Deutscher ist, wer entweder die deutsche Staatsangehörigkeit hat, oder aber Deutscher ist und die Staatsbürgerschaft außerdem noch hat.

Nichts zu danken. (ME)

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