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Kriegsrüstung, Besatzungskosten und ein Hochkommissar

von Herbert Ludwig

Die USA gaben 2017 mit 610 Milliarden Dollar mehr Geld fürs Militär aus als die in der Rangliste folgenden sieben Länder zwei bis acht zusammen. Gegenüber den Ausgaben Chinas von 228 Milliarden betrugen die der USA das 2,7-fache, gegenüber denen Russlands von 66.3 Milliarden das 9,2-fache, wobei Russland 2017 die Militärausgaben um 20 % gesenkt hatte.1  

Angesichts dieser offensichtlich massiven Bedrohungen beschlossen daher die USA bereits im September 2018, so früh wie noch nie in den vergangenen 40 Jahren, mit überwältigender Unterstützung beider Parteien ihren Kriegshaushalt für 2019 auf 716 Milliarden Dollar zu erhöhen.2

Die USA haben, wie wir sehen, allen Grund, „vor dem russischen Bären und dem chinesischen Drachen Angst zu haben“, wie Dirk Pohlmann in einem Video-Kommentar spöttisch bemerkt. Man führe sich außerdem vor Augen, dass die USA 761 Militärbasen im Ausland besitzen und insgesamt Zugriff auf 1.000 haben, während Russland 25 hat, von denen man 22, die in ehemaligen Sowjetrepubliken liegen, noch abziehen kann, so dass es praktisch nur 3 sind, nämlich zwei Stützpunkte in Syrien und einer in Vietnam. (Wikipedia)

„Nach Angaben des US Verteidigungsministers Robert Gates war die US Marine, wenn man die Tonnage berechnet, 2009 stärker als die 13 folgenden Marinen zusammengenommen, wovon 11 NATO Marinestreitkräfte sind. Geht man nur nach der Anzahl der Schiffe, was einigermaßen idiotisch ist und außer acht lässt, dass die USA 11 Flugzeugträger haben, die Russen nur einen und zudem eine überalterte Flotte, haben die Russen und Amerikaner je nach Zählweise in etwa gleich viele Schiffe, die Russen 278 oder 323, die USA 289 oder 490 Schiffe. Der bis heute bedeutendste US- Marinestratege Alfred Thayer Mahan (1840 bis 1914) schlug vor, die Seemacht einer Nation nach der Formel Anzahl der Schiffe mal Anzahl der Stützpunkte zu berechnen. Nimmt man spaßeshalber an, dass die US Stützpunkte auch alle von der US Navy genutzt werden, läge bei realistischer Berechnung für Russland der Betrag bei 278×3=834 und der US-amerikanische bei 289×761=219.929, also dem 264 fachen.

Noch eine Zahl aus Absurdistan:

Die US Special Forces sind derzeit in 149 Ländern der Welt im Einsatz, das sind ¾ der weltweit existierenden Länder.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wer so viel Geld für totale strategische Überlegenheit ausgibt, will sein Militär auch nutzen und muss es nutzen: für Kriege.3

Die Nato, der zweite imperialistische Arm der USA, hatte bereits im Jahr 2014, nach der vom Westen selbst inszenierten Ukraine-Krise4, beschlossen, die Militärausgaben ihrer Mitgliedstaaten in den nächsten zehn Jahren auf etwa zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Aber nur vier der 29 Länder der Allianz haben dieses Ziel bereits erreicht und nur 15 Länder dürften es erreichen, wie The Telegraph am 27.1.2019 meldete.5 Sehr zum Ärger der USA, die den Löwenanteil des Nato-Budgets  bestreiten, das 2018 bei 936 Milliarden USD lag. Auf die fortgesetzte massive Kritik Präsident Trumps sagte Nato-Generalsekretär Stoltenberg, die Mitgliedstaaten hätten zugestimmt, in den nächsten zwei Jahren die Verteidigungshaushalte um weitere 100 Milliarden Dollar aufzustocken.6

Donald Trump hatte auf dem Nato-Gipfel im Sommer 2018 die anderen Nato-Mitglieder aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben sofort auf zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes zu erhöhen. Ab 2025 forderte er sogar Militärausgaben in Höhe von vier Prozent! Deutschland, das  mit ca. 51 Milliarden Dollar für den Militärhaushalt lediglich 1,24 % des BIP erfüllt, will die Quote bis 2024 lediglich auf 1,5 Prozent erhöhen.

Dies hält der US-Präsident für völlig unzureichend. Trump beklagt eine unfaire Lastenteilung und attackiert seit Monaten vor allem Deutschland“,

hob das ZDF deutlich hervor.

Besatzungskosten

Deutschland ist neben Ländern wie Japan und Südkorea auch wegen der Stationierungskosten der US-Truppen in Trumps Visier. Schließlich schützen die USA damit ihre Freunde vor den aggressiven Feinden im Osten. Wie Bloomberg jüngst meldete, wolle Trump auch über diese Schiene Druck ausüben, um die Anstrengungen der „Nato-Partner“ auf Erhöhung ihrer Militärausgaben zu beschleunigen. Unter der Leitung des Weißen Hauses verfolge die Regierung einen Plan, dass Deutschland, Japan und schließlich jedes andere Land, in dem US-Truppen stationiert sind, die vollen dafür entstehenden Kosten zahlen müssen – plus 50 Prozent oder mehr für das Privileg, sie überhaupt zu stationieren!8

Trump gehe es zunehmend gegen den Strich, dass sich Länder von den USA beschützen lassen,

die es sich eindeutig leisten können und es nicht tun, weil sie denken, dass wir einfach einsteigen und es für sie tun werden“,

bekräftigte Trumps Botschafter bei der Europäischen Union, Gordon Sondland in einem Interview.

„Reiche, wohlhabende Länder, die wir schützen, sind alle unter Beobachtung“, sagte Trump in einer Rede im Pentagon am 17. Januar. „Wir können nicht die Narren für andere sein.“ 9

Allerdings heißt es, dass auch Rabatt gewährt werden könne, wohl wenn sich ein Freund besonders kooperativ verhält. Ein Land also, das sich, wie Dirk Pohlmann formuliert,

so hauteng an die Machtpolitik der USA anpasst, dass man von einer Position im Enddarm sprechen kann, bekommt einen ordentlichen Rabatt.Mit anderen Worten: Deutschland – von dem nur wahlweise rechtspopulistische oder linksradikale, antiamerikanische und antisemitische Verschwörungstheoretiker behaupten, dass es immer noch besetzt sei –  hat eine Chance, seine zukünftigen Ausgaben für die Anwesenheit der amerikanischen Freunde auf ungefähr 4 Milliarden pro Jahr zu senken, gegenüber 6 Milliarden ohne Pudelrabatt. Ein echtes Freundschaftsangebot also.“ 10

Was die Deutschen zur Zeit an Stationierungskosten zahlen, liegt ziemlich im Dunkeln. Von den deutschen Vasallen gibt es keine verlässlichen Informationen. Nach Wikipedia sollen es (2015) 40,9 Millionen Euro sein, wo allerdings auch von einer amerikanischen Studie die Rede ist, die den Beitrag Deutschlands zur Stationierung amerikanischer Truppen für 2009 auf 597,9 Mio. Euro bezifferte.11 Dirk Pohlmann beruft sich auf die Rand Corporation, die der CIA sehr nahe stehe, nach der Deutschland zur Zeit jährlich etwa 831 Millionen US Dollar Schutzgeld an die USA entrichte, was etwa 28 % der gesamten Stationierungskosten entspreche.12  Wikipedia zitiert indessen auch den US- Botschafter Holbrooke, der 2004 von 1 Milliarde sprach, die Deutschland jährlich für den Unterhalt der US-Truppen zahle. Also nach oben ist noch viel Luft.

Und Dirk Pohlmann spottet:

„Auf keinen Fall aber handelt es sich bei den avisierten Preissteigerungen um Besatzungskosten. Ist das klar? Deutschland ist souverän, die Amerikaner sind da, weil es unser aller Herzenswunsch ist, die deutschen NATO Truppen in Afghanistan und Mali und wer-weiß-schon-wo-überall sind aktiv, weil es die Bevölkerung so will. Die NATO existiert zu unser aller Schutz, und nicht etwa, um „die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten“, wie es der erste NATO Generalsekretär Lord Lionel Ismay 1957 formulierte.13 Das war nur schwarzer britischer Humor.“ 14

Kritik an Trump

Natürlich schlägt Trump in den USA Kritik entgegen, aber weniger in der Sache, als in der Methode. So unverhohlen die unterworfenen Staaten spüren zu lassen, dass sie noch immer unterworfen sind, halten die Hintergrundkreise nicht für günstig. Sie offiziell nicht als Verbündete zu behandeln, die umworben werden wollen, schaffe unnötigen Ärger, Frustrationen und Widerstand. So schreibt Bloomberg:

Doch schon in diesem frühen Stadium hat es Schockwellen durch das Verteidigungs- und das Außenministerium geschickt, wo Beamte befürchten, dass es eine besonders große Beleidigung für die standhaften US-Verbündeten in Asien und Europa sein wird, die bereits die Echtheit von Trumps Engagement für sie in Frage stellen.“ 15

Eine weitere Sorge sei, dass die USA in einigen Ländern die laufenden Debatten darüber, ob sie überhaupt US-Truppen wollen, weiter anheizen. Während einige Länder, darunter Polen, sich offen für US-Truppen eingesetzt hätten, gebe es in anderen Ländern, wie Deutschland und Japan, Bevölkerungsgruppen, die sich der amerikanischen Präsenz schon länger widersetzten. Diese Kräfte würden wahrscheinlich mit neuer Energie versorgt, wenn sie mit Trumps Forderung, die ihnen als Ultimatum erscheinen müsse, konfrontiert würden.

„Das ist nur eine weitere Straßensperre – ich verstehe es nicht“,

sagte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Eliot Engel. Die Partner der EU und der NATO hätten bei einem kürzlichen Treffen in Brüssel ihre Besorgnis über die Zuverlässigkeit der USA zum Ausdruck gebracht.

„Ihre Einstellung war — willst du immer noch unser Verbündeter sein?“, sagte der New Yorker Demokrat. „Sie sind verwirrt.“15 

Es geht letztlich darum, entweder die offizielle Sprachregelung aufrecht zu erhalten, dass es sich um gleichberechtigte Verbündete handelt, oder die „Verbündeten“ als das zu behandeln, was sie in Wahrheit sind: Protektorate. Denn natürlich weiß man in den USA, dass die überseeischen Stützpunkte in Wirklichkeit nicht zum Wohle der betreffenden Länder existieren, wie Douglas Lute, ein früherer US Botschafter bei der NATO nüchtern festhielt.

„Die Wahrheit ist: es gibt sie und wir unterhalten sie, weil sie unseren Interessen dienen.“ 15

Das Wirken des ZDF

Die Kritik der transatlantischen deutschen Medien, vorneweg des ZDF, an Donald Trump macht natürlich vor diesen harschen Forderungen nicht halt, erschüttern sie doch das bisher sorgsam gepflegte Narrativ von den freien Bündnispartnern einer westlichen Wertegemeinschaft. So holte sich der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, den ehemaligen Oberbefehlshaber der US-Army in Europa, Generalleutnant Ben Hodges, ans Telefon. Der kritisierte Trumps Nato-Politik mit scharfen Worten.

„Ich bin sehr besorgt darüber. Es zeigt entweder ein völliges Unverständnis oder eine völlige Missachtung für den Wert des Zugangs, den wir von Stützpunkten in Europa (Deutschland, Italien, Türkei, Griechenland usw.) aus haben, die für unsere eigene Sicherheit wesentlich sind. … Wir haben nicht die Fähigkeit, alles zu tun, um die eigene Sicherheit und die Sicherheit kritischer Räume und Vermögenswerte zu gewährleisten. Wir brauchen Verbündete und unsere zuverlässigsten Verbündeten kommen aus Europa, Kanada, Australien, Japan und Südkorea. Warum prügeln wir ständig auf sie ein?“ 16

Doch mit General Hodges lässt das ZDF nicht nur einen scharfen Kritiker Trumps aus der US-Elite zu Wort kommen, sondern zugleich einen Mann, der den unbedingten Herrschaftsanspruch der USA über die Welt repräsentiert und vor Kriegen nicht zurückschreckt. Hodges gilt als ein scharfer Hund und hat als jetziger strategischer Berater beim Zentrum für Europäische Politikanalyse in Washington Chinas Aktivitäten in der Welt fest im Blick. Er macht einen „konstanten Technologiediebstahl“ Chinas aus, eine wachsende Kontrolle über Afrika und Europa, die sich China durch Projektfinanzierung sichere; zehn Prozent aller Häfen in Europa gehörten bereits China. Daher hält er es für

sehr wahrscheinlich, dass wir in 15 Jahren mit China im Krieg sein werden.“ 17

Also wirtschaftliche Erfolge und  – Machtstellungen sind nur den USA und seinen Vasallen erlaubt, deren Vormacht sonst gefährdet ist.

Nach dem Fall der UdSSR geht es jetzt um den neuen strategischen Gegner der USA, und der heißt China, nicht Russland. China ist der Konkurrent der kommenden Jahrzehnte. Eine neue Supermacht darf es nach der Wolfowitz-Doktrin nicht geben. Nach dem Ende der Sowjetunion, so Wolfowitz Anfang der 90er, werde die USA es unter keinen Umständen zulassen, dass es eine andere Supermacht als die USA geben werde. Auf Russland schlägt man derzeit ein, um China zu treffen. Das Ziel der US Strategie ist es, einen eurasischen Binnenmarkt zu verhindern, den China mit seiner „Neuen Seidenstraße“ aufbauen will, ein Konzept, das Russland unterstützt und das die USA wirtschaftlich und geostrategisch vom Spitzenplatz verdrängen könnte. Den USA käme deswegen ein Krieg in der Ukraine, an dem auch Deutschland und Russland als Feinde beteiligt wären, sehr gelegen. Es geht um Sperrgürtel, ähnlich dem Intermarium oder dem Cordon Sanitaire des 1. Weltkrieges, also einem Riegel, der von den Baltischen Staaten bis nach Diyarbakir reicht, und Deutschland von Russland trennt. Damit könnte man den Eurasischen Raum in drei Teile spalten: Westeuropa, Russland und China.“ 18

Zum Einprügeln auf Russland und zum Krieg gegen China, der nach Hodges gleichsam kaum vermeidbar ist, brauchen die USA also ihre „Verbündeten“. Das wird im ZDF offen benannt. Der jetzige ZDF-Washington-Korrespondent Theveßen verkündet, Generalleutnant Hodges warne vor einer Umwandlung der Nato in eine Art „Geschäftsbündnis“ angesichts eines aus seiner Sicht „unvermeidlichen Krieges mit China in den nächsten Jahren:

„Ich denke, dass wir am Ende verlieren werden, wenn sich daraus eine reine Geschäftsbeziehung entwickelt“.19

„Was werden wir verlieren?“, fragt Dirk Pohlmann,  „den Verstand? Das Leben? Unsere Kinder? Die menschliche Zivilisation? Nein. Sondern: „Den unvermeidliche Krieg mit China“. Die Freiheit Deutschlands wird, wenn es nach General Hodges und seinen Presstituierten geht, auch auf den Spratley Inseln verteidigt werden. Solange es nützliche Idioten gibt, die solche Sätze glauben und solche Kriege mitmachen. –

Notfalls, bis der Lichtblitz eines thermonuklearen Megatonnen-Sprengkopfs auch den Mainzer Lerchenberg in radioaktiven Feinstaub verwandelt. Rechnet Elmar Theveßen insgeheim damit, als Butler von Dr. Seltsam im Atombunker überleben zu dürfen, weil er in Vorkriegszeiten stets zu Diensten war? Man weiß es nicht. Sicher ist: bis dahin sichern solche Sätze den beruflichen Erfolg und das Jahresgehalt von 205.560,-€ des stellvertretenden ZDF-Chefredakteurs. –

NATO-Kriegspropaganda dieser Unverschämtheit geht also durch im ZDF, ohne jeden Protest in den Relotiusmedien oder vom DJV Vorsitzenden, dem statt der Kriegspläne der NATO die RT-Sendelizenz schlaflose Nächte bereitet. Interessant, nicht wahr? Interessant, ja; aufschlussreich, ja; aber, wenn man die letzten Jahre vor dem inneren Auge passieren lässt, nicht wirklich überraschend.“ 20

US-Protektorat

Mit Donald Trump ist eine neue unverblümte Offenheit in die amerikanische Politik eingezogen. Von diplomatischen Verklausulierungen hält er nichts. Er sagt, was Sache ist. Wenn er von den „Verbündeten“ nicht nur die vollen Stationierungskosten verlangt, sondern noch 50 % extra für das Privileg, überhaupt US-Truppen beherbergen zu dürfen, ist das die zynische Brutalität des Besatzers, natürlich.

Vollends lässt den Schleier diplomatischer Schmeicheleien sein Botschafter in Berlin, Richard Grenell, fallen, der den Deutschen ganz offen klar macht, dass jetzt eine neue Zeit im Verhältnis beider Länder angebrochen ist. Gleich an seinem ersten Arbeitstag in Berlin forderte Grenell auf Twitter die deutschen Unternehmen auf, unverzüglich ihre Geschäftsbeziehungen zum Iran zu beenden.

Dann drohte er Unternehmen, die sich am deutsch-russischen Erdgaspipeline-Projekt ´Nordstream` beteiligen, Sanktionen an. Die Bundesregierung kritisierte er dafür, sich nicht an den Luftangriffen auf Damaskus und Homs beteiligt zu haben. Der Chefredaktion des ´Spiegel` warf er antiamerikanische Berichterstattung vor, ´seitdem Präsident Trump im Amt ist, stieg diese Tendenz ins Uferlose`. Vor wenigen Tagen drohte Amerikas Chefdiplomat in Deutschland erneut: Falls das chinesische Unternehmen Huawei am Aufbau des Mobilfunknetzes 5G beteiligt werde, würde sein Land die Geheimdienst-Zusammenarbeit einschränken.“ 21

Als die deutschen Haushaltspläne bekannt wurden, kritisierte Grenell die Bundesregierung, es genüge nicht, die Verteidigungsausgaben auf 1,5 Prozent (des Bruttoinlandsprodukts) zu erhöhen. Die Nato verlange 2 Prozent bis 2024.

All dies empörte den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki von der FDP derart, dass er Bundesaußenminister Heiko Maas aufforderte, „Richard Grenell unverzüglich zur ´Persona non grata` zu erklären“ und auszuweisen.

Wer sich als US-Diplomat wie ein Hochkommissar einer Besatzungsmacht aufführt, der muss lernen, dass unsere Toleranz auch Grenzen kennt.“ „Der Mann benimmt sich, als seien die Vereinigten Staaten hier noch Besatzungsmacht“, erklärte Kubicki. „Wir sind ein souveränes Land und dürfen nicht den Eindruck zulassen, dass die Botschafter anderer Länder hier die Innenpolitik bestimmen.“ 22

Politiker der Linken schlossen sich der Forderung Kubickis an.

Die angebliche deutsche Souveränität wird von den Politikern immer wieder dem Volk vorgegaukelt, aber selbst Wolfgang Schäuble hat in einer schwachen Stunde eingeräumt, dass Deutschland seit 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen sei. Und der Freiburger Historiker Josef Foschepoth wies anhand von Geheimverträgen mit den Siegermächten aus dem Bundesarchiv exakt nach, dass die USA auch nach den 2+ 4-Verträgen noch viele Befugnisse haben und praktisch noch immer Besatzungsmacht sind.23  Mitteleuropa und auch Westeuropa sind, so hat es ja auch der US-Stratege Brzezinski bereits in seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ nüchtern konstatiert: seit den beiden Weltkriegen „amerikanisches Protektorat“, „tributpflichtige Vasallenstaaten“.24

Die Reden des US-Botschafters Grenell drücken das auch indirekt unmissverständlich aus. Und die Online-Satirezeitung „Berliner Express – Nachrichten aus dem Zentrum der (Ohn)Macht“ bringt Haltung und Auffassung des Amerikaners zugespitzt, zwar satirisch fiktiv, aber dem Sinne nach in innerer Konsequenz wahrheitsgemäß zum Ausdruck. Nach seiner Einstellung und Haltung könnte der „Hochkommissar“ das Folgende durchaus gesagt haben: „Akzeptiert es endlich, Deutschland ist unser Protektorat!“

Gegenüber „der Nachrichtenagentur fna“ habe er gleichsam als Reaktion auf Kubicki verlautbart:

„Die Deutschen scheinen vergessen zu haben, dass wir sie vom Nazi-Regime befreiten und wir weiterhin hier sind, um einen Rückfall in solch düstere Zeiten zu verhindern“,

erklärte er.

„Trotz der 2+4-Verträge haben wir Amerikaner in Deutschland nach wie vor umfangreiche Befugnisse, das sollte auch ein Herr Kubicki wissen.“ 25

Die Befreiung vom Nazi-Regime ist ja die oft und gern gebrauchte Phrase, die bis in die Sprechblasen der deutschen Vasallen selbst Eingang gefunden hat. Sie dient der Bemäntelung der wahren Interessen. Man bombardiert am Ende eines Krieges kein Volk, das man befreien will. In der US-Regierungsanweisung ICG 1067 vom April 1945 heißt es auch:

“Deutschland wird nicht mit dem Ziel der Befreiung besetzt, sondern als eine besiegte feindliche Nation zur Durchsetzung alliierter Interessen.” 24

Und der „Berliner Express“ lässt Grenell noch deutlicher werden: Entweder werde den Anforderungen Folge geleistet, oder man werde

„die Feindstaatenklausel der Vereinten Nationen etwas genauer unter die Lupe nehmen und vielleicht 200.000 zusätzliche Soldaten in Deutschland stationieren.“

Die Kosten dafür müsste allerdings Berlin übernehmen.

Die Feindstaatenklausel ist ein Passus in den Artikeln 53, 77 und 107 der Charta (oder Satzung) der Vereinten Nationen (SVN),

„wonach gegen Feindstaaten des Zweiten Weltkrieges von den Unterzeichnerstaaten Zwangsmaßnahmen ohne besondere Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat verhängt werden könnten, falls die Feindstaaten erneut eine aggressive Politik verfolgen sollten. Dies schließt auch militärische Interventionen mit ein. Als „Feindstaaten“ werden in Artikel 53 jene Staaten definiert, die während des Zweiten Weltkrieges Feind eines Signatarstaates der UN-Charta waren (also primär Deutschland und Japan).“ (Wikipedia)

Diese Klausel ist bis heute, trotz aller Beteuerungen, sie sei obsolet, bewusst nicht gestrichen worden und dokumentiert so den nach wie vor aufrecht erhaltenen Herrschaftsanspruch der Sieger über Deutschland. Diesen macht Grenell ja hier – unabhängig von der satirischen Zuspitzung – auch ungeschminkt geltend. Die Deutschen haben den amerikanischen Forderungen zu folgen.

Und schließlich legt die Satire dem „Hochkommissar noch in den Mund:

„Das hier ist kein Wunschkonzert. Wenn wir sagen, ihr kauft kein russisches Gas sondern amerikanisches Gas, dann wird das so gemacht. Und wenn wir sagen, ihr Deutschen erhöht das Rüstungsbudget auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, dann sind das keine 1,23 Prozent.“

Die Deutschen sollten sich

nicht länger der Illusion hingeben, souverän zu sein. Akzeptiert es endlich: Deutschland ist immer noch ein US-Protektorat!“

Na also, das ist ja nur das, was der führende US-Stratege Brzezinski nüchtern konstatiert hat und was durch die Floskeln vom Freund und Bündnispartner nur kaschiert werden soll. Die deutschen Politiker wussten und wissen das zumeist, sie nähren aber bei der Bevölkerung die Illusion von der Souveränität Deutschlands, damit die Menschen Ruhe halten. Doch inzwischen sind sie so domestiziert, dass sie wohl auch die Wahrheit nicht mehr beunruhigt.

Aussichten

„Die einzige Weltmacht“ strebt mit unbändigem Willen zur Macht über die Welt und bereitet kalt die dazu nötigen nächsten Bedrohungsszenarien und Kriege vor. Die durch Besatzung und Nato-Mitgliedschaft eingebundenen Vasallenstaaten werden dafür gebraucht, möglichst an vorderster Front. Deren Eliten in Politik und Medien sind nur zu oft die willigen Vollstrecker des imperialistischen Machtwillens ihres Herrn. Und die Bevölkerung wird kaltblütig als Manövriermasse dem möglichen Inferno ausgeliefert.

Dabei lässt der große Imperialist immer mehr die Maske des demokratischen Biedermannes fallen, und hervortritt die Fratze der Wildheit und Herrschsucht, die, wie der kraftstrotzende Halbstarke vom schwächeren Jüngling, die gnadenlose Unterwerfung unter sein brutales Ego verlangt. Deutschland ist auf unabsehbare Dauer in seiner Gewalt; darüber ist im Grunde keine Illusion mehr möglich. Seine Rettung kann nur in der Kraft seines Geistes liegen, der das nackte Wirken des Bösen offenlegt und ihm die Positivität einer geistigen Kultur entgegensetzt, welche die materialistische Dämonie des Amerikanismus überwindet, aus dem die zerstörerische Psychopathie und Besessenheit der Machtsucht aufsteigt.

Diese geistige Kultur muss durch eine Bewegung von unten wachsen, die sich von der Gehirnwäsche der US/NATO-Hausmedien befreit und danach strebt, das Geistesleben mit dem gesamten Bildungssystem aus der Abhängigkeit von Staat und Wirtschaft zu lösen und selbständig zu machen.

Zur Ergänzung: Europa – geostrategischer Brückenkopf
Herrschaftsmethoden des US-Imperialismus

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1    sonnenseite.com
2    infosperber.ch
3    Dirk Pohlmann in kenfm.de/tagesdosis-12-3-2019
4    Vgl. Die Verdrehungen im Ukraine-Konflikt
5    telegraph.co.uk/news/2019/01/27
6    a.a.O.
7    zdf.de 12.7.2018
8    bloomberg.com 8.3.19
9    a.a.O.
10  Anm. 3
11  Wikipedia
12  Anm. 3
13  geopolintelligence.com
14  Anm. 3
15  Anm. 8
16  zdf.de 10.3.19
17  spiegel.de 25.10.18
18  Dirk Pohlmann Anm. 3
19  zdf.de/nachrichten 10.3.2019
20  Dirk Pohlmann Anm. 3
21  tagesspiegel.de 20.3.2019
22  focus.de 19.3.19
23  Vgl. neopresse.com 21.10.16
24  Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft“, 2000, S. 92
25  berliner-express.com 20.3.19

 

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