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Hexenjagd

von Schaebel

Ein Freund erzählte mir von einer eindrucksvollen Lektion in der Schulklasse seiner Tochter diesen Winter. Die Schüler sollten etwas über die Hexenverfolgung lernen. Dazu kündigte der Lehrer ein kleines Rollenspiel an:

„Ich werde vorbeikommen und jedem von euch zuflüstern, ob ihr eine Hexe oder ein normaler Mensch seid. Euer Ziel ist es, die größtmögliche Gruppe zu bilden, die KEINE Hexe darin hat. Am Ende bekommt jede Gruppe, die eine Hexe beinhaltet, eine schlechte Note.“

Die Kinder begannen also, sich gegenseitig mit strengen Fragen heftig zu verhören. Es bildete sich eine ziemlich große Gruppe, aber die meisten Schüler zerbrachen in kleine, exklusive Gruppen und wendeten sich von jedem ab, von dem sie dachten, dass er auch nur einen Hauch von Schuld auf sich zog.

„Genug!“, sagte der Lehrer. „Ihr habt also eure Gruppen gefunden. Jetzt wird es Zeit, um herauszufinden, welche davon scheitern. Alle Hexen, bitte hebt die Hände.“

Doch niemand hob eine Hand!

Die Kinder waren verwirrt und erklärten ihm, er hätte das Spiel versaut. Da erwiderte der Lehrer:

„Habe ich das? War damals (im Jahr 1692) jemand eine echte Hexe? Oder glaubten alle nur, was ihnen gesagt worden war?“

Und so lehrt man Kindern, wie einfach es ist, eine Gemeinschaft zu spalten.

Seid also einladend, liebe Leute! Denn Zwietracht und Sündenbock-Suche zerstören unsere Gemeinden. Und das betrifft uns alle.