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Heute vor 73 Jahren …

von Kurzer

… wurde die letzte legitime deutsche Regierung unter unwürdigen Umständen verhaftet. Und damit begann endgültig das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, welches bis zum heutigen Tag noch nicht abgeschlossen ist.

…Die geschäftsführende Reichsregierung Dönitz wurde am 23. Mai 1945 in Flensburg plötzlich als gefangen und aufgelöst erklärt, und zwar zu­nächst in ordentlicher Weise. Lüdde-Neurath, der persönliche Adjutant des Großadmirals in jener Zeit, berichtet in seiner genannten Schrift Regie­rung Dönitz, die letzten Tage des Dritten Reiches` über den ganzen Vor­gang. Er beginnt ein Kapitel (S. 117) mit den Sätzen:

„Ich habe sehr überlegt, ob die vollständige Darstellung der Gefangen­nahme der Regierung und des OKW in Flensburg nützlich oder gar nötig sei. In einer ersten auszugsweisen Presseveröffentlichung hatte ich darauf verzichtet. Die Reaktion auf diese Unterlassung überraschte mich. Ich wurde nicht nur der vorsätzlichen Verheimlichung verdächtigt, sondern erfuhr darüber hinaus noch Schilderungen unserer Gefangennahme, die den Tatsachen nicht entsprachen, sondern die die gewiß sehr unerfreulichen Vorkommnisse in verzerrter und übertriebener Form wiedergaben. Dies bestärkte mich in der Überzeugung, daß der Versuch, belastende Momente in den Beziehungen zwischen Personen oder Völkern totzuschweigen, selten von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein dürfte, sondern nur die Gefahr heraufbeschwört, gerade das Gegenteil der vielleicht guten Absicht zu be­wirken. Ich halte daher eine klare und nüchterne Niederlegung auch dieser Ereignisse für richtig; einmal der historischen Vollständigkeit wegen, zum andern aber, um übertriebenen, Unheil stiftenden Gerüchten vorzubeu­gen.“

Aus dem Kapitel seien folgende Stellen wiedergegeben:

„Bis hierher war die Gefangennahme in korrekten Formen erfolgt. Wir sahen keinen Grund, weswegen sich die Behandlung im weiteren Ver­laufe ändern sollte. (Admiral) v. Friedeburg war jedoch anderer Ansicht. Er ging mit dem Großadmiral vor dessen Wohnung noch kurz auf und ab. Er überlegte sich sehr, ob er den nun beginnenden Zirkus mit allen seinen entehrenden Begleiterscheinungen` mitmachen solle. Dönitz widersprach. Er glaube, daß uns kriegsgefangenen Soldaten Behandlung gemäß Genfer Konvention selbstverständlich zugestanden würde. Ein Glaube, der aller­dings sehr bald und sehr kraß Lügen gestraft wurde. Von Friedeburg fand bereits unmittelbar nach diesem Gespräch seine Vermutung bestätigt, als er vor dem Regierungsgebäude Zeuge einer der unwürdigsten Szenen dieses Tages wurde, und nahm sich – ohne Zweifel unter dem Eindruck derselben, aber – wohl entsprechend einem schon vorher gefassten Ent­schluß – kurz darauf durch Einnahme von Gift das Leben. Ich kann ihn, der als Soldat seine Pflicht bis zu dem für ihn als Unterhändler besonders bitteren Ende erfüllt hat, nicht verdammen, weil er sich nun die entehrende Behandlung als Verbrecher ersparte.

Wir hatten gerade begonnen, in Ruhe die letzten Vorkehrungen zu unserem Abtransport zu treffen, als gegen 11 Uhr ein englischer Captain mit einigen Soldaten auf der Bildfläche er­schien, der den Großadmiral unter Außerachtlassung jedes militärischen oder menschlichen Anstandes anzutreiben versuchte. Vergebens bedeutete ich ihm, daß seine Befehle „Abfahrt sofort“ und „nur ein Koffer“ im Wider­spruch zu der eben erhaltenen Weisung des amerikanischen Generalmajors Rooks stünden. Da das Umpacken unserer Sachen in nur einen Koffer Zeit beansprucht hätte, blieb es bei den vorgesehenen zwei Gepäckstücken für den Großadmiral und mich. Immerhin gab diese Episode Anlaß zu einem Märchen von acht Koffern und seidener Unterwäsche, mit dem sein Schreiber einen bedauerlichen Mangel an Wahrheitsliebe unter Be­weis gestellt hat. Auch meine höflich vorgetragene Bitte, den Ton etwas zu mäßigen, weil der Hausherr, Brillantenträger Kapitän zur See Lüth, erst vor wenigen Tagen durch Unglücksfall verschieden sei, blieb völlig unbe­achtet. Im Gegenteil wurde mit lautem Hallo das Trauerhaus durchstöbert, und Frau Lüth flüchtete weinend mit den wertvollen Kriegsauszeichnungen ihres Mannes zu mir. Da ich einen besseren Rat nicht wußte, bat ich den amerikanischen Begleitoffizier, der sich deutlich von dem Verhalten seines Bundesgenossen distanzierte, diese Dinge vor dem Zugriff der englischen Soldaten zu retten, was er zusagte. Unter starker Bewachung wurden wir nun zum Polizeipräsidium in Flensburg gefahren. Hier fand eine körper­liche Untersuchung statt, deren genaue Beschreibung ich mir an dieser Stelle versagen muß. Es mag die Feststellung genügen, daß nichts un­erforscht blieb ..“

Aus: „Warum, woher, aber wohin?“ von Hans Grimm

… Ab diesem 23. Mai 1945 gibt es in Deutschland keine handlungsfähige deutsche Regierung mehr. Dönitz wird in das luxemburgische Kriegsgefangenenlager Mondorf verbracht. Von dort gibt der Reichspräsident im Juli 1945 eine wichtige zusammenfassende Erklärung ab, die sogenannte Mondorfer Erklärung:

„Bad Mondorf, Juli 1945.

Der Kommandant des Lagers, in dem ich mich als Kriegsgefangener befinde, verlas am 7. Juli eine aus drei Paragraphen bestehende Anordnung, die in § 2 unter anderem die Feststellung enthielt, der Deutsche Staat habe aufgehört zu bestehen. Der Satz wurde auf meine Einwendung nachträglich dahin berichtigt, dass es heißen solle, die Deutsche Regierung habe aufgehört zu bestehen.

Um Missverständnissen über meinen Standpunkt vorzubeugen, treffe ich folgende Klarstellung:

1. Die Kapitulation ist von meinen Beauftragten auf Grund einer schriftlichen Vollmacht geschlossen worden, die ich als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und damit Oberster Befehlshaber der Wehrmacht ausgestellt habe und die in dieser Form von den bevollmächtigten Vertretern der Alliierten Streitkräfte verlangt war und anerkannt wurde. Die Alliierten haben mich dadurch selbst als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches anerkannt.

2. Durch die mit meiner Vollmacht am 9. Mai 1945 abgeschlossene bedingungslose Kapitulation der drei deutschen Wehrmachtsteile hat weder das Deutsche Reich aufgehört zu bestehen, noch ist dadurch mein Amt als Staatsoberhaupt beendet worden. Auch die von mir berufene geschäftsführende Regierung ist im Amt geblieben; mit ihr hat die alliierte Überwachungskommission in Flensburg bis zum 23. Mai in Geschäftsverkehr gestanden.

3. Die im Anschluss an die Kapitulation erfolgende vollständige Besetzung des Deutschen Reichsgebietes hat an dieser Rechtslage nichts geändert. Sie hat nur mich und meine Regierung tatsächlich behindert, in Deutschland Regierungshandlungen zu vollziehen.

4. Ebensowenig konnten meine und meiner Regierung Gefangennahme auf die dargelegte Rechtslage Einfluss haben. Sie hatte nur zur Folge, dass jede tatsächliche Amtshandlung für mich und meine Regierung vollständig aufhörte.

5. Mit dieser Auffassung über die Rechtsfolgen der erwähnten militärischen Vorgänge befinde ich mich in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts.

gez. Dönitz“

Quelle HIER

Aus dieser Erklärung ergeben sich folgende Konsequenzen:

Restdeutschland ist seit dem Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr souverän gewesen. ALLE danach installierten Systeme und Regierungen waren und sind lediglich Verwaltungen, welche im Auftrag der Besatzer handelten und heute noch handeln. Der Rechtsstand für ALLES, was in unserem Land seither geschehen ist, ist der 23. Mai 1945.

„Man muß das Wahre immer wiederholen …“

Und täglich wird es klarer:

Saurons Ende ist nahe

„Es kommt der Tag, an dem werden all die Lügen unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen“

Der Kurze