Googles Log-Datei – Zehnmal größer als die von Facebook

Google, Amazon, Apple und Microsoft sind allesamt zentrale Akteure im „Überwachungskapitalismus“ und nutzen unsere Daten

Bei all der Aufmerksamkeit, die Facebook in den letzten Wochen wegen „Datenverletzungen“ und Verstößen genen Datenschutzbestimmungen geschenkt wurde (obwohl das, was bei Cambridge Analytica geschah, Teil ihres Standard-Geschäftsmodells ist), vergisst man leicht, dass es vier andere Big Tech-Unternehmen gibt, die genauso viel – wenn nicht sogar mehr – von unseren persönlichen Daten sammeln.

Neue Berichte deuten darauf hin, dass Google zehnmal so viel Daten ernten kann wie Facebook.

Der Webentwickler Dylan Curran ist neugierig darauf, wie viele seiner Daten Google hat. Er sagt, er habe seine Google-Datendatei heruntergeladen, was das Unternehmen in ‚Mein Konto‘ anbietet. Diese Funktion war 2015 gemeinsam mit einer Option namens ‚Meine Aktivität‘ geschaffen worden. Der Bericht ähnelt demjenigen, den Facebook seinen Nutzern auf Anfrage liefert. Ob diese Berichte umfassend sind oder nicht, ist noch unklar, aber Curran sagt, dass seine Kapazität 5,5 GB betrug, was immerhin fast zehnmal größer ist als der von Facebook angebotene Bericht. Die Menge und Art der Daten in seiner Datei, so Curran, legt nahe, dass Google nicht nur ständig unsere Online-Bewegungen verfolgt, sondern auch unsere physischen Standorte überwacht.

Currans Google-Bericht enthielt eine unglaubliche Menge an Dokumentation über seine Webaktivitäten, die über ein Jahrzehnt zurückreicht. Noch wichtiger ist jedoch, dass Google seine realen Bewegungen auch über sein Smartphone oder Tablet verfolgt hat. Dazu gehörten ziemlich zufällige Orte, die er besucht hatte, viele der Länder und Städte, die er besuchte, die Bars und Restaurants, die er in diesen Ländern besuchte, die Zeit, die er dort verbrachte, und sogar den Weg, den er dorthin genommen hatte und zurück.

Das ist natürlich nichts Neues. Es ist seit langem bekannt, dass Google Sie überall im Hintergrund verfolgt und mithilfe der Funktion ‚Standortverlauf‘ eine Karte Ihrer körperlichen Bewegungen erstellt. Sie können es deaktivieren, indem Sie zu Ihrer Zeitleiste gehen und die Einstellungen anpassen.

Ein anderer Google-Nutzer lud seine Datei herunter und stellte fest, dass das Unternehmen seine Daten selbst dann archiviert hatte, als er im Incognito-Modus surfte. Eine Einstellung, die angeblich den Browserverlauf nicht speichert.

Wie bei Facebook so sammelt auch Google Ihre Daten zum Verkauf an Drittanbieter, einschließlich Ihres Namens, Ihrer E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Kreditkarte, der Art und Weise, wie Sie die Dienste von Google nutzen, und Ihre Art der Interaktion mit Webseiten, die Google-Technologie verwenden (z. B. AdWords), Ihr Gerät und Ihre Suchanfragen. Wenn Sie nicht in Ihr Konto gehen und Anpassungen vornehmen, wird so ziemlich alles verfolgt, was Sie online tun, während Sie einen Google-Service nutzen. Die Google-Richtlinie besagt:

Wenn andere Nutzer bereits über Ihre E-Mail-Adresse oder andere Sie identifizierende Daten verfügen, werden wir diesen Nutzern gegebenenfalls die öffentlich zugänglichen Informationen Ihres Google-Profils, wie beispielsweise Ihren Namen und Ihr Foto, anzeigen.

Die meisten Standortdaten stammen jedoch aus der Verwendung von Google-Apps wie „Maps“ oder „Now“, die Ihren Standort erfassen. Wenn Sie verhindern möchten, dass diese Informationen freigegeben werden, müssen Sie unbedingt in Ihre Kontoeinstellungen gehen und Anpassungen vornehmen.

Der angebliche Zweck dieser Datenfreigabe ist die Feinabstimmung ihrer Benutzererfahrung, aber es fragt sich wohl, wer letztlich mehr davon profitiert. Im selben Jahr hatte Google seine neue Aktivitäts-Funktion veröffentlicht. Außerdem stellte Google ein neues Programm vor, das Ihre E-Mails mit hochwertigen Werbetreibenden teilt. Customer Match [Kundenabgleich] genannt, rationalisiert dieses System die Verbraucherinformationen, sodass „die Marke eines Werbetreibenden mit der richtigen Botschaft in dem Moment da ist, in dem Ihr Kunde am aufgeschlossensten ist.“

Die Google-Richtlinie listet auch die drei Hauptkategorien der Datenerfassung auf: Was Sie tun; was Sie kreieren; und was Sie individualsiert.

Sie haben jedoch die Möglichkeit, die Weitergabe dieser Informationen zu beschränken. Sie können die Standortverfolgung, Sprachsuche und andere Funktionen deaktivieren. Sie können Ihre Einstellungen anzeigen und bearbeiten. Sie können Ihr öffentliches Profil anpassen und den Datenbestand von Google herunterladen, um einzusehen, was die bei Google sehen können.

Sie können auch noch etwas weiter gehen und alle Ihre Daten nicht nur bei Google, sondern auch bei einer Vielzahl anderer Online-Dienste, löschen.

Gehen Sie auf Deseat.me und melden sich mit einer Gmail-Adresse an.

Sehen Sie sich die Liste der synchronisierten Konten an und entscheiden Sie, welche Sie löschen und welche Sie behalten möchten.

Klicken Sie auf die Schaltfläche.

Wird das Löschen einer ausgewählten Menge Ihrer Daten aus dem Inneren der Großen 5 die räuberische Datengewinnung stoppen? Sicherlich nicht. Während Facebook vor dem US-Kongress aussagt, haben wir jedoch die Möglichkeit, auf einige Konsequenzen einer Technokratie aufmerksam zu machen, welche die Überwachung privatisiert. Während sich das Kontrollnetz engmaschiger zusammenzieht, drückt unsere Reaktion zumindest unseren Grad an Unzufriedenheit aus.

Verweise: