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Gegen Hass und irren Selbsthass – Von der Notwendigkeit deutscher Kultur

von hwludwig

„Alle Nationen hassen den Deutschen
wie die Bösen
den Guten. Wenn es ihnen
aber wirklich einmal gelingt, ihn zu
zu verdrängen, wird ein Zustand entstehen,
in dem sie ihn wieder mit den Nägeln aus
dem Grabe kratzen möchten.“
Friedrich Hebbel, schon 1860

Wir befinden uns in einem gewaltigen Kulturkampf. Die bestimmenden Kräfte in UNO und EU betreiben die Massenmigration, um „die Homogenität der Völker zu zerstören“, so Peter Sutherland, UN-Sondergesandter für Migration. Und Frans Timmermans, 1. Vizepräsident der EU-Kommission, fordert „sicherzustellen, dass nirgends mehr homogene Gesellschaften bestehen bleiben.“ Dies bedeutet letztlich die Auflösung der Völker Europas und das Verschwinden ihrer spezifischen Kulturen. Doch nicht nur eine internationale Clique, sondern auch unsere Herrschenden selbst sind tatkräftig gewillt, diese Pläne am deutschen Volk mit seiner hohen geistigen Kultur zu vollstrecken.

Die meisten der politisch-medialen „Eliten“ in Deutschland sehen keine erhaltenswerte deutsche Kultur, da aus ihr angeblich der Nationalsozialismus mit seiner Individualitäts-feindlichen, kollektivistisch-faschistischen Blut- und Rassen-Ideologie hervorgegangen sei. Dabei war diese gerade die diabolische Gegenkraft der eigentlichen deutschen Kultur, die in der Zeit der deutschen Klassik, Romantik und der idealistischen Philosophie einen Höhepunkt des Strebens nach der freien Individualität, des offenen Weltbürgertums und der Humanität erreicht hatte. Davon fiel die ganze folgende Entwicklung in Deutschland immer mehr ab, bis gleichsam aus den Abgründen eines geistigen Vakuums der Nationalsozialismus aufstieg.

Von der Höhe des deutschen Geistes um die Wende des 19. Jahrhunderts sind diese heutigen politischen und medialen „Eliten“ in ihrer materialistischen Beschränktheit ebenso weit entfernt wie die Nationalsozialisten. Und sie lassen Millionen Menschen in das Land einströmen, die in ihrem überwiegendes Verhaftetsein in alten blutsgebundenen Kollektiven und einer totalitär-faschistischen politischen Religion eine absolute Gegenkraft gegen die Entwicklung der freien, selbstbestimmten Individualität darstellen, auf der noch die freiheitliche Gesellschaftsordnung des Grundgesetzes beruht. Und ihre Integration, sowohl quantitativ wie qualitativ kaum möglich, ist im Grunde auch nicht beabsichtigt.2

Es geht um Sein oder Nichtsein. Entweder stemmen sich die Deutschen dem inszenierten Chaos noch entgegen; oder sie ergeben sich mit ihrem für die Menschheitskultur unersetzlichen und noch längst nicht voll entfalteten kulturellen Beitrag in den allmählichen Untergang.

Das Ich

„Ich bin! Mein Ich enthält ein Sein, das allem Denken und Vorstellen vorhergeht. Es ist, indem es gedacht wird, und es wird gedacht, weil es ist; deswegen, weil es nur insofern ist und nur insofern gedacht wird, als es sich selbst denkt. Es ist also, weil es nur selbst sich denkt, und es denkt sich nur selbst, weil es ist. Es bringt sich durch sein Denken selbst – aus absoluter Kausalität – hervor.

Ich bin, weil Ich bin! Das ergreift jeden plötzlich. Sagt ihm: das Ich ist, weil es ist, er wird es nicht so schnell fassen; deswegen, weil das Ich nur insofern durch sich selbst, nur insofern unbedingt ist, als es zugleich unbedingbar ist, d.h. niemals zum Ding, zum Objekt werden kann.“ 3

Mit diesen Worten, die man langsam und wiederholt lesen und empfindend mitdenken muss, erfasste der junge Schelling in tastendem, sich vergewisserndem Denken sein Ich als ein von seinem Leibe und aller äußeren Welt unabhängiges, rein geistiges, in sich selbst gegründetes Wesen. Es liegt tiefer, als das gewöhnliche, an die Sinne gebundene Denken und Vorstellen reicht, in dem bloß ein Schatten des wahren Ich lebt. Dieses kann nur im reinen Denken erreicht werden, das sich nicht auf anderes, sondern auf sich selbst richtet und das so, sich umwendend, gleichsam flussaufwärts zur Quelle blickt, aus der es selber fließt.

Das wahre Ich ist die Quelle, die das Denken hervorbringt und wiederum durch das Denken selbst hervorgebracht d.h. ins Bewusstsein gehoben wird. Das Ich erfasst sich gleichsam in einem sich selbst tragender Prozess. In der Autonomie des selbst denkenden Bewusstseins erlebt es sich als ein freies geistiges Wesen, das zwar der Anregungen, aber nicht der bevormundenden Erkenntnis anderer bedarf. In seiner geistigen Freiheit und Würde darf es niemals zum Objekt des Willens anderer gemacht werden. Das sich selbst bestimmende Ich allein ist Grund und Ziel einer freien Gesellschaftsordnung.

Wer das für ein müßiges Gedankenspiel hält, hat sich in den inneren Prozess noch nicht erlebend hineinbegeben. Tut er es aber, empfindet er den ungeheuren Abstand zum niederen Ich unseres Alltagsbewusstseins, das in vielerlei Zwängen und Abhängigkeiten gebunden ist. Auf diesen Unterschied hat auch Friedrich Schiller in seinen „Ästhetischen Briefen“ hingewiesen:

„Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechslungen übereinzustimmen die große Aufgabe seines Daseins ist“.

Er verwies dabei auf seinen Freund, den Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der ebenfalls das empirische, also das gewöhnlich erfahrbare Ich, von einem reinen, idealen Ich unterscheidet. Dieses ist für ihn das „erste Prinzip aller Bewegung, alles Lebens, aller Tat und Begebenheit“, das dem intelligenten, bewussten Ich logisch vorangeht. Beide stimmen selten überein, sie aber zur vollkommenen Übereinstimmung zu bringen, sei die ständige Aufgabe und Bestimmung des Menschen. Doch dazu reiche der bloße Wille nicht aus. Wir müssten uns allein und gemeinsam in einem ständigen Prozess des Lernens und der Selbsterziehung die Fähigkeiten dafür erwerben, um die Widerstände und Hindernisse der Sinneswelt zu überwinden. Und diesen ganzen Prozess des Erwerbs vielfältiger Fähigkeiten mache letztlich das aus, was wir „Kultur“ nennen.4

Es geht im Grunde immer um die Auseinandersetzung zwischen dem in seinen Eigenheiten beharrenden niederen Ego und dem höheren Ich, das eine Änderung, ein partielles Absterben des Niederen verlangt, auf dass es immer mehr mit ihm, dem höheren, übereinstimme. Goethe fasste dies schließlich in die Worte zusammen:

„Und solang du dies nicht hast / Dieses Stirb und Werde, /Bist du nur ein trüber Gast / Auf der dunklen Erde.“

Und Friedrich Rückert sah das höhere Ich als etwas an, das wie ein Zukunftsbild vor jedem schwebt, dessen Realisierung er entgegenstrebt und dichtete:

„Vor jedem steht ein Bild des, was er werden soll: / Solang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll. / Was er geworden ist, genüget nie dem Mann; / O wohl ihm, wenn er stets nur werden will und kann.“

Auch meinte Fichte in Bezug auf den Deutschen, der für das Streben nach dem höheren Ich besonders veranlagt sei, dass dieser sich insofern immer in einem Werde-Prozess befinde. Deutscher sei man nicht, sondern werde man.

Individualismus

Dieser „Ich-Charakter“ des deutschen Volkes veranlagt die ihm angehörigen Individualitäten dazu, sich im Gründen auf das eigene Ich einen ausgeprägten Individualismus auszubilden. Dieser ist natürlich nicht von vorneherein allen Deutschen eigen, sondern nur denjenigen, die sich im Laufe ihres Lebens zu ganz auf sich selbst gestellten, innerlich unabhängigen Individualitäten emporgearbeitet haben. Solche hat es gerade in der Blütezeit der deutschen Kultur in außerordentlich großer Zahl gegeben.

Goethe beschrieb in einem Gespräch mit seinem Sekretär Eckermann (6. April 1829) für die damalige Zeit die

Idee der persönlichen Freiheit (als) das allein Wirksame. Die Reformation kam aus dieser Quelle, wie die Burschenverschwörung auf der Wartburg, Gescheites und Dummes. Auch das Buntscheckige unserer Literatur, die Sucht unserer Poeten nach Originalität, und dass jeder glaubt, eine neue Bahn machen zu müssen, sowie die Absonderung und Verisolierung unserer Gelehrten, wo jeder für sich steht und von seinem Punkte aus sein Wesen treibt, alles kommt daher. Franzosen und Engländer dagegen halten weit mehr zusammen und richten sich nacheinander. … Die Deutschen aber gehen jeder seinem Kopfe nach, jeder sucht sich selber genug zu tun; er fragt nicht nach dem andern, denn in jedem lebt … die Idee der persönlichen Freiheit, woraus denn, wie gesagt, viel Trefflicher hervorgeht, aber auch viel Absurdes.“ 5

Der deutsche Individualismus kann also einerseits in gesellschaftliche Vereinsamung, Eigenbrödelei, Querköpfigkeit ausarten. Andererseits lebt er sich in seiner edleren Form

vornehmlich auf der geistigen Ebene in der Ausbildung eines individuellen Stils des geistigen Schaffens, vor allem aber in der unablässigen inneren Wandlung der Individualität.“ 6

Ein besonderes modernes Beispiel einer solchen Individualität sehe ich dem gebürtigen Ägypter Hamed Abdel-Samad, der sich in einer bewunderungswürdigen Weise aus dem „Würgegriff“ des blutsgebundenen und religiösen Kollektivs, das ihn zunächst prägte, befreit und sich in Deutschland zur inneren Unabhängigkeit seines Ich durchgekämpft hat.

„Ich habe gelernt, mich von allen Bindungen zu lösen, die mein Weltbild oder meine Meinung hätten beeinflussen können. Ich muss niemandem gefallen. Ich werde dafür von vielen geliebt und von vielen gehasst. Heute lebe ich unter beständigem Polizeischutz. (Wegen seiner Islamkritik wird er von Moslems mit dem Tode bedroht.) Doch weder Applaus noch Drohungen beeinflussen meine Gedanken. … Ich stehe zu meiner Meinung, egal zu welchem Preis. Ich repräsentiere bestenfalls nur mich selbst. … Ich will nur von meinem Recht Gebrauch machen, frei zu denken und frei zu sprechen, egal wo und egal wann. …

Ich habe eine elastische Identität entwickelt, die an geographische Vorstellungen nicht gebunden ist. … Ich selbst definiere meine Identität in erster Linie über die simple Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Ein Mensch, der mit der Mehrheit der Erdbewohner die gleichen universellen Werte teilt. Und dennoch bin ich anders, weil ich mich nicht vereinnahmen lasse. …

Ich höre nicht auf mit der Suche nach mir selbst. Ich höre nicht auf, mich immer wieder neu zu definieren und infrage zu stellen. Ich brauche keine Gruppe oder Gemeinschaft, die mir bestätigt, dass ich recht habe. Ich brauche nur Luft zum Atmen, etwas zum Essen und Meinungsfreiheit. All das hat mir Deutschland als freies Land zugestanden.“ 7

Kosmopolitismus

Die letzten Sätze dieser wunderbaren Aussagen bringen zum Ausdruck, dass ein in sich selbst, in seinem eigenen Selbst gegründeter Mensch zugleich ein Weltbürger ist, der sich mit der ganzen Menschheit verbunden fühlt. Denn das Ich ist allgemein menschlich, welchem Volk und welcher Rasse es auch angehört. Wenn der Deutsche – und Hamed Abdel-Samad ist ein hervorragender Deutscher, deutscher als mancher gebürtige Deutsche  – sich zur Unabhängigkeit des Ich erhebt, wie es ihm das deutsche Volk ermöglicht hat, liegt darin das Paradox, dass er damit zugleich über das Volk als Volk hinauswächst und sich als Mensch schlechthin, d. h. als Weltbürger erlebt.

Wer sich also als Deutscher treu im Sinne des eigenen Volkscharakters verhält, kann kein Nationalist sein. So sagte Goethe:

Überhaupt ist es mit dem Nationalhass ein eigenes Ding. – Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn immer am stärksten und am heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht, und man ein Glück oder ein Wehe seines Nachbarvolkes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet.“ 8

Johann Gottlieb Fichte zählte in seinen „Reden an die deutsche Nation“ jeden Menschen, der nach dem Ich, nach Freiheit und ständiger Fortbildung des Geistes durch Freiheit strebt, gleichgültig wo er geboren und welche Sprache er spreche, zum deutschen Volk.

Dieser Kosmopolitismus bildete bereits, wie Hans Erhard Lauer detailliert darstellt, eines der wesentlichsten und charakteristischsten Kennzeichen aller großen Vertreter der deutschen Kultur, die in dessen größter Blütezeit gelebt und gewirkt haben.9

Johann Gottfried Herder veröffentlichte in seinen „Stimmen der Völker in Liedern“ die erste Sammlung und Übersetzung von Volksliedern verschiedenster Nationen. Und er entwarf in seinen „Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit“ die erste umfassende Darstellung der Menschheitsgeschichte in deutscher Sprache, in der er mit großem Einfühlungsvermögen die spezifischen Beiträge der verschiedenen Völker schildert, die sie zur allgemeinen Menschheitskultur und damit zur Verwirklichung des großen Ideals der Menschlichkeit, der Humanität, geleistet haben.

Goethe ließ sich in seiner Jugend als Dichter von der französischen und englischen Literatur, insbesondere von Shakespeare anregen, durchdrang sich in der Mitte seines Lebens mit der Kunst Italiens und des antiken Griechenlands und ließ in seinem Alter im „West-Östlichen Diwan“ noch die Geisteswelt des Orients aufleben. „Er war es auch, der als erster den Gedanken einer „Weltliteratur“ fasste, innerhalb welcher er sich Deutschland als den geeignetsten „Marktplatz“ dachte, auf dem die poetischen Erzeugnisse aller Völker zum Austausch gelangen könnten.“ (Lauer) Ganz im Sinne dieser Idee lag es, dass die Romantiker eine breite Übersetzertätigkeit entfalteten, durch die Deutschland im 19. Jahrhundert unter allen Ländern die reichste Übersetzungsliteratur hervorgebracht hat. Dichterische Schätze aus allen Zeiten und Völkern wurden so der deutschen Sprache einverleibt.

Der junge romantische Dichter Novalis (Friedrich von Hardenberg) bezeichnete das Wesen deutscher Kultur präzise als „Kosmopolitismus, gemischt mit kräftigster Individualität“.

Dieses Wesen zeigte sich in besonders eindrucksvoller, glänzendster Weise im Schaffen Friedrich Schillers, von dem Novalis, der ihm als Student zu Füßen saß, in einem Brief schrieb, dass er

den begierdelosen Wesen, die wir Geister nennen, den Wunsch abnötigen könnte, Sterbliche zu werden“ und „dessen sittliche Größe und Schönheit allein eine Welt, deren Bewohner er wäre, vom verdienten Untergange retten könnte.“  10

In einer Reihe von Dramen hat Schiller aus tiefer geistig-künstlerischer Inspiration in dichterischen Gestalten und Geschehnissen die charakteristischen Wesenszüge von sieben europäischen Völkern in meisterhafter Weise dargestellt: Die Braut von Messina (Italien), Don Carlos (Spanien), Die Jungfrau von Orleans (Frankreich), Wilhelm Tell (Schweiz), Maria Stuart (Großbritannien), Wallenstein (Deutschland) und, unvollendet, Demetrius (Russland).

Eine damit vergleichbare Leistung hat keine andere der europäischen Nationalliteraturen aufzuweisen.“ (Lauer)

Humanität

Wenn der Mensch über die rassenmäßige Prägung seines Leibes und die volksmäßige Bildung seiner Seele hinaus sich im Ich als ein geistiges Wesen, als Mensch an sich, erlebt, wird er nach Menschlichkeit streben, die alle Menschen-Iche miteinander verbindet. So war ein weiteres Hauptmerkmal jener klassischen Epoche der deutschen Kultur, dass all ihre Bestrebungen und Schöpfungen von diesem Ideal durchdrungen waren, das Herder zuerst in dem aus dem Lateinischen entnommenen Wort „Humanität“ zusammenfasste.

Gotthold Ephraim Lessing schuf zur selben Zeit in seinem reifsten Drama „Nathan der Weise“, das in der Zeit des dritten Kreuzzuges spielt, in dem Juden Nathan eine Gestalt, in der höchste Menschlichkeit verkörpert war. Das Wichtige für ihn war nicht, in welche Religion die Menschen hineingeboren sind, sondern was von dieser Religion in ihnen als reine Menschlichkeit lebt und sich in ihren Handlungen offenbart und realisiert.

In einem Höhepunkt des Dramas gibt sich eines Tages ein christlicher Klosterbruder Nathan gegenüber als der Reiter zu erkennen, der ihm achtzehn Jahre zuvor ein durch die Kriegswirren verwaistes, wenige Wochen altes Christenmädchen in seine Obhut gab. Nathan hatte es wie seine eigene Tochter aufgezogen und selbstlos in christlichem Glauben unterrichten lassen.

„Der frommen Einfalt“ des Klosterbruders vertraut er nun an, in welcher Lebenssituation er sich damals befand. Erst wenige Tage zuvor hatten die Christen in einem Pogrom unter anderen auch seine „Frau mit sieben hoffnungsvollen Söhnen“ umgebracht.

Als ihr kamt, hatt´ ich drei Tag´ und Nächt´ in Asch´ und Staub vor Gott gelegen und geweint. – Geweint? Beiher mit Gott auch wohl gerechtet, gezürnt, getobt, mich und die Welt verwünscht, der Christenheit den unversöhnlichsten Hass geschworen. – Doch nun kam die Vernunft allmählich wieder, sie sprach mit sanfter Stimm´: Und doch ist Gott! Doch war auch Gottes Ratschluss das! Wohlan! Komm übe, was du längst begriffen hast, was sicherlich zu üben schwerer nicht als zu begreifen ist, wenn du nur willst. Steh auf! – Ich stand und rief zu Gott: Ich will! Willst du nur, dass ich will! – Indem stiegt ihr vom Pferd und überreichtet mir das Kind. (…) Ich nahm das Kind, trug´s auf mein Lager, küsst´ es, warf mich auf die Knie und schluchzte: Gott! Auf sieben doch nun schon eines wieder!“ –

Tief ergriffen ruft der Klosterbruder aus:

„Nathan! Nathan! Ihr seid ein Christ! – Bei Gott, Ihr seid ein Christ! Ein bessrer Christ war nie!“

Und Nathan antwortet ihm:

„Wohl uns, denn was mich Euch zum Christen macht, das macht Euch mir zum Juden!“ –

Wenige Jahre später versuchte Goethe in der ungeheuer tiefen Dichtung „Die Geheimnisse“ darzustellen, wie sich in einer Art verborgener Gralsburg zwölf Vertreter der Hauptreligionen der Erde zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen haben und in einem sie alle überragenden dreizehnten Weisen ihre führende Mittelpunktsgestalt sehen, welcher Goethe, an Herder anknüpfend, den Namen „Humanus“ gab. Diese sprachlich in wunderbaren Versen verfasste Dichtung ist leider Fragment geblieben.

Wiederum einige Jahre später vollendete Goethe, nach einer Vorlage des Griechen Euripides, sein Drama „Iphigenie auf Tauris“. In der Priesterin Iphigenie stellt er einen Menschen dar, der sich

in letzter innerer Auseinandersetzung mit dem wilden Titanismus ihres Geschlechtes, der alten Feindschaft zwischen (einer bestimmten Art von) Göttern und Menschen … „ganz zu der neuen Religion entsühnender Liebe und wahrer Menschlichkeit“ durchringt und zu wahrer Seelengröße aufsteigt. „Mit der Ausdeutung der Rolle der Iphigenie als der zur Lüge unfähigen, reinen Priesterin dokumentierte Goethe besonders eindrucksvolle sein Humanitätsideal.“ 11

Fast zur selben Zeit entstand Mozarts „Zauberflöte“, in der die Musik der Klassik zu einem ihrer edelsten und erhabensten Beiträge zur künstlerischen Verkörperung des Humanitäts-Ideals aufstieg. Natürlich kann die Ausdrucksform der Musik hier nicht vermittelt werden. Aber einen gesanglichen Höhepunkt bildet die Arie des Oberpriesters Sarastro:

In diesen heil`gen Hallen / Kennt man die Rache nicht, / Und ist ein Mensch gefallen, / Führt Liebe ihn zur Pflicht. … In diesen heil`gen Mauern, / Wo Mensch den Menschen liebt, / Kann kein Verräter lauern, / Weil man dem Feind vergibt. / Wen solche Lehren nicht erfreun, / Verdienet nicht, ein Mensch zu sein.“

Und Beethoven lässt den Schlusschor seiner Neunten Symphonie den Höhepunkt erreichen in den Worten aus Schillers Ode an die Freude: „Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt!“

Auch Schillers gesamtem Werk liegt das umfassende Bild des edlen Menschentums zugrunde, wie oben an seinen Dramen z. B. bereits aufgezeigt wurde. Er brachte die besondere Veranlagung der Deutschen zu dem rein Menschlichen, das der Bildung einer geschlossenen Nation bis dahin auch immer im Wege stand, in dem treffenden Distichon zum Ausdruck:

Zur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche, vergebens,
Bildet, ihr könnt es, dafür reiner zu Menschen euch aus!“

Eine allgemeine Menschenbildung in der Erziehung zu inaugurieren, war das Bestreben nahezu aller bedeutenden Repräsentanten der Klassik. Lessing und Herder, Goethe und Schiller, Fichte und Schelling z. B. haben gewichtige Beiträge zu diesem Thema geliefert. Wilhelm von Humboldt gelang es in Preußen, die Ausbildung aller Anlagen und Kräfte des Kindes zu möglichst umfassender Menschenbildung zum Leitbild der Schulpädagogik zu machen. Pestalozzi wirkte in der Schweiz in gleichem Sinne. Dies hat bis zur Gegenwart in den Schulen nachgewirkt.

Seit einigen Jahren ist dieses Ideal von den Herrschenden der EU und Deutschlands aus den Lehrplänen der staatlichen Schulen radikal ausgemerzt worden. Der Mensch soll nicht mehr im Sinne der christlichen Humanitätsideale zur autonomen, sich selbst bestimmenden Individualität gebildet, sondern zu immer neuer Anpassung an die Anforderungen der Wirtschaft abgerichtet werden. Anpassungsbereitschaft und -fähigkeit gelten seitdem als Schlüsselkompetenzen.12
Texte aus der Zeit der Hochblüte deutscher Kultur sind inzwischen aus den Schulbüchern der staatlichen Schulen auch weitgehend verschwunden.

Selbsterkenntnis

Das menschliche Ich kann nicht erfasst werden, ohne dass es sich dabei seiner selbst bewusst wird. Das Bewusstsein des Ich ist zugleich Ich-oder Selbst-Bewusstsein. Da die deutsche Volkskultur in ihrem Charakter durch das Ich-Element bestimmt ist, kommt es auch in ihrer Entwicklung von einer bestimmten Stufe an dazu, dass sie sich in ihren Repräsentanten ihrer selbst bewusst wird, sich in ihrem Wesen selbst erkennt. So ist in der Goethezeit die Frage nach dem Wesen des deutschen Volkes und den Aufgaben seiner Kultur als Beitrag zur Menschheitskultur immer wieder gestellt worden.
Das kommt in dem oben zitierten Distichon und anderen Aussprüchen Schillers, sowie in vielen Äußerungen Goethes, Fichtes und Schellings z. B. zum Ausdruck.

Allein aus einer solchen Selbsterkenntnis kann das deutsche Volk Richtlinien und Ziele für ein Handeln in die Zukunft hinein gewinnen, das seinem Wesen gemäß ist. Wo sie nicht vorhanden ist, wird sein Verhalten in Kultur, Politik und Wirtschaft im Grunde völlig halt- und richtungslos sein und anderen Mächten folgen.

Fazit

Individualismus, Kosmopolitismus und Humanität sind wesentliche Elemente und Ideale deutscher Kultur. Das Streben nach freier Individualität, nach kultureller Weltoffenheit und mitfühlender Menschlichkeit sind tief in ihr begründet. Diejenigen in Politik und Gesellschaft, die unter Berufung auf Freiheit für jeden Menschen, auf ein weltoffenes Deutschland und auf Menschlichkeit riesige Menschenmassen aus archaischen, kollektivistischen Kulturen ins Land lassen, zehren selbst noch irgendwie von dem, was sie – böswillig oder in grenzenloser Naivität – im Begriffe sind, in den Untergang zu führen. Sie sitzen auf dem Ast, den abzusägen sie begonnen haben.

Dabei missbrauchen die Lenker der Ereignisse diese Ideale gezielt zur Manipulation der Menschen und diese durchschauen in ihrer gedanklichen Beschränktheit nicht die Zusammenhänge. Menschlichkeit ohne Verstand, Liebe ohne Weisheit wirken zerstörerisch, so wie die „Affenliebe“ einer Mutter, die ihrem Kind nicht wehtun will und ihm alles durchgehen lässt, vielfach den Grund für eine spätere Haltlosigkeit und Neigung zu Kriminalität legt.

Die naiv gefühlte Menschlichkeit entpuppt sich so als Sentimentalität, die nicht in der Wirklichkeit verankert ist, eine Menschlichkeit die in der Realität Menschenverachtung bedeutet,

„weil sie die Herkunftsländer um Entwicklungschancen bringt und in den Zielländern der Migration die Sozialsysteme, die öffentliche Ordnung und den inneren Frieden zerstört, eine eisenharte Konkurrenz zu unseren eigenen sozial Schwachen erzeugt, zu einem massivem Anstieg der Gewalttaten führt, die wirtschaftliche Entwicklung hemmt und mit der Zeit den sozio-ökonomischen Niedergang bedeutet – was letztlich auch heißt, dass wir niemandem mehr helfen können werden, weder bei uns noch im Ausland.“ 13

Es gehört schon ungeheuer viel bornierte Sentimentalität dazu, Schillers Worte „Seid umschlungen, Millionen“ in die platte physische Grenzenlosigkeit herabzuziehen, in der das eigene Volk in der Umarmung der Millionen sukzessive erdrückt wird.

Noch gibt es in der gegenwärtigen Demokratie-Simulation die Möglichkeit, die herrschende Clique in die Wüste zu jagen. Doch das Wesentliche ist, dass genügend Deutsche zu den Quellen ihrer Kultur pilgern und sich zur Unabhängigkeit und Wachsamkeit ihres Ich erheben, aus dessen freien Taten allein eine Rettung erfolgen kann.

***

1    Siehe: UNO und EU und USA-Kreise planen
2    Siehe: Die große Täuschung mit der Integration
3    Friedrich Wilhelm Schelling: Vom Ich als Prinzip der Philosophie § 3
4    Vgl. ausführlicher: Die deutsche Obrigkeitshörigkeit und ihr Ursprung
5    Zitiert nach H.E. Lauer: Die Volksseelen Europas, Stuttgart 1965, S. 257-258
6    H.E. Lauer a.a.O., S. 162
7    Hamed Abdel-Samad: Integration, München 2018, S. 58, 59
8    Goethe zu Eckermann am 14.3.1830
9    Vgl. Anm. 6, S. 166 f.
10  Novalis: Werke und Briefe, Winkler-Verlag München, S. 531
11  Reclams Schauspielführer, Stuttgart 1986, S. 235, 236
12  Vgl. Der marktradikale Griff
13  achgut.com 4.7.2018