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Der Herr Merz

“Wer die Energieversorgung und die Infrastruktur eines Staates verkauft, verkauft den gesamten Staat und macht die Politik zur Marionette des Geldes!” – (Wladimir Putin)

Nun ja, unsere Energieversorgung ist längst verkauft. Und was die Infrastruktur betrifft: Krankenhäuser sind privatisiert worden, Schulen und Autobahnen sollen am liebsten umgehend folgen, die Bahn ist eine Aktiengesellschaft geworden: Alles im Namen des schwer angesagten Neoliberalismus. Irgendwo auch zur Infrastruktur zählen soziale Leistungen wie bspw. Rente oder Arbeitslosengeld.

In Bezug auf Hartz-IV sagte der Herr Merz bereits vor einem Jahrzehnt: “132 Euro monatlich sind ausreichend!” Und begründete das mit (Zitat):

“Wir müssen für die moralische Überlegenheit unserer Wirtschaftsordnung kämpfen.”

Er hält sich also anderen gegenüber für moralisch überlegen: Herrenmenschendenken oder nicht?

Vielleicht muss man wirklich einer bessergestellten Juristenfamilie entstammen, um auf derartige Gedanken zu kommen. Mit so einer Grundeinstellung ergeben sich dann Tätigkeiten als Lobbyist für die Wirtschaft und als Gründungsmitglied der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)”, welche sich der hemmungslosen Förderung des o. e. Neoliberalismus verschrieben hat, ganz von selbst.

Mit anderen Worten: Die heute schwer angesagte, ungebremste Umverteilung von unten nach oben geht maßgeblich gerade auch auf die Person des Herrn Merz zurück. Auf eine Person, die zusätzlich noch Gentechnologie und Kernkraft befürwortet. Denn wen interessieren schon die Opfer von Tschernobyl oder Fukushima? Solche Menschen trifft man nämlich in der gesellschaftlichen Schicht des Herrn Merz nicht an.

Aber was für eine gesellschaftliche Schicht ist das überhaupt? Nach seinen eigenen Worten zählt sich der Herr Merz “zu der gehobenen Mittelschicht in Deutschland”. Also zu einer “Mittelschicht”, die jährlich gerade mal ein schlappes Milliönchen verdient und deren Mitglieder sich nur ein eigenes Privatflugzeug leisten können (das andere zur Privatnutzung gilt quasi als “Dienstwagen”).

Echt zu bedauern: Solche Leute keulen und malochen den ganzen, lieben langen Tag über und müssen anschließend mit einem Hungerlohn in der Tasche nach Hause gehen! Kein Wunder, dass der Herr Merz zumindest zeitweise der Politik sogar den Rücken zukehren musste, denn als armer Schlucker oblag es ihm selbst zu sehen, wo er bleibt.

Er blieb bei “BlackRock”, einem dieser Heuschreckenkonzerne, die liebend gerne abgreifen, abkassieren und weiterziehen. Ihre Opfer interessieren solche Konzerne nicht, denn die Wirtschaft dient ja bekanntlich uns allen, nicht wahr?

Bei BlackRock war er Aufsichtsratschef in Deutschland. Das Unternehmen, dem er vorstand, mischte kräftig mit, als es darum ging, mit Cum-Ex-Geschäften den deutschen Staat (genauer: uns Steuerzahler) um 55,2 Milliarden Euro zu betrügen.

Doch von alldem hat der Herr Merz selbstverständlich nichts – aber auch rein gar nichts – gewusst: Wie und wieso sollte er auch über die Geschäfte “seines” Unternehmens informiert sein?

Too big to fail … Manchmal frage ich mich allerdings, ob nicht der einzige Unterschied zwischen Politikern und organisiertem Verbrechen in der Tatsache liegt, dass gewisse Politiker die Gesetze brechen, die sie selbst gemacht haben. Manchmal denke ich mir auch, dass gewisse Politiker hinter Gittern besser als hinter einem Rednerpult aufgehoben wären. Aber das sind selbstverständlich nur ganz private Gedanken.

Eben dieser Herr Merz bewirbt sich jetzt um den CDU-Vorsitz, also um den Posten, der i. d. R. einer Kanzlerschaft voraus geht (nicht, dass seine Mitbewerber in irgendeiner Form besser wären, denn bei einer Wahl zwischen Pest, Cholera und Lepra …).

Seine Bewerbung um den Vorsitz soll, so besagen Gerüchte, auf Anregung eines gewissen Herrn Schäuble hin erfolgt sein. Ja, genau DER Schäuble: Derjenige, der in die CDU-Spendenaffäre verwickelt war (was aber mangels hinreichendem Tatverdachts nicht weiter untersucht worden ist) und der während seiner Zeit als Innenminister “Umerziehungslager” für Andersdenkende errichten lassen wollte (in einem verflossenen deutschen Staat nannte man so etwas KZ).

Derjenige, von dem ich aus früherer Berufstätigkeit noch mehr weiß, was aber nie in die Öffentlichkeit gelangt ist, wobei das belastende Material vor meinen eigenen Augen verbrannt wurde. Möglich, dass sich da zwei gesucht und gefunden haben. Doch zurück zum Herrn Merz, dem armen Schlucker.

Der soll jetzt also von BlackRock als Cheflobbyist in Berlin installiert werden. Äh, ich meine … – der soll jetzt möglicherweise die Merkel-Nachfolge antreten. Ideen hat er ja; das muss man ihm wirklich lassen.

So wartete er mit einem Patentrezept gegen Altersarmut auf: Die Leute sollen zwecks eigener Altersvorsorge Aktien kaufen! Selbstverständlich ist es reiner Zufall, dass ein Unternehmen wie BlackRock von derartigem Handel profitieren würde.

Außerdem sitzt das Geld der Deutschen doch locker, denn 860.000 Obdachlose, 1,13 Millionen unterbezahlte Leiharbeiter, 15,5 Millionen Verarmte, 2,2 Millionen Arbeitslose und 0,9 Millionen Statistikbereinigte – die haben doch immer noch mehr als genug!

Müssen sie sogar haben, wenn 132 Euro monatlich als H4 ausreichen. Also sollen die gefälligst Aktien kaufen, um für das Alter vorzusorgen! Und wenn besagte Aktien plötzlich aufgrund von Firmenpleiten wertlos werden? Tja, Pech gehabt; es kann ja nicht jeder zu “gehobenen Mittelschicht” zählen!

Warum nur erinnert mich derartiges Verhalten an den französischen Absolutismus: “Wenn die Leute kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.” Warum nur erwartet der dumpfdeutsche Depp, dass sich mit Leuten, die für das Schwingen von Reden auch noch bezahlt werden, irgend etwas verändert?

Politiker heute – und da macht der Herr Merz nun wirklich keine Ausnahme – sind eben NICHT mehr ihrem Volk verpflichtet, sondern stattdessen einem Auftraggeber, der es ihnen ermöglicht, sich ungehemmt die Taschen zu füllen.

Tritt so ein Politiker ab, dann ist er schnell vergessen und sein Nachfolger macht genau da und genau so weiter, wo der Vorgänger aufhören musste (oder wollte). Daran wird sich im Neoliberalismus garantiert nichts mehr ändern.

Das ist übrigens ein Fakt, mit dem ich mich längst abgefunden habe. Womit ich mich aber nicht abfinden kann und will, sind die Lügen und “weisen Vorschläge” solcher Schwachmaten, weil ich dabei immer nicht weiß, ob diese Typen nun wirklich so abgehoben-weltfremd sind, dass sie nichts mehr mitkriegen oder ob die uns einfach nur verhöhnen!