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»Blutrichterin« Hilde Benjamin in Broschüre als »starke Frau« geehrt

von Freie Welt

Als Richterin verhängte sie im SED-Regime Todesurteile

Das SED-Regime litt in den Anfangsjahren seiner Existenz unter dem Mangel an juristisch ausgebildetem Personal. Die meisten Richter hatten bis 1945 der NSDAP angehört und wurden daher für eine Weiterbeschäftigung in diesem Feld als ungeeignet betrachtet.

Ab 1946 wurden in der SBZ daher Menschen an Volksrichterschulen respektive der Zentralen Richterschule zu sogenannten Volksrichtern ausgebildet. Eine von ihnen war Hilde Benjamin, die von 1949 bis 1953 in zahlreichen Verfahren der Vorsitz inne hatte.

Zu diesen Verfahren gehören auch 13 Prozesse, die Benjamin gegen Oppositionelle des SED-Regimes führte.

Insgesamt verhängte Benjamin Zuchthausstrafen von 550 Jahren, schickte 15 Menschen lebenslänglich hinter Gitter und verhängte im Dresdner Schauprozess zwei Todesurteile (gegen Johann Buraniek und Wolfgang Kaiser), die 1952 vollstreckt wurden.

Nicht zuletzt für diese beiden Urteile erhielt sie Beinamen wie die »Rote Guillotine«, »Rote Hilde« oder auch »Blutige Hilde«.

In einer vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf herausgegebenen Broschüre »Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf« wird die »Blutige Hilde« als eine solche starke Frau geehrt. Dabei hatte Benjamin bereits zu Lebzeiten genügend Ehrungen als treue Parteigenossin erfahren. 1955 und 1962 erhielt sie den Vaterländischen Verdienstorden, 1972 die Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden, 1977 und 1987 den Karl-Marx-Orden und 1982 den Stern der Völkerfreundschaft.

Ihre Urne wurde nach ihrem Tod im April 1989 in einem Staatsakt unter Teilnahme der Politbüromitglieder Egon Krenz, Erich Mielke und Alfred Neumann mit militärischen Ehren auf der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

Die beiden von Hilde Benjamin zum Tode verurteilten und später von SED-Schergen hingerichteten Buraniek und Kaiser wurden 2005 rehabilitiert.