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1099 JAHRE DEUTSCHES REICH !!!

von Gunnar von Groppenbruch

Am 14. 4. 919 wurde Herzog Heinrich Liudolfing von Sachsen in Fritzlar zum ersten Deutschen Könige gewählt.

Dies bedeutete den endgültigen Bruch mit dem Frankenreiche der Karolinger, mit denen noch Heinrichs Vorgänger Konrad I. Konrading (Konrad der Jüngere) von Franken verwandt war, weswegen da noch vom Ostfränkischen Königreiche gesprochen werden muß.

Ab dem 12. Jahrhundert wurde König Heinrich I. der Beiname ‘der Vogler’ beigegeben. Dies hat seine Ursache darin, daß Heinrich die Zeit eines Tributfriedens mit den räuberischen Ungarn dazu nutzte, ein starkes Heer auf zu stellen und eine Reihe von Grenzbefestigungen zu errichten, die ‘Vögten’ unterstellt waren, im Volksmunde durch Verschleifung “Vögel” genannt.

Heinrich Liudolfing wurde 876 geboren und heiratete 909 Mathilde aus dem westfälischen Geschlechte der Immedinger, eine Nachfahrin des legendenumwobenen Sachsenherzoges Widukind Immeding.

Im Jahre 912 wurde Heinrich nach dem Tode seines Vaters Otto des Erlauchten Herzog von Sachsen.

Von besonderer Bedeutung in Heinrichs Königsherrschaft war der Gewinn Lothringens, das 925 als 5. Herzogtum dem Deutschen Königreiche angeschlossen wurde. Darüber hinaus erhielt er von Herzog und König Rudolf II. Welfing von Burgunden auf einem Hoftage zu Worm 929 die Heilige Lanze, die bis heute zu den Kleinodien des Deutschen Königreiches gehört und in der Weltlichen Schatzkammer der Hofburg zu Wien ausgestellt ist.

Angeblich soll  Heinrich eine Reise nach Rom geplant haben, um sich dort vom Papste zum römischen Kaiser krönen zu lassen. Ob es diesen Plan überhaupt je gegeben hat, ist jedoch strittig.

König Heinrich I. der Vogler starb am 2. 7. 936 in Memleben im Süden des heutigen Landes Sachsen-Anhalt nahe zu Thüringen und Sachsen und wurde in der von ihm bevorzugten Stadt Quedlinburg am Harz beigesetzt. Dort gründete sein Sohn Otto auf Veranlassung der Königswitwe das Stift Quedlinburg, in dessen Dome der verstorbene König wie auch mehr als dreißig Jahre später seine Frau ihre Grablege erhielten. Jedoch sind die Leichname von ihm und Königin Mathilde seit ungefähr 1018 verschwunden.

Sein Sohn König Otto I. Liudolfing der Große, Herzog von Sachsen, wurde am 2. 2. 962 von Papst Johannes XII. zum römischen Kaiser gekrönt. Seit jenem Tage verblieb die römische Kaiserwürde für rund 850 Jahre bei den Deutschen Königen. Gänzlich außergewöhnlich war, daß auch seine zweite Frau Königin Adelheid vom Papste gesalbt und gekrönt worden ist, was der Frau eines Karolingers nie zu Teil worden ist. Adelheid war die Tochter von König Rudolf II. Welfing von Burgunden und brachte nach dessen Tod dieses umfangreiche Erbe in das deutsche Königreich ein.

Die Heilige Deutsche Reichskrone, die schon als “Krone Ottos des Großen” und “Krone Karls des Großen” bezeichnet wurde, haben jedoch weder Otto I., noch sein Vater Heinrich I. und noch viel weniger Karl I. je auch nur zu Gesicht bekommen. Wie man heute sicher weiß, wurde die ganze Krone – nicht nur ihr Bügel – erst nach der Wahl von Konrad II. von Salfranken 1024 zum Deutschen Könige geschaffen und zu dessen Kaiserkrönung am 26. 3. 1027 geweiht. Dennoch war sie nie die Krone des römischen Kaisers, sondern immer die Krone des Deutschen Reiches, unabhängig vom Stande ihres Trägers. So sind im Laufe der Zeit mehrere Deutsche Könige mit ihr gekrönt worden, die nie römische Kaiser geworden sind. Der bedeutendste unter ihnen ist zweifelsohne König Rudolf I. von Habsburg, der wohl einzige Habsburger, der auch tatsächlich für das Reich gewirkt hat, für das er verantwortlich war, während fast alle seine Nachfahren, denen diese Aufgabe oblag, nur ihrem gänzlich vernagelten Katholizismus sowie ihrer eigenen Hausmacht gedient haben.

Üblicher Weise wurden die Kronen der Herrscher nach deren Ableben der Kirche gestiftet oder ganz einfach eingeschmolzen. Die ganz außergewöhnliche Gestaltung der Reichskrone verbot wohl schon von sich aus ein solches Vorgehen. Besonders bemerkenswert aber ist der Satz, den König Heinrich III. prägte, als er die Krone seines Vaters Konrad übernahm, und der bis heute und in alle Zukunft ungebrochen Gültigkeit hat:

“WENN DER HERRSCHER AUCH STIRBT, SO BLEIBT DOCH DAS REICH BESTEHEN !” 

 

Gunnar von Groppenbruch